Die Outdoor-Branche boomt und boomt. Dass das Handwerk daran nicht unbeteiligt ist, ist oft nicht so bekannt. Bericht von der führenden Messe "Outdoor 2011" in Friedrichshafen.
Burkhard Riering

Am Messestand von Meindl lässt man gar keinen Zweifel aufkommen. "Natürlich sind wir Handwerk", heißt es von der Mitarbeiterin der oberbayerischen Wanderschuhmarke ohne Zögern. Auf die Qualität der Produkte des Schuhmacher-Handwerk legt man hier besonders Wert.
Das gilt auch für andere Hersteller wie Lowa oder Vaude, die alle groß auf der jetzt zu Ende gegangenen Outdoor-Messe in Friedrichshafen ausstellen. Zwar hat die Outdoor-Industrie nach zwei Jahrzehnten des Booms längst auf Massenproduktion umgestellt, vielfach wird in billigen Produktionsländern in Osteuropa und Asien gefertigt. Doch gibt es auch immer noch Gewerke wie die des Schuhmachers, des Handschuhmachers oder des Orthopädietechnikers, auf die die Branche nicht verzichten möchte.
Meindl gehört zu den Großen
Die Traditionsfirma Meindl ist mittlerweile eine der Großen der Branche. Doch auch dort ist man sich der Wurzeln des Geschäfts bewusst: das Handwerk. Zurzeit werden in der eigenen Werkstatt vier Auszubildende in das Schuhmacher-Handwerk eingewiesen. Ihr Gesellenstück wird aber kein Bergschuh für lange Strecken sein, sondern: ein Haferlschuh. Allerdings ist es auch schwer, Nachwuchs für das Schuhmacher-Handwerk zu finden, wie man bei Meindl einräumt.
Vaude macht in Taschen
Die Outdoor-Marke Vaude aus Tettnang hat sich "Made in Germany" auf die Taschen geschrieben. Seit zwei Jahren werden die – neudeutsch - "Fashion bags" am Standort gefertigt. "Wir haben Experten für die Schweißerei, wir haben Meister in der Werkstatt, wir haben gut ausgebildete Leute in der Nähfabrik", sagt Antje von Dewitz, Chefin des Familienunternehmens Vaude (übrigens: der Name steht für v.D., gesprochen "fau’de", die Initialen des Firmengründers), im Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung .
Das Experten-Team von zurzeit 30 Leuten wird laut Vaude ständig größer. Es sei nicht ungewöhnlich, dass Firmen der Outdoor-Branche, die nicht in der Handwerksrolle eingetragen sind, durchaus ausgebildete Handwerker beschäftigten, wie von Dewitz sagt.
Orthopädietechniker bei Dachstein
Zum Beispiel bei Dachstein, der österreichischen Schuhmarke aus Kufstein. Dort wird Orthopädie großgeschrieben, folgerichtig arbeiten hier auch Orthopädiemechaniker an der Entwicklung neuer Produkte mit. Zudem stellt Dachstein für andere Marken Unikate für Prothesenträger her. Dass Dachsteins Schuhe gesund für den Fuß sind, darauf ist der Hersteller stolz. Und. Es ärgert die "Dachsteiner" am Stand immer, wenn die Kids mit ausgelatschten Sneakers daherkommen.