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Das sollten Sie jetzt wissen 10 aktuelle Steuertrends und Neuregelungen für Unternehmer

Warum ein einfaches Frühstück für Mitarbeiter kein Fall für die Lohnsteuer und eine Tax-Compliance-Prüfung für Ihre elektronische Registrierkasse sinnvoll ist.

Das Thema Steuern im betrieblichen und privaten Bereich korrekt umzusetzen, wird immer komplizierter. Denn nahezu täglich kommen zu den bestehenden Gesetzen und Anweisungen neue Urteile, Auslegungen und Änderungen hinzu. Den steuerlichen Überblick zu behalten – fast unmöglich.

Erfahren Sie hier die steuerlichen Neuerungen, die Sie als Steuerzahler unbedingt kennen sollten. Die folgenden Steuertipps können das nächste Gespräch mit Ihrem Steuerberater beleben. Haken Sie nach, ob die eine oder andere Meldung auch für Sie von Bedeutung ist.

1. Steueranrechnung für ­statische Berechnungen?

Werden Handwerkerleistungen an statischen Bauteilen ausgeführt, kann es durchaus sinnvoll sein, im Vorfeld statische Berechnungen in Auftrag zu geben. Doch handelt es sich dabei um Handwerkerleistungen, für die es nach § 35a Abs. 3 EStG eine Steueranrechnung von 20 Prozent, maximal 1.200 Euro pro Jahr, gibt? Ja, meint das Finanzgericht Baden-Württemberg (FG Baden-Württemberg, Urteil v. 04.07.2019, Az.: 1 K 1384/19). Das Finanzamt ist noch skeptisch und hat die Revision beim Bundesfinanzhof beantragt (BFH, Az.: VI R 29/19).

Tipp: Sind Sie betroffen und das Finanzamt blockt die Steueranrechnung für statische Berechnungen, müssen Sie gegen den nachteiligen Steuerbescheid mit einem Einspruch vorgehen und mit Hinweis auf den Musterprozess beim Bundesfinanzhof ein Ruhen des Einspruchsverfahrens beantragen.

2. Nebeneinander von Gehalt und Pen­sionszahlung

Sind Sie Inhaber einer GmbH, erhalten bereits Pensionszahlungen und sind gleichzeitig Geschäftsführer dieser GmbH, schrillen bei Finanzbeamten alle Alarmsirenen. In der Regel verweisen Sachbearbeiter und Prüfer der Finanzämter hier auf die BFH-Rechtsprechung und behandeln das Geschäftsführer-Gehalt als verdeckte Gewinnausschüttung.

Folge: Das zu versteuernde Einkommen der GmbH erhöht sich um diese verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) und Sie als Gesellschafter müssen diese vGA als Kapitalerträge versteuern.

Tipp: Hier lohnt sich Gegenwehr. Denn war nicht von Anfang an geplant, dass Sie nach Erreichen des Pensionsalters weiterhin als Geschäftsführer Ihrer GmbH tätig sind und erhalten Sie nur rund zehn Prozent des bisherigen Geschäftsführer-Gehalts, hält das Finanzgericht Münster eine Nebeneinander von Pensionszahlungen und Geschäftsführer-Gehalt für steuerlich unbedenklich (FG Münster, Urteil v. 25.07.2019, Az.: 10 K 1583/19 K). Leider werden die Finanzämter mit der Umsetzung dieses steuerzahlerfreundlichen Urteils noch warten, bis der zu dieser Thematik laufende Musterprozess beim Bundesfinanzhof (BFH, Az. I R 41/19) abgeschlossen ist.

3. Investitionsabzugsbetrag bei Personengesellschaft

Erfüllt eine Personengesellschaft die Voraussetzung für den Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 EStG, dürfen für innerhalb der nächsten drei Jahre geplante Investitionen ins bewegliche Anlagevermögen bereits im Jahr der Planung 40 Prozent der voraussichtlichen Investitionskosten gewinnmindernd abgezogen werden. Probleme gab es in der Praxis immer dann, wenn der Investitionsabzugsbetrag vom Gesamthandsgewinn abgezogen wurde und die Investition später vom Gesellschafter der Personengesellschaft in seinem Sonderbetriebsvermögen erfolgte. In diesem Fall kippten die Finanzämter den Investitionsabzugsbetrag rückwirkend.

