Handwerk und Sport
Paralympics: Orthopädietechniker machen Unmögliches möglich
Die Paralympischen Spiele 2024 in Paris waren ein Schaufenster sportlicher Höchstleistungen. Als unverzichtbarer Partner im Hintergrund der Athleten erwiesen sich Orthopädietechniker. Was die Handwerker in Paris erlebten.
Das Unmögliche möglich machen: Für Franko Klahr ist das Ehrensache. In Paris brachte der Orthopädietechnikmeister und Fachlehrer an der Berufs- und Meisterschule Carl-Bosch-Schule (CBS) in Heidelberg seine Expertise in die orthopädietechnische Werkstatt ein. "Das Tolle an der Werkstatt ist der Teamgeist", schwärmt Klahr. Keiner der Techniker beherrsche jeden Bereich gleichermaßen gut. "Kommst du nicht weiter, rufst du in den Raum und schon melden sich Kollegen und wir arbeiten gemeinsam an der Lösung eines Problems."
Vertrautes und Überraschendes
Athleten aus aller Welt kommen mit ganz unterschiedlichen Problemen in diese Werkstatt. Die Orthopädietechniker vor Ort reparieren Hilfsmittel, deren Konstruktion ihnen teils aus ihren eigenen Ländern bekannt ist, teils sehen sie aber auch überraschende Lösungen. "Da ist viel Kreativität und Flexibilität gefragt, um die Hilfsmittel wieder funktionstüchtig zu machen", kommentiert Julian Napp.
Bereits zum siebten Mal unterstützt der Orthopädietechnikmeister aus Duderstadt die paralympische Werkstatt und leitete inzwischen zum vierten Mal die Werkstätten als technischer Direktor. Seine Leidenschaft für das Handwerk entdeckte Napp als 14-Jähriger bei einem Para-Sportevent in seiner Heimatstadt. Dieses Erlebnis inspirierte ihn zur Ausbildung als Orthopädietechniker bei Ottobock vor 20 Jahren. In den paralympischen Werkstätten treffe präzises Handwerk auf Improvisation. "Das ermöglicht es uns, individuelle Reparaturen schnell durchzuführen", beschreibt Napp. Denn schnell müsse es gehen. Athleten, die nicht pünktlich beim Wettbewerb erscheinen, werden disqualifiziert.
Reparatur bringt Athletin den Tränen nah
Franko Klahr berührten denn auch zwei Reparaturen in Paris besonders stark. Eine thailändische Athletin benötigte ein neues Kniegelenk, um die paralympischen Wettbewerbe antreten zu können. "Die Sportlerin war vor Glück den Tränen nah", erzählte Klahr. Richtig knifflig war zudem die Reparatur einer doppelseitigen Orthese für einen Athleten aus dem Kongo. "Erst nach zwei Tagen intensiver Arbeit konnte ich die Orthese wieder nutzbar machen", so Klahr, der bereits zum fünften Mal bei den Paralympics dabei war.
Für Alf Reuter ist das Orthopädietechnikhandwerk der Schlüssel zu den beeindruckenden Leistungen, die die Sportler bei den Paralympischen Spielen erbringen. Der Präsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik sagte bei seinem Besuch der großen Werkstatt in Paris: "Ohne die präzise angepassten Hilfsmittel, die unsere Techniker vor Ort reparieren oder in besonderen Fällen neu fertigen, wäre es vielen Athleten nicht möglich, ihre sportlichen Träume zu verwirklichen. Wir sind stolz darauf, ein unverzichtbarer Partner auf dem Weg zu ihren Erfolgen zu sein."
Neben den eigentlichen Arbeiten gehörte für Fachlehrer Franko Klahr auch der Besuch von 45 Schülern und Neu-Gesellen der CBS in Heidelberg zu den Highlights in Paris. "Die Schüler waren wahnsinnig begeistert. Eine Begeisterung, die auch im Nachgang noch stark zu spüren ist", betont der Orthopädietechnikmeister.
Sein Wunsch ist: Das Interesse an den Olympischen und den Paralympischen Spielen sollte auf dem gleichen Niveau ankommen. "Die Pariser haben eine wahnsinnige Stimmung erzeugt und sind meinem Ideal schon sehr nahegekommen. Das war ungemein beeindruckend!"
Die technische Seite der Paralympics
Bei den Paralympischen Spielen 2024 in Paris unterstützten 130 Orthopädietechniker aus 42 Ländern – darunter viele Deutsche – die Athleten. Unter der Leitung des Hilfsmittelherstellers Ottobock stellten sie in speziell eingerichteten Werkstätten sicher, dass Prothesen, Rollstühle und andere Hilfsmittel stets einsatzbereit waren. Ihr Engagement und ihre Expertise ermöglichen es den Sportlern, ihre besten Leistungen abzurufen und sportliche Grenzen zu überwinden.