Papst Benedikt XVI. tritt zurück. Er gibt sein Amt zum Ende des Monats auf. Für viele im Vatikan, aber auch für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken kommt der Rücktritt des Papstes offenbar völlig überraschend. Er habe nicht mehr die nötige Kraft, sagte der 85-Jährige Bayer. Heinrich Traublinger, Präsident des Bayerischen Handwerkstags, bedauert den Rücktritt.
"Ich zolle der Entscheidung des Heiligen Vaters selbstverständlich allerhöchsten Respekt", sagte Bayerns Handwerkspräsident Heinrich Traublinger der Deutschen Handwerks Zeitung . "Zugleich bedaure ich aber seinen angekündigten Rücktritt, denn ich bin der Meinung, Papst Benedikt XVI. ist für unsere Zeit genau das richtige Oberhaupt für die Katholische Kirche."
Traublinger weiter: "Ich durfte dem Heiligen Vater einige Male persönlich begegnen und war zutiefst beeindruckt von seinem Charisma und seiner bayerisch geprägten Warmherzigkeit. Er ist seiner Heimat aus tiefstem Herzen verbunden und vielleicht gerade deshalb ein so guter Hirte für die gesamte katholische Christenheit." Benedikt XVI. (bürgerlich Josef Aloisius Ratzinger) kommt gebürtig aus Markt am Inn im Landkreis Altötting.
"Wie ein Blitz aus heiterem Himmel"
Offenbar traf auch die Kardinäle der Rücktritt überraschend: "Wie ein Blitz aus heiterem Himmel hat diese Versammlung Ihre bewegende Botschaft gehört", sagte Kardinal Angelo Sodano laut Radio Vatikan bei dem "Konsistorium" in Rom - jener Versammlung von Kardinälen, bei der Benedikt zuvor seinen Rücktritt angekündigt hatte. "Wir haben sie mit Fassungslosigkeit und beinahe ungläubig gehört", betonte Sodano.
Mit Bedauern hat ebenfalls die Bundesregierung auf die Ankündigung von Papst Benedikt XVI. reagiert, sein Amt aus Gesundheitsgründen aufzugeben. "Als Christ und zumal als Katholik reagiert man mit Bewegung und mit Betroffenheit darauf", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. "Die Bundesregierung hat den allerhöchsten Respekt für den Heiligen Vater, für seine Leistung, für seine Lebensleistung, für die katholische Kirche."
Papst tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück
"Was immer die Gründe für diese Erklärung jetzt sein mögen, sie sind natürlich zu ehren und zu achten und es gebührt ihm der Dank, diese Weltkirche jahrelang so geleitet zu haben", sagte Seibert weiter. Josef Ratzinger wurde am 19. April 2005 zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. Mit seiner Namenswahl spielte der Papst unter anderem auf Benedikt von Nursia an, den Gründer des Benediktinerordens.
Benedikt XVI. hat seinen Rücktritt mit gesundheitlichen Problemen begründet: "Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben."
Daher verzichte er auf das Amt des Bischofs von Rom, so dass am 28. Februar, um 20.00 Uhr, der Stuhl des Heiligen Petrus vakant sein werde. Ein neuer Papst soll bis spätestens Ostern gewählt sein. Seine Rücktrittsrede im Wortlaut finden Sie hier.
Aus deutscher Sicht ist Benedikts Pontifikat zweifellos historisch: Benedikt war der erste deutsche Papst seit Jahrhunderten. Freiwillig zurückgetreten ist vor ihm bisher nur ein Pontifex: Coelestin V. im Jahr 1294. Der frühere Einsiedler mit dem Geburtsnamen Pietro del Murrone war im Sommer gegen seinen Willen gewählt worden, fühlte sich jedoch machtlos gegen die Korruption der Kurie und trat im Dezember 1294 zurück. dapd /rh
Zehn Daten zu Papst Benedikt XVI.
- 16. April 1927: Joseph Ratzinger kommt im oberbayerischen Marktl am Inn auf die Welt und wird noch am selben Tag getauft.
- 29. Juni 1951: Ratzinger wird in Freising zum Priester geweiht. Seine erste Messfeier zelebriert er am 8. Juli in Traunstein.
- 1957: Habilitation an der Universität München im Fach Fundamentaltheologie.
- 25. März 1977: Papst Paul VI. ernennt Ratzinger zum Erzbischof von München und Freising. Am 28. Mai 1977 folgt die Bischofsweihe.
- 27. Juni 1977: Papst Paul VI. ernennt ihn zum Kardinal.
- 25. November 1981: Papst Johannes Paul II. ernennt Ratzinger zum Präfekten der Glaubenskongregation. Im Februar 1982 nimmt Ratzinger Abschied von München.
- 19. April 2005: Das Konklave wählt Ratzinger zum Papst. Er gibt sich den Namen Benedikt XVI.
- Er ist nach kirchlicher Zählung der 265. Papst und gilt als der erste Deutsche auf dem Stuhl Petri seit fast 500 Jahren (Papst Hadrian VI. stammte allerdings aus Utrecht, das damals zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gehörte). dapd
