Einmal im Jahr gehen Parkettleger auf Tour, um in ihrer Freizeit ohne Bezahlung in historischen Gebäuden ihr Können zu zeigen und selbst dabei zu lernen.

Deutsches Handwerk hilft. So hieß eine Initiative, die Peter Maffay dabei unterstützte, in Rumänien ein Hilfsprojekt für benachteiligte Kinder auf den Weg zu bringen. Das liegt gut zehn Jahre zurück. Heute erleben im Tabalugahaus von Radeln jährlich rund 300 Kinder therapeutische Auszeiten – auch dank der vielen Handwerker, die damals ihre Freizeit opferten, um für die Peter Maffay Stiftung die Ärmel hochzukrempeln. Die Parkettleger, die zwischen 2011 und 2015 dreimal in Siebenbürgen waren, haben inzwischen einen eigenen Hilfsverein gegründet. Als "Parkettleger on Tour" treffen sich engagierte Meister, Gesellen und Lehrlinge einmal im Jahr, um in einem historischen Gebäude alte Fußböden in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.
Treibende Kraft hinter den ehrenamtlichen Einsätzen ist Parkettlegermeister Ernst Müller. Der ehemalige Berufsschullehrer an der Gewerblichen Schule Ehingen blickt gern auf die erste Fahrt nach Rumänien zurück. "Mit vier Lehrlingen und fünf Meistern aus der damaligen Innung Baden-Württemberg Nord haben wir im ehemaligen Pfarrhaus von Radeln die Böden renoviert. Wir waren mit vier Transportern voller Material und Werkzeug acht Tage unterwegs. Die Hälfte davon ging allein für die Hin- und Rückreise drauf", erinnert sich Müller an den abenteuerlichen Einsatz.
Junge Parkettleger können eine Menge lernen
Trotz oder gerade wegen der schwierigen Arbeitsbedingungen vor Ort, seien solche Einsätze für Lehrlinge oder junge Gesellen eine wichtige Erfahrung. "Auf solchen Baustellen muss besonders viel improvisiert werden. Da können Auszubildende eine Menge lernen", weiß Ernst Müller aus seiner 42-jährigen Tätigkeit als technischer Lehrer.
Das war auch ein wichtiger Anreiz für die Parkettleger, nach ihrem letzten Einsatz in Radeln ihr ehrenamtliches Engagement nicht einfach aufzugeben. Gerade alte Schlösser oder historisch wertvolle Gebäude bergen oft Parkettböden von einer selten gewordenen Eleganz. Holzböden, die einst hohe Anforderungen an das handwerkliche Können ihrer Schöpfer gestellt haben und heute nicht mehr vorhanden oder stark beschädigt sind. Dort, wo Böden nach historischem Vorbild rekonstruiert werden müssen, können ambitionierte Parkettleger zeigen, welche Vielfalt an Techniken sie beherrschen. Und Lehrlinge lernen, was in der Berufsausbildung gar nicht mehr vermittelt werden kann.
Schon ein Jahr nach dem letzten Einsatz im rumänischen Radeln trafen sich die Parkettleger in der Burg Liebenstein im tschechischen Liba. Weitere Projekte folgten zum Beispiel im Barockschloss Dahlen oder in der Hubertusburg Wermsdorf in Sachsen sowie im Winzermuseum Rauenberg im Rhein-Neckar-Kreis. Überall kümmern sich ehrenamtlich engagierte Bürger in Vereinen um den Erhalt der historischen Objekte, was ohne staatliche Fördermittel oder private Spenden nicht möglich wäre. Da sind die Parkettleger on Tour gern gesehene Gäste. Ernst Müller, inzwischen im Ruhestand, aber in der Branche noch bestens vernetzt, organisiert dafür auch Geld- und Materialspenden bei Sponsoren aus der Industrie.
Arbeiten auf Schloss Altenstein
So auch für die Einsätze in Bad Liebenstein, wo die Parkettleger schon zweimal für die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten gearbeitet haben. Im Schloss Altenstein, einst Sommerresidenz der Herzöge von Sachsen-Meiningen und 1982 bei einem Brand schwer beschädigt, wurde 2022 der Speisesaal nach historischem Vorbild mit einem neuen Eichenholzparkett versehen. Das Schloss beherbergt zudem eine Gedenkstätte für den Komponisten Johannes Brahms. Deren Vorraum benötigte ebenfalls einen neuen Fußboden, für den keine Vorgaben zu beachten waren. So konnten die Parkettleger ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Sven Grunwald nutzte den Freiraum und entwarf ein Motiv mit zwei großen und mehreren kleinen Sternen.
Der Meister aus dem sächsischen Delitzsch war bereits 2015 in Radeln dabei – damals noch als Azubi im zweiten Lehrjahr. Inzwischen hat er seinen Meisterbrief in der Tasche und einen Betrieb gegründet. Die ehrenamtlichen Einsätze waren für ihn eine wichtige Motivation, sich im Handwerk weiterzubilden. Heute ist er selbst als Referent in der Meisterausbildung aktiv und engagiert sich im Vorstand der Parkettleger on Tour.
Parkettleger on Tour sind keine Restauratoren
Der Verein bietet also nicht nur neue Holzfußböden für betagte Schlösser, sondern auch Chancen für junge ambitionierte Handwerker wie Lisa Tiepelmann. Die 22-Jährige sammelt seit 2019 bei den ehrenamtlichen Einsätzen wichtige Erfahrungen, die ihr unter anderem den vierten Platz und eine Exzellenzmedaille bei den Euro-Skills in Danzig einbrachten.
Bei ihrem zweiten Einsatz in Bad Liebenstein im Juni mussten die Parkettleger on Tour kurzfristig improvisieren, weil das örtliche Denkmalamt sein Veto eingelegt hatte. "Wir sind keine Restauratoren", klärt Ernst Müller auf. "Aber wir können historische Böden nach den Vorgaben alter Muster nachbilden." Und so fanden die ehrenamtlichen Parkettleger auch in diesem Jahr in Bad Liebenstein zwei Objekte, wo ihre Hilfe willkommen war: In der Villa Feodora bekam das historische Trauzimmer einen neuen Parkettboden und im Schloss Altenstein wurden zwei Parkettböden im Hofmarschallamt verlegt.
Momentan planen die Parkettleger on Tour bereits ihren nächsten Einsatz für das kommende Jahr. Zwei Objekte stehen in der näheren Auswahl: Schloss Zerbst im Anhaltinischen oder Schloss Martinfeld im Eichsfeld.
>>> Lesen Sie hier Teil 1 der Serie "Sozial engagiertes Handwerk"
>>> Lesen Sie hier Teil 2 der Serie "Sozial engagiertes Handwerk"
