In den nächsten zwei Jahren entscheidet die Regelung der Nachfolge über die Existenz von mehr als 100.000 deutschen Familienunternehmen und damit auch über viele Arbeitsplätze. Eine Umfrage zeigt jedoch: Der Mittelstand kämpft mit Nachfolgeproblemen. Wer jedoch eine gute Übergabe will, muss sich rechtzeitig darum kümmern.
Heidi Roider
Der häufigste Grund für eine gescheiterte Übergabe innerhalb der Familie liegt darin, dass der Senior nicht loslassen kann. Das meinen zumindest über 84 Prozent der Eigentümer und Geschäftsführer, die für eine Studie von TNS Emnid zur Unternehmensnachfolge im Auftrag der Deutschen Unternehmerbörse befragt wurden.
Als zweithäufigste Ursache vermuten drei Viertel der Befragten, dass die Tochter beziehungsweise der Sohn zur Übernahme gedrängt werden.
Als dritten Grund für gescheiterte Übergaben vermuten 73 Prozent der Unternehmer Streitigkeiten zwischen den im Betrieb tätigen Kinder.
Nachfolge wird zu oft vernachlässigt
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen hat das Thema Nachfolge noch nicht oder noch nicht abschließend geregelt. Das Alarmierende daran: Diejenigen, die es akut betrifft, sind genau so wenig vorbereitet, wie ihre jüngeren Kollegen.
Im Mittelstand wird grob fahrlässig mit der Nachfolge umgegangen, so die Meinung von Michael Grote, dem Geschäftsführer der Deutschen Unternehmerbörse. Grote: "Viele Unternehmer arbeiten, bis sie krankheitsbedingt aufgeben müssen, oder sogar bis zum Tod – ohne entsprechende Nachfolgeregelungen getroffen zu haben."
Dadurch seien jedoch nicht nur zahlreiche Betriebe in Gefahr, sondern auch hunderttausende Arbeitsplätze. "Denn der Mittelstand ist in Deutschland das Rückgrat der Wirtschaft", sagt Grote. Vor allem eine Betriebsübergabe in der Familie entpuppt sich dabei oftmals als Krisenherd.
Fast die Hälfte der Eigentümer übergibt laut der Studie sein Unternehmen innerhalb der Familie – ohne davon überzeugt zu sein. Dem heutigen Nachwuchs fehlt es indes oftmals an Interesse für den elterlichen Betrieb. Besonders bei kleineren Betrieben ist das Interesse am elterlichen Betrieb selten vorhanden.
Wer jedoch den Fortbestand seines Lebenswerks nicht riskieren will, muss sich rechtzeitig um eine Übergabe kümmern und sollte auch andere Möglichkeiten in Betracht ziehen. Grote: "Die meisten Unternehmer gehen mit der familieninternen Nachfolge den einfacheren Weg."
Übergabe rechtzeitig angehen
Viele würde es nicht schaffen, sich differenziert mit dem Thema auseinanderzusetzen. "Später entpuppen sich zahlreiche familieninterne Übergaben als schlecht vorbereitet, überhastet und schlichtweg falsch", sagt Grote.
Aber auch familieninterne Übergaben können gelingen, wenn der Eigentümer sich rechtzeitig darum kümmert und die Nachfolge plant. Das Bundeswirtschaftsministerium hat dazu einen Leitfaden erarbeiten lassen, wie eine Übergabe gut gelingen kann.
Die Experten raten in diesem Leitfaden für eine Betriebsübergabe genügend Zeit einzuplanen – mindestens fünf Jahre. Eine frühzeitige Regelung verbessert auch das Ranking bei der Bank und ist somit auch für die Kapitalbeschaffung wichtig. Eigentümer müssen sich mit einer Übergabe auch nicht alleine herumschlagen. Ansprechpartner und Hilfe finden sich bei:
- Kammern
- Steuerberater
- Rechtsanwalt
- Unternehmensberater
Zu den wesentlichen Entscheidungen gehört es, sich seinen Nachfolger zu suchen. Viele Betriebsinhaber bevorzugen jemanden aus der Familie – zugleich ist laut Expertenmeinung eine solche Übergabe aber immer die schwierigste. Denn solche Nachfolgen sind allein aufgrund der engen Familienverhältnisse oftmals viel emotionaler.
Wer es auch wird – Eigentümer sollten sich für diese Frage Experten suchen, die sie unterstützen. Auch die Handwerkskammern haben Mitarbeiter, die Eigentümer beraten, die einen Betrieb übergeben wollen.
Für eine gelungene Betriebsübergabe ist es aber auch wichtig, dass der Betrieb übernahmefähig ist. Dazu gehört es beispielweise, dass die Buchführung transparent ist genauso wie die Kundendatei und das sichergestellt ist, dass der Nachfolger die Möglichkeit hat, ein ausreichendes Einkommen zu erwirtschaften.
Nachfolger und Übergeber müssen ihren Lebensunterhalt absichern
Außerdem sollte sich der Eigentümer über seinen zukünftigen Lebensunterhalt Gedanken machen. Inhaber sollten sich überlegen, wie Sie ihren Betrieb am finanziell günstigsten weitergeben wollen: Wollen Sie ihren Betrieb gegen eine Einmalzahlung verkaufen oder in Form von Raten oder einer Rente? Dabei sollten auch der Aspekt berücksichtigt werden, dass dadurch ebenfalls der Betrieb nicht gefährdet werden darf.
Die weitere Voraussetzung für eine erfolgreiche Fortführung des Unternehmens ist eine gründliche und umfassende Einarbeitung des Nachfolgers. In dieser Phase ist ein externer Berater oft sehr hilfreich. Jeder Betrieb ist anders und verlangt daher eine individuelle Lösung.
Informationen von Verbänden und Ministerien haben wir für Sie in einer Linkliste zusammengefasst. Außerdem bieten die Handwerkskammern regelmäßig Infoveranstaltungen und Beratungen an.
Die Broschüre des Bundeswirtschaftsministeriums "Unternehmensnachfolge" erhalten Sie kostenlos als Download. Hier geht es zur Broschüre Unternehmensnachfolge.
Auf nexxt.org finden Sie ebenfalls viele Informationen und eine bundesweite Unternehmensbörse.
Tipps und Informationen finden Sie außerdem auf existenzgruender.de.
