"Der Vorher-Nachher-Effekt bei den Stellenanzeigen ist verblüffend", beschreibt DHZ-Kolumnistin und Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg das Ergebnis einer einfachen wie wirkungsvollen Methode. Dafür braucht es nur etwas Reflexion und Kreativität.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten Ihren Wunschmitarbeiter oder Ihre Wunschmitarbeiterin genau beschreiben – nicht nur die Fähigkeiten, sondern auch die Persönlichkeit, die Werte und die Ziele. Genau darum geht es bei der Methode, die ich Ihnen heute vorstellen möchte: das Erstellen von "Personas".
Eine Persona ist wie ein Steckbrief Ihres idealen Mitarbeiters. Sie geben ihm einen Namen, beschreiben seine Eigenschaften und überlegen sich, was ihm wichtig ist. Das klingt vielleicht zunächst etwas seltsam, es hilft jedoch ungemein, die richtigen Leute für Ihren Betrieb zu finden.
Persona-Methode: Warum ist das für kleine Handwerksbetriebe so nützlich?
Im Handwerk arbeiten wir in kleinen Teams, man kennt sich, man weiß, wie der/die andere seinen Kaffee trinkt, ob mit Kuh- oder Hafermilch, ob mit Zucker oder Süßstoff und wie viele Tassen davon am Tag nötig sind, damit die Stimmung positiv bleibt.
Das bedeutet, neben der fachlichen Eignung ist es mindestens genauso wichtig, dass der Mensch auch ins Team passt. Mitarbeitende, die die Stimmung versauen, kosten weit mehr als eine offene Stelle. Bevor jemand eingestellt wird, sollten Sie sich dessen wirklich bewusst sein.
Um ein passendes Teammitglied überhaupt erst zu suchen, lohnt sich die Arbeit in die Entwicklung einer Persona. Lassen Sie uns gemeinsam anschauen, wie Sie einen solchen Steckbrief erstellen können. Es ist einfacher, als es im ersten Moment klingt und wird noch einfacher, wenn man es ein paar Mal durchgespielt hat.
In meinen Workshops, in denen wir die Rekrutierungsprozesse optimieren, spielen wir die Erstellung einer Persona auch jedes Mal durch. Der Vorher-Nachher-Effekt bei den Stellenanzeigen ist verblüffend. Das Fazit meiner Kursteilnehmer: Nie mehr ohne Persona.
Das sind die Vorteile von Personas in der Rekrutierung
- Zielgerichtete Ansprache: Mit Personas können Sie Ihre Stellenanzeigen und Rekrutierungsstrategien genau auf die gewünschten Kandidaten zuschneiden.
- Besseres Verständnis: Sie helfen, die Bedürfnisse und Erwartungen potenzieller Mitarbeiter besser zu verstehen und sogar darauf einzugehen.
- Effizientere Auswahl: Durch die klare Skizzierung der Person fällt es leichter, passende Kandidaten zu identifizieren und einzustellen.

Wie entwickelt man eine Persona?
Dazu habe ich ein paar Leitfragen mitgebracht, die Sie einfach übernehmen können.
- Name der Persona:
Beginnen Sie mit einem Namen, der Ihre Zielgruppe repräsentiert. Zum Beispiel "Handwerker-Hans" oder "Technik-Tina". Das klingt total schräg, aber Namen machen eine fiktive Person tatsächlich lebendiger. - Werte:
Wählen Sie Werte aus, die für Ihre idealen Mitarbeiter wichtig sind. Bei uns im Handwerk könnten das "Teamgeist", "Verlässlichkeit" und "Kundenorientierung" sein. Vorsicht: Eine Persona ist zwar ein Wunschkandidat, aber definitiv keine "eierlegende Wollmilchsau". Wählen Sie realistische und nur die wichtigsten Werte aus. - Persönliche Eigenschaften:
Beschreiben Sie die Persona auf einer Skala. Ist sie sehr kommunikativ? Besonders loyal? Hochgradig engagiert? Hierbei hilft es auch, den Teamkollegen zu befragen, denn das Duo sollte später zusammenpassen. - Bedürfnisse:
Definieren Sie, was die Persona sucht. Das könnten z.B. eigenverantwortliches Arbeiten oder die Nähe zum Wohnort sein. Der Blick auf die Bedürfnisse eines aktiven Mitarbeiters auf diesem Posten kann hierbei helfen. Beachten Sie unbedingt das Alter und in welchem Lebenszyklus die Person sein könnte. - Was bietet Ihr Betrieb?
Überlegen Sie, welche Ihrer Stärken für diese Persona besonders relevant sind. Hier hilft es, wenn man sich den Stärken seiner Arbeitgebermarke bewusst ist. - Ziel der Persona:
Formulieren Sie die Hauptmotivation. Möchte sich die Persona weiterentwickeln, Teil eines starken Teams sein oder an spannenden Projekten arbeiten? Was kann die freie Stelle und/oder Ihr Betrieb bieten?
Werden Sie kreativ und schreiben Sie Ihre Antworten in eine Tabelle. Bei der nächsten Stellenausschreibung können Sie einzelne Teile davon wiederverwenden. Warum nur einzelne? Weil jede Stelle eine andere Person braucht, die andere Bedürfnisse, Ziele und Werte innehat. Lediglich Punkt 5 ist auf andere Personas übertragbar.
Fazit: Personas als Werkzeug für erfolgreiches Recruiting
Die Entwicklung von Personas mag zunächst wie zusätzlicher Aufwand erscheinen, aber sie zahlt sich aus. Sie hilft Ihnen, Stellenanzeigen konkret zu formulieren. Wir haben inzwischen genug Aufschriften auf Autos gesehen, bei denen "Monteur gesucht" oder "Wir suchen dich" zu lesen ist.
Nutzen Sie Personas, um Ihre Stellenanzeigen zu schärfen, Ihre Unternehmenskultur zu reflektieren und letztendlich die Mitarbeiter zu finden, die nicht nur fachlich passen, sondern auch menschlich in Ihr Team gehören. Denn im Handwerk geht es nicht nur um Fähigkeiten, es geht um Persönlichkeiten, die zusammen Großes schaffen.
Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.