Gesundheit -

Arbeitszeiten Nachtarbeit und die Folgen für die Gesundheit

Rund drei Millionen Menschen arbeiten in Deutschland nachts – darunter viele Handwerker. Welche gesundheitlichen Folgen hat Nachtarbeit? Was können Unternehmen und Mitarbeiter tun, um sie positiver zu gestalten?

Besonders der demographische Wandel, aber auch erhöhte Auftragsvolumina, die pünktlich erfüllt werden müssen und ein vermehrter Bedarf an Rund-um-Dienstleistungen bewirken, dass die Zahl der Menschen, die in Schicht- und Nachtarbeit tätig sind, stetig ansteigt. Aus den Reihen der Handwerksunternehmen sind besonders die rund 12.000 Bäckermeisterbetriebe in Deutschland, aber auch das Metall verarbeitende Handwerk sowie die baunahen Branchen betroffen. Wir haben wertvolle Tipps, um Nachtschichten sowohl für Arbeitgeber als auch -nehmer positiver zu gestalten.

Nachtschicht: Von Lerchen und Nachteulen

Selbst wissenschaftliche Studien sprechen von so genannten " Eulen", also Nachteulen, und "Lerchen", also Frühaufstehern. Allerdings verschiebt sich bei diesen beiden gegensätzlichen Typen im Vergleich zum Normaltypus der Bio- und Schlafrhythmus lediglich um 2-3 Stunden in die Morgen- bzw. Abendstunden. Der komplette Nachtschicht-Zeitraum, der laut Gesetz von 23:00 Uhr bis 6:00 Uhr früh, in Bäckereien und Konditoreien von 22 bis 5 Uhr, definiert ist, ist davon also nur teilweise berührt. Dennoch ist der individuelle Typus durchaus in die Schichtplanung mit einzubeziehen, denn einer "Lerche" fällt die Frühschicht leichter, einer "Eule" die Spätschicht.

Der Biorhythmus spielt eine entscheidende Rolle

Entscheidend für den Schlafrhythmus des Menschen ist der Zeitpunkt der Ausschüttung verschiedener Hormone, der über die Lichteinwirkung auf die Rezeptoren der Augen stimuliert wird. Diese Hormone steuern die innere Uhr, sorgen dafür, dass wir uns wach oder müde fühlen, steigern und senken das Konzentrationsvermögen, den Stoffwechsel, das Schmerzempfinden und sogar die Körpertemperatur und das Wachstum.

Melatonin wird hauptsächlich nachts ausgeschüttet

Melatonin z. B. wird vermehrt in der Nacht ausgeschüttet. Es bremst die Aktivität des Körpers und macht müde. Licht dagegen unterdrückt die Melatoninbildung, die mit zunehmendem Alter sowieso abnimmt. Auch weitere hormonelle Sekretionsprozesse folgen einem tageszeitlichen Verlauf in Abhängigkeit der natürlichen Lichtverhältnisse, ebenso wie die Nahrungsaufnahme und das Trinkverhalten.

Gesundheitliche Folgen der Nachtschicht

Wird dem natürlichen Rhythmus über längere Zeiten entgegengewirkt, kann es zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen kommen. Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Störung des Magen-Darm-Traktes, erhöhte Nervosität und Reizbarkeit, eine Herabsetzung der Reaktions- und Leistungsfähigkeit, Beeinträchtigungen des Kurzzeitgedächtnisses und weitere gesundheitliche Störungen bis hin zu einer höheren Unfallgefahr und schließlich zur Nachtschichtuntauglichkeit können die Folge sein. Frauen berichten beispielsweise über einen Anstieg der Ängstlichkeit, Männer können zu depressiven Verstimmungen als Folge der Schichtarbeit neigen. Schichtarbeit kann als Stressor wirken, die Ausschüttung von Stresshormonen kann wiederum ungünstige Einflüsse auf den Blutdruck und die Herzfrequenz sowie die Verstoffwechslung von Fetten und Zuckern haben.

