Regionale Projekte erneuerbarer Energien bieten Anlagechancen auch vor Ort. Handwerker profitieren durch Aufträge und Investitionen.

Bobingen, Mickhausen und Vöhringen – immer mehr Kommunen in Süddeutschland entdecken Solarstrom als Energiequelle. Die Lokalzeitungen sind voll von Projekten, in denen die örtlichen Räte fleißig diskutieren. Das scheint notwendig, denn oft sind die Haushaltskassen klamm. Es fehlt Kapital, um auf Dächern von Feuerwehren, Kitas oder des Bauhofs in Photovoltaikanlagen zu investieren. Gleichwohl wollen die Kommunen den günstigen Strom erzeugen und verbrauchen.
Kapital ist in vielen Betrieben da
Was des einen Dilemma, ist eine gute Gelegenheit für das Handwerk. Denn Kapital ist in vielen Betrieben da. Was fehlt, sind regionale Anlagechancen. Auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen jüngst auf 4,25 Prozent erhöht hat, dümpeln risikoarme Anlagezinsen um die drei Prozent vor sich hin. Wer mehr Rendite will, muss mehr riskieren, lautet eine alte Börsenregel.
Doch längst nicht jeder Sanitärmeister oder Schreinergeselle beziehungsweise Konditor will sein Geld in internationale ETFs stecken – die meistens an weltweite Aktien- und Rohstoffmärkte gekoppelt sind. Deshalb könnten kommunale und gewerbliche Investitionen vor Ort in erneuerbare Energien eine Alternative sein.
Denn wenn das eigene Geld auf dem Dach der örtlichen Schule oder der Gemeindehalle Ertrag erwirtschaftet und das Ganze zudem beiträgt, die Klimaziele zu erreichen, fehlt es nur noch am passenden Geschäftsmodell.
Das liefert ein Handwerksbetrieb aus Bayerisch-Schwaben. Der Leipheimer Solarteur Wolfgang Kempfle installiert mit seinen 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jährlich 1.800 Photovoltaikanlagen auf süddeutschen Dächern. Darunter finden sich etliche kommunale Projekte, wie das Beispiel Bobingen zeigt. Bereits vor zwei Jahren unterzeichnete der erste Bürgermeister Klaus Förster medienwirksam einen Mietvertrag. Das Konzept sieht vor, dass auf dem Dach der Bobinger Kindertagesstätte ein Solarkraftwerk mit einer Kapazität von 30 Kilowatt installiert wird. Dafür mietet der Solarteur die Dachfläche der sozialen Einrichtung. Den erzeugten Strom nehmen Kita sowie benachbarte Schule zum Preis von unter 30 Cent je Kilowattstunde ab.
Crowdinvest zur Finanzierung
"Inzwischen sind weitere Gemeinden hinzugekommen", berichtet Kempfle. Doch weil der Unternehmer trotz angepeiltem 50 Millionen Euro Jahresumsatz nicht alle Anlagen mit eigenem Kapital finanzieren kann und will, gründet er eine Gesellschaft: Energie Invest Schwaben soll als Crowdinvestment Geld von Gewerbetreibenden einsammeln, um damit Photovoltaikprojekte zu finanzieren und zu betreiben. Anlagedauer: zehn Jahre, Mindesteinlage: 50.000 Euro, Gesamtsumme maximal 1 Million Euro in diesem Jahr. Das Geld wird als Nachrangdarlehen eingestuft und ist damit für die Bank Eigenkapitalersatz. "Die dazugehörige Bankfinanzierung über 5 Millionen Euro ist zugesagt", so Kempfle. Gerät die Gesellschaft in die Insolvenz, droht ein Totalverlust. Andererseits: Photovoltaikanlagen laufen oft länger als 20 Jahre störungsfrei. Und die Energiewende steht erst am Anfang.
Aktuell hat Kempfle für rund 1,7 Millionen Euro PV-Anlagen gebaut und weitere geplant. Darunter auf kommunalen Dächern in Augsburg und Thannhausen. Hinzu kommen sieben Anlagen auf gewerblichen Dächern und einige Photovoltaikkraftwerke bei Privatkunden. Investieren können hingegen nur Gewerbetreibende oder institutionelle Investoren. "Die Zinsen liegen im Bereich eines aktuellen Bankdarlehens und werden nach Volumen verhandelt", sagt Kempfle, der neben der Installation auch die Wartung übernimmt. Somit dürften die Anleger zwischen 4,5 und 5,5 Prozent Rendite erwarten. Investiert wird direkt in die Firma und nicht in einzelne Projekte. "Gemeinsam mit Bankdarlehen wollen wir so jährlich bis zu 5 Millionen Euro sammeln, die wir in erneuerbare Energien einsetzen", verdeutlicht Kempfle.
Und weil das Projekt nicht auf kommunale Immobilien beschränkt ist, können neben Städten und Gemeinden auch Handwerker ihre Dächer zur Miete anbieten. Dem Crowdinvestment steht damit ein zweites Geschäftsmodell für das Handwerk gegenüber. Bei der Vermietung verleiht der Immobilienbesitzer seine Dachfläche an Firmen wie Energie Invest Schwaben, die darauf PV-Kraftwerke montieren. Er kann dann entweder die Miete erzielen oder den produzierten Strom günstig abnehmen.
Solarkraftwerke als Geldanlagen
Anbieter wie Solar-Invest finanzieren PV-Projekte, die langfristig (20 Jahre) laufen. Gewerbliche Investoren stellen hier Geld als Mezzanine-Finanzierung zu einem festen Zinssatz über zehn Jahre zur Verfügung. Mindestens 500.000 Euro (10 bis 15 Prozent) dieses Geldes dienen als Nachrangdarlehen. Die verbleibenden Kosten für die PV-Projekte werden über Bankkredit finanziert. Vorgesehen sind meist Finanzierungstranchen in einer Größenordnung von mehr als fünf Millionen Euro, mit denen jeweils eine gewisse Anzahl von PV-Projekten in einem Pool finanziert werden. Dabei wird das Geld nicht in ein spezielles Projekt investiert, vielmehr werden die Einlagen zur Gesamtfinanzierung vieler gleichartiger Projekte verwendet. Das verhindert das Klumpenrisiko, da Zins- und Tilgungskosten aus den Renditen aller laufenden Anlagen gewonnen werden.