Steuertipp Nachweis der dauernden Berufsunfähigkeit bei Betriebsaufgabe

Wer seinen Handwerksbetrieb aufgibt oder verkauft, muss aus steuerlicher Sicht eine Aufgabebilanz erstellen und in der Regel einen Aufgabegewinn bzw. Veräußerungsgewinn versteuern. In manchen Fällen winkt jedoch ein Freibetrag.

Steuertipp
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Hat ein Inhaber im Zeitpunkt der Aufgabe bzw. Veräußerung seines Handwerksbetriebs bereits sein 55. Lebensjahr vollendet oder war er im sozialversicherungsrechtlichen Sinn dauernd berufsunfähig, winkt ein Freibetrag von 45.000 Euro. Bis zu dieser Höhe fallen keine Steuern an. Der Freibetrag ermäßigt sich um den Betrag, um den der Aufgabe- bzw. Veräußerungsgewinn 136.000 Euro übersteigt.

Beispiel: Aufgabegewinn 140.000 Euro, Freibetrag 41.000 Euro (140.000 Euro abzüglich 136.000 Euro = Kürzungsbetrag 4.000 Euro; Freibetrag 45.000 Euro abzüglich Kürzungsbetrag 4.000 Euro).

Wie muss der Nachweis der dauernden Berufsunfähigkeit erbracht werden?

In der Praxis ist leider nicht ganz klar, wie der Nachweis der dauernden Berufsunfähigkeit im sozialversicherungsrechtlichen Sinn erbracht werden muss. Das Finanzamt gibt sich mit folgenden Nachweisen zufrieden: Bescheid der Rentenversicherung, amtsärztliches Gutachten oder eine Leistungspflicht einer privaten Versicherungsgesellschaft, wenn die Versicherung zahlen muss, sobald der Grad der Berufsunfähigkeit mindestens 50 Prozent beträgt oder eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von weniger als sechs Stunden täglich vorliegt (Richtlinie 16 Abs. 4 EStR).

Steuertipp: Doch selbst wenn der selbstständige Handwerker keine der genannten Nachweise zur dauernden Berufsunfähigkeit im sozialversicherungsrechtlichen Sinn vorlegen kann, ist der steuerliche Freibetrag noch nicht verloren. Der Nachweis kann auch durch andere Unterlagen erbracht werden (FG Mecklenburg-Vorpommern, Urteil v. 29. April 2021, Az. 2 K 426/15; Revision beim BFH, Az. X R 10/21). dhz