Wichtige Änderungen Neue Regeln: Sonderabschreibung und Abzinsung

Es gibt zwei aktuelle Steueränderungen, die Unternehmer beachten müssen. Sie lassen sich jedoch nicht im Gesetz finden. Es geht um die Sonderabschreibung beim Kauf von beweglichen Anlagevermögen und um die Abschaffung der Abzinsung auf unverzinsliche Rückstellungen. Hier die beiden Sonderregeln an anschaulichen Praxisbeispielen erklärt.

Steuer
Für die Sonderabschreibung beim Kauf von beweglichen Gütern gelten nun andere Regeln. - © rogerphoto - stock.adobe.com

Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG: Grundsätze

Nach § 7g Abs. 5 EStG haben kleine und mittlere Betriebe die Möglichkeit, neben der regulären Abschreibung eine 20-prozentige Sonderabschreibung als Betriebsausgabe abzuziehen. Um von dieser Sonderabschreibung zu profitieren, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Betriebliche Nutzung: Der Gegenstand, der für den Handwerksbetrieb gekauft wird, muss im Jahr der Investition und im Jahr danach jeweils zu mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt werden.
  • Der Gewinn im Jahr vor der Investition darf nicht mehr als 200.000 Euro betragen.

Praxis-Tipp: Diese neue Gewinngrenze von 200.000 Euro wurde mit dem Jahressteuergesetz 2020 eingeführt und gilt gleichermaßen für bilanzierende Unternehmen als auch für Unternehmen, die ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln. Diese neue Gewinngrenze gilt für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2019 enden (§ 52 Abs. 6 Satz 1 Halbsatz 1 EStG).

Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG: Sonderregel

Auf Bund-Länder-Ebene wollte die Finanzverwaltung kürzlich beschließen, dass die Erfüllung der Gewinngrenze für das Vorjahr der Inanspruchnahme der Sonderabschreibung geprüft wird. Dieses Vorhaben wurde nun jedoch nicht umgesetzt. Die Gewinngrenze von 200.000 Euro ist im Jahr vor der Investition zu prüfen.

Beispiel: Eine Unternehmerin erwirbt im Jahr 2018 eine Maschine. Im Jahr 2020 möchte sich von den Anschaffungskosten die Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG als Betriebsausgabe abziehen. Im Jahr 2017 wurde ein Gewinn in Höhe von 220.000 Euro erwirtschaftet (Wert des Betriebsvermögens: 250.000 Euro). Im Jahr 2019 lag der Gewinn bei 170.000 Euro.

Folge: Nach der bisherigen Regelung war die Sonderabschreibung ausgeschlossen, weil der Wert des Betriebsvermögens 2017 über 235.000 Euro lag (Regelung von 2020). Im Jahr 2020 ist aufgrund der Neufassung des § 7g EStG nunmehr die neue Gewinngrenze als maßgebliches Betriebsgrößenmerkmal zu berücksichtigen. Da der Gewinn des Jahres 2017 geringer als 200.000 Euro ist, ist erstmals im Jahr 2020 die Inanspruchnahme der Sonderabschreibung zulässig.

Unverzinsliche Verbindlichkeiten: Wegfall der Abzinsung

Das Vierte Corona-Steuerhilfegesetz enthält die Abschaffung der Verpflichtung zur bilanzsteuerlichen Abzinsung unverzinslicher Verbindlichkeiten (§ 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG). Grundsätzlich gilt die Abschaffung in Wirtschaftsjahren, die nach dem 31. Dezember 2022 enden (§ 52 Abs. 12 EStG). Auf formlosen Antrag ist diese Neuregelung jedoch bereits für alle noch offenen Fälle anzuwenden. Einer internen Verfügung der Finanzverwaltung kann jedoch entnommen werden, dass das Wahlrecht auf rückwirkende Anwendung des neuen § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG nur einheitlich für alle noch offenen Wirtschaftsjahre ausgeübt werden kann.

Beispiel: Ein bilanzierender Einzelunternehmer hat im Jahr 2018 ein steuerlich anzuerkennendes unverzinsliches Darlehen für sein Unternehmen erhalten (Laufzeit bis 31. Dezember 2024). In den Schlussbilanzen wurde dieses Darlehen mit den zutreffenden abgezinsten Werten nach § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG passiviert. Das Veranlagungsjahr 2018 ist bereits bestandskräftig. Die Veranlagungen 2019, 2020 und 2021 stehen unter dem Vorbehalt der Nachprüfung im Sinn von § 164 AO. Im Jahr 2020 möchte der Einzelunternehmer erstmals auf die Abzinsung verzichten, weil sein Gewinn 2020 sehr hoch ist.

Folge: Eine rückwirkende Anwendung der Neuregelung des § 6 Abs. 1 Nr. 3 EStG kann nur rückwirkend für alle noch nicht endgültig veranlagten Wirtschaftsjahre beantragt werden. Die Abzinsung müsste deshalb bereits im Jahr 2019 rückgängig gemacht werden.

Praxis-Tipp: Die Neuregelung zur Abschaffung von unverzinslichen Verbindlichkeiten im Vierten Corona-Steuerhilfegesetz gilt nicht für das Abzinsungsgebot bei der Bewertung von Rückstellungen nach § 6 Abs. 1 Nr. 3a EStG.