Tipp: Das ist aber nicht korrekt. Das Bundesfinanzministerium stellte nun klar, dass es keine Rolle spielt, ob die Personengesellschaft oder der Gesellschafter letztlich investiert. Der Investitionsabzugsbetrag bleibt unangetastet (BMF, Schreiben v. 26.08.2019, Az. IV C 6 – S 2139-b/07/10002-02).

4. Vorsicht vor ­Kassenmängeln

Nutzen Sie im Betrieb eine elektronische Registrierkasse, sind Überprüfungen durch das Finanzamt beinahe programmiert. Mit einer unangekündigten Kassennachschau oder im Rahmen einer Betriebsprüfung suchen die Prüfer nach Kassenmängeln. Werden sie fündig, drohen Zuschätzungen zu Umsatz und Gewinn und möglicherweise auch ein Steuerstrafverfahren. Fehlerhaft ist die Erfassung von Bareinnahmen mit einer elektronischen Registrierkasse, wenn die sogenannten Z-Bons ganz oder teilweise fehlen und wenn Stornierungen in den Z-Bons nicht ausgewiesen werden (BFH, Urteil v. 08.08.2019, Az.: X B 117/18).

Tipp: Bei Verwendung einer elektronischen Registrierkasse sollten Sie Ihren Steuerberater mit einer Tax-Compliance-Prüfung beauftragen. Dabei deckt der Berater steuerliche Schwachstellen in der Kassenführung auf und behebt diese. In diesem Fall können Sie dem Besuch des Finanzamt gelassen entgegensehen.

5. Vordruck der Anlage ­­EÜR 2019

Ermitteln Sie Ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung gemäß § 4 Abs. 3 EStG, müssen Sie Ihren Gewinn in der Anlage EÜR zur Einkommensteuererklärung ausrechnen und diese Anlage elektronisch ans Finanzamt übermitteln. Dabei müssen Sie Ihre Einnahmen und Ausgaben sehr kleinteilig unterteilen und in die einzelnen Zeilen des Formulars eintragen. Aktuell hat das Bundesfinanzministerium die Vordrucke der Anlage EÜR 2019 veröffentlicht (BMF, Schreiben v. 27.09.2019, Az.: IV C 6 – S 2142/19/10001:010).

Tipp: Warum Sie das heute schon interessieren sollte? Ganz einfach: Es lohnt sich schon im Laufe des Jahres 2019, die Belege so zu buchen oder abzuheften, wie sie in die Anlage EÜR 2019 einzutragen sind. Wer sich schon jetzt am Formular EÜR 2019 orientiert, spart bei der Gewinnermittlung 2019 viel Zeit.

6. Nachweise für ­Baukindergeld

Das Baukindergeld in Höhe von 1.200 Euro je Kind und Jahr für zehn Jahre nimmt langsam Fahrt auf. Doch damit überhaupt Baukindergeld bezahlt wird, muss der Antragsteller für bestimmte Jahre sein Haushaltseinkommen nachweisen. Viele Antragsteller haben für die betreffenden Jahre keinen Einkommensteuerbescheid, weil sie nicht zur Abgabe einer Erklärung verpflichtet waren. Der Nachweis zum Haushaltseinkommen muss jedoch ohne Wenn und Aber mittels eines Steuerbescheids nachgewiesen werden.

Tipp: Die KfW erwartet innerhalb von neun Monaten nach Kauf oder Bau eines Eigenheims (sechsmonatige Antragsfrist zuzüglich einer dreimonatigen Frist zum Hochladen der Dokumente), dass der Steuerbescheid vorgelegt wird. Damit diese Frist nicht versäumt wird, müssen Antragsteller von Baukindergeld also frühzeitig Steuererklärungen für die betreffenden Jahre beim Finanzamt abgeben. Wer bisher im Ausland gelebt hat, muss der KfW die ausländischen Steuerbescheide der betreffenden Jahre vorlegen, aus denen sich das Haushaltseinkommen ergibt.

7. Kaffee und trockenes Brötchen (k)ein Steuerfall

Spendieren Sie Ihren Angestellten als Arbeitgeber ein Frühstück, interessiert diese nette Geste leider auch den Lohnsteuerprüfer. Denn dieser erwartet, dass dafür ein geldwerter Vorteil versteuert wird. Doch wann spricht man aus lohnsteuerlicher Sicht überhaupt von einem Frühstück? Die Antwort kam vom Bundesfinanzhof. Werden dem Arbeitnehmer lediglich ein Heißgetränk sowie unbelegte Backwaren wie Brötchen und Rosinensemmeln gewährt, ist das nur eine Aufmerksamkeit eines netten Arbeitgebers, aber lange noch kein Frühstück, das Lohnsteuerzahlungen auslöst (BFH, Urteil v. 03.07.2019, Az.: VI R 36/17).

