Betriebsstatistik Handwerk 2013 Osteuropäer gründen mehr Betriebe

Die Gründungswelle im Handwerk hat sich etwas verlangsamt, die Betriebsstatistik zeigt aber weiter nach oben. Vor allem Menschen aus Osteuropa machen sich in den zulassungsfreien Berufen wie Fliesenleger und Raumausstatter in Deutschland selbstständig. Der Trend geht zu schnelleren Betriebsschließungen und Kleinstbetrieblichkeit.

Im Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerhandwerk gründeten sich 2013 die meisten neuen Betriebe. Hier besteht keine Meisterpflicht. - © Foto: Kadmy/Fotolia

Die Zahl der Handwerksbetriebe in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr nur noch leicht erhöht. Zum Jahreswechsel gab es hierzulande genau 1.008.593 Handwerksbetriebe – 0,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor. "Im Vergleich zum starken Zuwachs in den Jahren 2004 bis 2011 hat sich der Betriebszuwachs damit im zweiten Jahr in Folge deutlich verlangsamt", schreibt der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) in seiner Betriebsstatistik für 2013.

Einen Rückgang hat es in der Anlage A – den zulassungspflichtigen Berufen – gegeben, während in der Anlage B1 – den zulassungsfreien Berufen – ein Zuwachs von mehr als vier Prozent zu verzeichnen war. Zum Jahresende 2013 waren insgesamt 227.787 Betriebe in die B1-Handwerke eingetragen.

Neben den vielen Zugängen in Anlage B1 hat es andererseits auch übermäßig viele Austragungen und Liquidationen gegeben. Das lässt auf eine zunehmende Kurzlebigkeit und eine Kleinstbetriebsstuktur in den zulassungsfreuen Gewerken schließen.

18 Prozent der B1-Betriebe aus Osteuropa

Der "Run" in Anlage B1 kommt aus Osteuropa. "Ein wesentlicher Grund dürfte sein, dass B1-Handwerke nicht zuletzt von mittel- und osteuropäischen Inhabern bevorzugt in Großstädten gegründet werden", analysiert der ZDH. Innerhalb der Gewerbe habe es die absolut stärksten Zuwächse der Betriebszahlen bei den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern (+2.447 auf 70.432 Betriebe) gegeben, aber auch bei den Gebäudereinigern (+2.416 auf 46.500 Betriebe), bei den Fotografen (+1.979 auf 16.773 Betriebe) und den Raumausstattern (+902 auf 27.373 Betriebe). "Diese vier Gewerke stehen inzwischen für 70,7 Prozent des gesamten Betriebsbestands in der Anlage B1", so der ZDH.

Unterm Strich kamen im Jahr 2013 von den 41.300 Zugängen 13.084 aus Mittel- und Osteuropa. Der ZDH: "Es bleibt dabei: Die Inhaber lassen sich fast ausschließlich in den drei Gewerken Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Gebäudereiniger und Raumausstatter eintragen. Inzwischen hat sich alleine in den B1-Handwerken ein Bestand von 40.906 Betrieben mit Inhabern aus Mittel- und Osteuropa aufgebaut – das entspricht rund 18 Prozent des gesamten Betriebsbestands in der Anlage B1."

"Treffen wir diese Gewerbeangemeldeten aber als Scheinselbstständige zu Dumpinglöhnen auf den Baustellen wieder, dann ist das Missbrauch", hatte ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer diesen Trend in einem Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung im Februar kommentiert.

Auch in den zulassungsfreien B2-Gewerken des handwerksähnlichen Gewerbes sind die Betriebszahlen wieder leicht gesunken. Zum Jahresende 2013 waren 186.347 Betriebe eingetragen; das sind 1.218 oder 0,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. bur