DIN-Normen Normen helfen im Betriebsalltag

Wer in Deutschland einen Briefbogen kauft, kann sich sicher sein, dass er dafür auch einen passenden Briefumschlag bekommt. Zu verdanken haben wir das der DIN 476, mit der im Jahr 1922 einheitliche Papierformate geschaffen wurden. Die erste DIN-Norm erblickte aber schon im März 1918 das Licht der Welt. Viele Normen gelten auch im Handwerk.

Anna-Maja Leupold

Mit der DIN 476 wurden im Jahr 1922 einheitliche Papierformate geschaffen. Auch das Briefeschreiben ist seitdem einheitlich geregelt. - © Foto: Kaarsten/Fotolia

DIN 1 Kegelstifte – so hieß die erste Norm, die das Deutsche Institut für Normung (DIN) im März 1918 veröffentlicht hat. Seither sind viele Normen dazu gekommen. Mittlerweile gibt es 33149 DIN-Normen. Jede von ihnen wird spätestens alle fünf Jahre überprüft und wenn nötig angepasst.

Die Liste der DIN-Normen reicht von Baulängen für Armaturen über Elektrogewinde, Möbelbeschläge, Prüfverfahren für Beton und Wechselstromgrößen bis hin zu Wärmedämmstoffen für Gebäude und Zahlenangaben. Selbst die genaue Definition des Begriffes Norm ist in einer DIN-Norm festgehalten. Laut DIN EN 45020 ist eine Norm ein "Dokument, das die allgemeine und wiederkehrende Anwendung Regeln, Leitlinien oder Merkmale für Tätigkeiten oder deren Ergebnisse festlegt".

Normen basieren auf Freiwilligkeit

DIN-Normen formulieren einheitliche Standards für die Wirtschaft. Sie können sich auf Gegenstände und Verfahren beziehen. Sie sind keine Gesetze sondern lediglich Empfehlungen. Ihre Anwendung geschieht deshalb auf freiwilliger Basis. Dennoch haben Normen eine hohe Durchsetzungskraft, denn sie bringen sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher viele Vorteile mit sich.

Sie sorgen nahezu unbemerkt dafür, dass uns im Alltag so manches Ärgernis erspart bleibt. Ohne Normen würde der DIN A4-Bogen beispielsweise nicht in den Drucker, der USB-Stick nicht in den Computer und die Schraube nicht zur Mutter passen.

Zudem haben Normen eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung. Sie tragen zur Kostensenkung für Unternehmen bei, denn sie machen Massenproduktion und globalen Einkauf möglich. Laut dem DIN-Institut beträgt der volkswirtschaftliche Nutzen von Normen in Deutschland pro Jahr rund 17 Milliarden Euro.

DIN-Norm beendet Wirrwarr bei Papierformaten

Die wohl bekannteste Norm wurde am 18. August 1922 mit der DIN 476 Papierformate aus der Taufe gehoben. Damit wurde dem großen Wirrwarr bei den unterschiedlichen Formaten in Deutschland ein Ende gesetzt. 210mm x 297mm lautet seither das Standardmaß für ein Blatt der Größe DIN A4.

Der Physiker und Mathematiker Walter Porstmann hat das einheitliche Papierformat entwickelt. Seit den 1920er Jahren hat es seinen Siegeszug angetreten. Bürobedarf wie zum Beispiel Briefumschläge und Ordner aber auch Büromöbel wie Schreibtischschubladen und Aktenschränke wurden auf das neue Papierformat abgestimmt.

Außerhalb Europas wird es mittlerweile in der überwiegenden Mehrheit der Länder angewendet. Die USA und Kanada bleiben dagegen bis heute die großen Ausnahmen. Hier gilt nach wie vor eine Vielzahl unterschiedlicher Papierformate.

Der lange Weg einer Norm

Damit eine Norm entstehen kann, muss sie beim Deutschen Institut für Normung (DIN) in Berlin beantragt werden. Das kann jeder machen. Die Norm wird dann von Experten erarbeitet, die auch als "interessierten Kreisen" erarbeitet werden. Das können Hersteller, Verbraucher, Handel, Versicherer, Behörden oder Prüfinstitute sein, die sich in insgesamt 71 Normenausschüssen beraten.

Jedermann kann einen Normungsantrag formlos schriftlich stellen, der begründet sein muss und der möglichst bereits einen konkreten Vorschlag enthalten sollte. Dies ist der Ausgangspunkt für die

Vom Antrag bis zur Veröffentlichung einer Norm vergeht meist einige Zeit. Zwei bis dreieinhalb Jahre dauert die Erarbeitung einer Norm in der Regel. Zurzeit sind beim DIN 4.138 Normentwürfe im Prozess des Entstehens.

Das DIN hat seinen Sitz seit seiner Gründung im Jahr 1917 in Berlin. Der eingetragene Verein hat rund 1.800 Mitglieder. Darunter sind vor allem Unternehmen, Verbände und Behörden aber auch kleine Betriebe. Im Präsidium des DIN ist das deutsche Handwerk beispielsweise durch den Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Elektro-und Informationstechnischen Handwerke, Walter Tschischka, sowie Dieter Horchler vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes vertreten.

Neben nationalen Normen gibt auch europäische und internationale. Europäische Normen sind an der Abkürzung EN zu erkennen, während die Kürzel ISO und IEC auf internationale Normen hindeuten. Sie entstehen in Normungsorganisationen, in denen Deutschland durch das DIN vertreten ist.