Für werdende und stillende Mütter sowie für Jugendliche gelten Sonderregelungen. So dürfen schwangere und stillende Frauen und Jugendliche nur in der Zeit von 6 bis 20 Uhr beschäftigt werden.

Allerdings gibt es für Teenager ab 16 Jahren in bestimmten Branchen Ausnahmen. In mehrschichtigen Betrieben dürfen sie bis 23 Uhr arbeiten, in Bäckereien und Konditoreien bereits ab 5 Uhr.

Zusätzlich kann ein gesellschaftlich antizyklisch verlaufender Lebensrhythmus mit Problemen im familiären und sozialen Umfeld einhergehen, da sich die Freizeit schwer mit der der Kinder, Ehepartner und Freunde koordinieren lässt. Doch Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer können die Entwicklung günstig beeinflussen.

Bei vielen Unternehmen gibt es ein Umdenken in Sachen Nachtschicht

Bei vielen Unternehmen hat bereits ein Umdenken stattgefunden. Es stehen inzwischen zahlreiche arbeitswissenschaftliche Studien zur Verfügung, die fundierte Anregungen bieten, um die Lebensqualität der Mitarbeiter und damit auch die Unternehmenssituation zu verbessern. Je genauer sich Unternehmen und Arbeitnehmer über die Auswirkungen der Schichtarbeit informieren und je enger Mitarbeiter, Betriebsrat und Unternehmen in diesem Punkt zusammenarbeiten, desto bessere Ergebnisse werden erzielt.

Tipps für Unternehmen

So gibt es Unternehmen, die den individuellen Bio-Rhythmus der Arbeiter bei der Schichteinteilung berücksichtigen und Schichtpläne altersgerecht gestalten, denn die Schichtverträglichkeit sinkt mit dem Alter. Insgesamt hat sich eine Vorwärtsrotation, also – Frühschicht – Spätschicht – Nachtschicht – als vernünftiger erwiesen als anders herum. Auch tendiert man heute zu kürzeren Schichtzyklen. Es wird nicht mehr wie bisher zu Wochenschichten geraten, denn man weiß inzwischen, dass der Körper sich dem veränderten Zyklus nicht anpasst.

Daher wird empfohlen: Maximal drei Nachtschichten in Folge. Auf eine Nachtschichtphase sollten mindestens 24 besser 48 Stunden Freizeit im Block folgen und Mehrbelastung bzw. Mehrarbeit durch Freizeit ausgeglichen werden. Weiter können Unternehmen durch ein entsprechendes Beleuchtungssystem während der Nachtschicht sowie durch harmonische Teamzusammenstellungen, Pausenräume und das Angebot von gesunden Snacks für einen besseren Allgemeinzustand der Schichtarbeiter sorgen. Da die Teams auf Veränderungen nicht immer positiv reagieren, wird empfohlen, bei neu eingeführten Schichtoptimierungen eine einjährige Testphase durchzuführen, auf die eine gemeinsame Evaluierung folgt.

Tipps für Arbeitnehmer

Eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse und der weitgehende Verzicht auf Fast Food und Süßigkeiten trägt gerade bei Nachtarbeitern noch stärker zum allgemeinen Wohlbefinden bei als bei anderen Menschen. Wer regelmäßig Sport treibt, leidet weniger unter der Rhythmusverschiebung. Wer einen Mannschaftssport wählt, berücksichtigt zusätzlich zum gesundheitlichen den sozialen Aspekt gleich mit. Yoga und autogenes Training fördern die Konzentrationsfähigkeit und Entspannung.

Mitsprachemöglichkeit

Je mehr Mitsprache der einzelne Arbeitnehmer bei seiner Schichteinteilung hat, je stärker er soziale Kontakte fördern und auf individuelle Termine Rücksicht nehmen kann, desto besser ist die Verträglichkeit.

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