8. Zeitwertkonten auch für GmbH-Geschäftsführer

Bei Zeitwertkonten vereinbaren Mitarbeiter und Arbeitgeber, dass ein künftig fälliger Arbeitslohn nicht ausgezahlt, sondern einem Zeitwertkonto gutgeschrieben wird. Damit werden später Zeiten des vorzeitigen Ruhestands finanziert. Die Meinung der Finanzverwaltung: Gutschriften auf ein Wertguthabenkonto zur Finanzierung des vorzeitigen Ruhestands sind kein zugeflossener Arbeitslohn. Diese Regelung sollte allerdings nicht für beherrschende GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer (mehr als 50 Prozent Beteiligung) greifen.

Tipp: Von dieser Auffassung rückt das Bundesfinanzministerium ab. Zeitwertkonten sind danach nicht mehr in allen Fällen als lohnsteuerlich unzulässig einzustufen (BMF, Schreiben v. 08.08.2019, Az.: IV C 5 – S 2332/07/0004:004):

  • Fremd-Geschäftsführer: Ist ein Geschäftsführer an der GmbH nicht beteiligt, sind Vereinbarungen zum Zeitwertkonto steuerlich zulässig.
  • Minderheits-Gesellschafter: Ist der Geschäftsführer an einer GmbH nicht beherrschend beteiligt und die Vereinbarungen zum Zeitwertkonto entsprechen Vereinbarungen zwischen fremden Dritten, ist das Zeitwertkonto steuerlich anzuerkennen.
  • Beherrschender Gesellschafter: Ist ein Geschäftsführer zu mehr als 50 Prozent an einer GmbH beteiligt und trifft Vereinbarungen zu einem Zeitwertkonto, ist dieses lohnsteuerlich nicht anzuerkennen.

9. Finanzamt: Entschädigung nach Enteignung

Verkauft ein Steuerzahler ein unbebautes Grundstück innerhalb von zehn Jahren nach dem Kauf, muss er seinen Gewinn mit dem Finanzamt teilen. Es liegt ein sogenanntes privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG vor, oftmals auch als Spekulationsgeschäft bezeichnet. Doch was passiert, wenn ein unbebautes Grundstück vom Staat innerhalb dieses Zehn-Jahres-Zeitraums zwangsenteignet wird und der bisherige Eigentümer aufgrund der staatlichen Entschädigungszahlung unter dem Strich einen Gewinn einfährt? Für die Finanzämter war die Antwort klar: Sie besteuerten diesen Spekulationsgewinn.

Tipp: Der BFH bewies hier mehr Weitblick. Da der Eigentumsübergang ohne maßgeblichen Einfluss des Grundstückseigentümers erfolgte, liegt keine Veräußerung vor. Und ohne Veräußerung gibt es auch kein Spekulationsgeschäft. Mit anderen Worten: Der Gewinn kann steuerfrei kassiert werden (BFH, Urteil v. 23.07.2019, Az.: IX R 28/18).

10. Haftungsschuldner – nein danke

Gerät eine GmbH in finanzielle Schieflage und es kommt zur Insolvenz, sucht sich das Finanzamt bei rückständigen Steuern bei den Geschäftsführern einen Schuldigen. Doch nicht immer ist das Finanzamt im Recht, Geschäftsführer als Haftungsschuldner in Anspruch zu nehmen. In einem Gerichtsfall versuchte das Finanzamt, mehrere Geschäftsführer für verschiedene Jahre mit verschiedenen Tilgungsquoten in Anspruch zu nehmen.

Tipp: Das Finanzgericht Schleswig-Holstein vertrat die Auffassung, dass es ermessenswidrig ist, einige von mehreren Geschäftsführern wegen derselben haftungsbegründenden Pflichtverletzung in weiterem Umfang in Haftung zu nehmen, wenn zugleich die Haftung der anderen Geschäftsführer auf eine niedrigere Haftungsquote beschränkt wird (FG Schleswig-Holstein, Urteil v. 05.02.2019, Az.: 1 K 42/16).

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