Einsatz für Dialog der Kulturen und Religionen Ein historischer Papst: Benedikt XVI. zieht sich freiwillig zurück

Papst Benedikt XVI. geht, unabhängig von den Höhepunkten und Tiefen seines Pontifikats, in die Geschichte ein: als erstes katholisches Kirchenoberhaupt der Neuzeit, das von der Nachfolge Petri freiwillig zurücktritt. Im krassen Gegensatz zu seinem Vorgänger Johannes Paul II.

Papst Benedikt XVI. im Konzerthaus in Freiburg. - © Torsten Silz/dapd

Dessen langes Pontifikat in den letzten Wochen vor seinem Tod vom öffentlichen Leiden geprägt waren, zieht sich Joseph Ratzinger zu Lebzeiten aus Gesundheitsgründen zurück.

Um das verantwortungsvolle Amt gerissen hatte sich der deutsche Professor Josef Ratzinger ohnehin nie. Seinen Lebensabend hatte sich Ratzinger eigentlich ganz anders vorgestellt: Nach langen Jahren in hohen kirchlichen Ämtern wollte er endlich in den Ruhestand, um sich dem Schreiben von theologischen Büchern widmen zu können.

Als die Kardinäle aus aller Welt nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. 2005 ein neues Kirchenoberhaupt wählten, betete Ratzinger in der Sixtinischen Kapelle: "Tu mir das nicht an!" Er wurde nicht erhört. Der Bayer wurde drei Tage nach seinem 78. zum Oberhaupt zum Nachfolger Petri gewählt.

Wer nach dem mehr als 26-jährigen Pontifikat von Johannes Paul II. auf einen Reformer im Vatikan gehofft hat, war nach der Wahl Ratzingers enttäuscht. Er hatte schon längst den Ruf eines strengen Glaubenshüters, war als "Panzerkardinal" verschrien. Und natürlich rückte Ratzinger auch als Papst von seinen unbequemen Positionen nicht ab: Er prangert weiter Abtreibung und gleichgeschlechtliche Partnerschaften an, hält am Zölibat für Priester fest und hat klare Grenzen für das Laienengagement formuliert.

Dialog der Kulturen

Und doch verblüffte der deutsche Papst so manchen Skeptiker: Obwohl Ratzinger im Gegensatz zu Johannes Paul II. die Show, das Spiel mit den Massen nicht liegt, begeisterte der zurückhaltende Benedikt XVI. bei Audienzen und Auslandsreisen. Ratzinger überraschte insbesondere am Anfang seines Pontifikats durch Offenheit, Kollegialität und sein Bemühen um Versöhnung: Er lud Vatikan-Kritiker wie den Theologen Hans Küng zum Gespräch ein, führte bei der Weltbischofssynode eine "freie Diskussion" ein. Und er verblüffte schließlich die Öffentlichkeit, als er vom grundsätzlichen Kondomverbot leicht abrückte.

Allerdings wurden diese Zeichen in den Medien überlagert durch Pannen und Krisen: Die Verwendung eines Mohammed-kritischen Zitats bei seiner Regensburger Vorlesung führte 2006 zu heftigen Protesten in islamischen Ländern. Die Begnadigung der Bischöfe der traditionalistischen Piusbruderschaft löste 2009 weltweit einen Sturm der Entrüstung aus. Juden kritisierten zudem die Wiederzulassung der Karfreitagsfürbitte für ihre Erleuchtung und die Fortsetzung des Verfahrens zur Seligsprechung von Papst Pius XII.

Dabei ist gerade der Dialog der Religionen und Kulturen eines der zentralen Themen von Benedikts Pontifikat. Dieser Dialog ist für den Papst keine Option, "sondern eine lebenswichtige Notwendigkeit unserer Zeit" - auch, aber nicht nur um des Weltfriedens willen. Der Papst sieht in den Anhängern der anderen monotheistischen Religionen auch Verbündete im Kampf gegen Atheismus und Säkularisierung. Das ist der zweite Schwerpunkt seines Pontifikats: Benedikt will der sich "ausbreitenden Gott-Vergessenheit" etwas entgegensetzen.

Erster deutscher Papst seit Jahrhunderten

Auch aus deutscher Sicht ist Benedikts Pontifikat zweifellos historisch: Benedikt war der erste deutsche Papst seit Jahrhunderten. Ratzinger wurde am Karsamstag 1927 im oberbayerischen Marktl am Inn geboren. Im Juni 1951 wurde er in Freising zum Priester geweiht und schlug schnell eine universitäre Karriere ein: Mit gerade einmal 30 Jahren habilitierte er an der Universität München im Fach Fundamentaltheologie. 1959 wurde er Professor für Dogmatik zunächst an der Universität in Bonn, dann in Münster, Tübingen und schließlich in Regensburg, wo er zum Vizepräsidenten der Universität aufstieg.

Als ihn Papst Paul VI. 1977 zum Erzbischof von München und Freising ernannte, nahm der pflichtbewusste Ratzinger die neue Aufgabe schweren Herzens an. Keine fünf Jahre später folgte der Ruf von Johannes Paul II. in den Vatikan, wo der Kardinal Präfekt der Glaubenskongregation und einer der engsten Mitarbeiter des polnischen Papstes wurde.

Nach dem Tod Johannes Pauls leitete Kardinal Ratzinger nicht nur die Trauerfeierlichkeiten, sondern wurde schließlich auch zum Nachfolger des Polen gewählt. Trotz seines hohen Alters wird Benedikt XVI. bei seinem Rücktritt Ende Februar fast acht Jahre im Amt gewesen sein. Danach wird Ratzinger wohl völlig zurückgezogen leben - und möglicherweise endlich die Zeit zur theologischen Forschung haben, nach der er sich viele Jahre gesehnt hat. dapd