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Bildmanipulationen Passfotos vom Amt: Fotografen laufen Sturm gegen geplantes Gesetz

Das Bundesinnenministerium plant einem Referentenentwurf zufolge nur noch Passbilder zuzulassen, die direkt im Amt aufgenommen wurden. Grund dafür ist die Sorge vor Bildmanipulationen. Die Berufsfotografen sehen durch die Pläne ihre Existenz bedroht.

Harald Hesse, Fotografenmeister und Inhaber von "Foto + Studio Hesse" in Nürnberg, ist wütend: "Der Mensch soll hier massiv entmündigt werden und nicht mehr frei entscheiden können. Der Bürger ist nicht per se ein Verbrecher", schimpft er. Ohne Not setze die Bundesregierung zudem die Zukunft hunderter Handwerksbetriebe aufs Spiel.

Passfotos nur noch in Passbehörden

Der Grund für Hesses Wut ist ein Gesetzentwurf aus dem Bundesinnenministerium. Demnach sollen künftig bei der Beantragung von Personalausweisen und Reisepässen nur noch Fotos erlaubt sein, die in den Passbehörden in Selbstbedienungsterminals unter Aufsicht von Beamten angefertigt wurden. Begründung ist, dass auf diese Weise Manipulationen an den Fotos erschwert werden, etwa das sogenannte Morphing. Dabei handelt es sich um ein technisches Verfahren, bei dem mehrere Fotos übereinander gelegt und zu einem neuen Bild verschmolzen werden. Dadurch sei es möglich, dass nicht nur eine Person den Pass nutzt, sondern auch eine zweite, deren Gesichtszüge der Person auf dem Foto ähneln, erklärte ein Ministeriumssprecher.

Rund 11.000 Fotoautomaten sollen laut den Plänen von Bundesinnenminister Horst Seehofer für die etwa 5.500 Passämter in Deutschland angeschafft werden, 177 Millionen Euro werden dafür veranschlagt. Im Gegenzug sollen die Gebühren, die die Ämter für die Ausstellung von Personalausweisen und Reisepässen verlangen, um drei Euro steigen. Die Neuerungen sollen nach einer Übergangszeit von zwei Jahren in Kraft treten, also ungefähr im Sommer 2022 – vorausgesetzt, Bundestag und Bundesrat stimmen innerhalb der kommenden Monate zu.

Fotografen befürchten Verlust von Arbeitsplätzen

Doch wenn die Passfotos künftig von Automaten in der Passbehörde angefertigt werden und nicht mehr vom kleinen Fotostudio um die Ecke, droht vielen Betrieben das Aus. Der Centralverband Deutscher Berufsfotografen fürchtet Umsatzverluste in Höhe von rund 100 Millionen Euro jährlich. Er vertritt die Interessen von 45.000 in die Handwerksrolle eingetragenen Fotostudios. Es hätten sich nach Bekanntwerden der Pläne viele Betriebsinhaber gemeldet, heißt es in einem Brief des Verbands an Innenminister Seehofer. "Sie sind äußerst besorgt über ihre berufliche Existenz", schreibt der Innungsverbandsvorsitzende Hans Starosta. Passbilder seien das "Brot- und Buttergeschäft" der Fotostudios, etwa zehn Millionen davon würden jedes Jahr in Deutschland angefertigt. Fallen diese Einnahmen weg, würde das Ausbildungs- und Arbeitsplätze kosten.

"Kommt dieses Gesetz, bedeutet das das Aus für fast alle Fotostudios und Fotohändler", befürchtet auch der Nürnberger Fotografenmeister Hesse. "Für meinen Betrieb kann ich jetzt schon sagen, dass mindestens die Hälfte des Personals entlassen wird, wenn das Vorhaben in Kraft treten sollte." Auch die aktuell noch vorhandene Lehrstelle müsse dann ersatzlos gestrichen werden.

Technische Lösungen können Bildmanipulationen verhindern

Aus diesem Grund lehnt auch der Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT) die geplante Änderung des Passgesetzes ab. Die Pläne der Bundesregierung seien für viele kleine und mittelständische Unternehmen existenzbedrohend, so BVT-Vorstand Rainer Schorcht, der zugleich Vorstandsvorsitzender der United Imaging Group ist. "Das geplante Passgesetz vernichtet Arbeitsplätze. Eine Verstaatlichung des Passbildgeschäftes wäre für jeden Foto-Fachhändler und seine Mitarbeiter ein Schlag ins Gesicht." Denn die Fotohändler erzielen mit der Erstellung der Passbilder nicht nur den höchsten Deckungsbeitrag, sondern sorgen durch diesen Service auch maßgeblich für Kundenfrequenz in den Geschäften.

Fotografen wollen kooperieren

Beim Verhindern von manipulierten Passbildern wollen die Fotografen durchaus konstruktiver Partner sein. So fordert der BVT von der Bundesregierung mehr Kooperation von Privatwirtschaft und Behörden, anstatt das Passbildgeschäft zu verstaatlichen. Namhafte Händlergruppen würden bereits gemeinsam mit den Herstellern von Passbildstationen, dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie Softwareherstellern an einem Konzept arbeiten, das die sichere Bildübertragung vom Fotografen direkt an die Passbildämter gewährleisten soll, sagt Schorcht. "Mit unserer Lösung wird der noch zu kreierende Passbildmacher auf Beamtenebene überflüssig." Zugleich lasse sich dadurch jede Menge Steuergeld einsparen.

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