Institut für Mittelstand und Handwerk Nachfolge: Warum nicht auch mal extern suchen

Seit Jahren finden Handwerkerfamilien spürbar weniger Nachwuchs in den eigenen Reihen. Fast 60 Prozent der Unternehmensnachfolge werden deshalb heute familienextern geregelt. Doch eine gute Nachfolgeregelung braucht Zeit und eine gute Vorbereitung. Im Sanitärbetrieb Schaal hat es geklappt.

Karin Birk

Als die Firma Schaal am 11. November 2011 ihren 111-jährigen Geburtstag feierte, hatte Wolfgang Schaal (links) bereits an seinen Nachfolger Tilo Kraus (rechts) übergeben. – © Schaal

Vor gut 20 Jahren hat Tilo Kraus beim Sanitärbetrieb Schaal in Leonberg als junger Geselle angefangen. Senior-Chef Wolfgang Schaal, dessen Tochter einen anderen Weg einschlagen wollte,  hatte das Potenzial seines Mitarbeiters erkannt und ihn früh ans Unternehmen gebunden. „1999 hat er mich mit 33 Prozent und 2005 mit 50 Prozent beteiligt“, erzählt Kraus. Ende 2010 hat er ihm den Betrieb ganz überschrieben.

Geschichten wie diese sind kein Einzelfall: „Seit Jahren finden Handwerkerfamilien spürbar weniger Nachwuchs in den eigenen Reihen“, sagt Klaus Müller, Geschäftsführer des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen. „Entweder gibt es keine Nachfolger oder sie wollen den Betrieb nicht weiterführen“, erklärt Müller.

Fast 60 Prozent der Unternehmensnachfolge werden deshalb heute familienextern geregelt, wie eine aktuelle Studie zu diesem Thema besagt. Knapp ein Viertel der Unternehmen werde von früheren Mitarbeitern, ein gutes Drittel von fremden Personen übernommen.

Richtige Vorbereitung nötig

Ob familieninterne oder externe Lösung entscheidend ist eine gute Vorbereitung. „Man wird nicht plötzlich 65“, sagt Margitta Burkhardt, Moderatorin für Unternehmensnachfolge bei der Handwerkskammer Region Stuttgart. „Fünf Jahre sind ein  realistischer Zeitraum.“ Dabei gehe es nicht nur darum, den geeigneten Nachfolger zu finden. Es geht auch darum, den Betrieb übernahmefähig zu machen. Eine transparente Buchführung zähle genauso dazu wie eine genaue Kundendatei.

Kraus und Schaal haben die Übergabe bewusst auf mehrere Jahre angelegt, um den Betrieb nicht zu destabilisieren. Die Rechnung ist aufgegangen: Der Betrieb mit 25 Mitarbeitern steht gut da. Für Kraus ist die Weitsicht seines 62 Jahre alten Vorgängers beispielhaft. Auch er hat jetzt einen befreundeten Mitarbeiter mit ins Boot geholt. „Auch für den Fall, dass mir etwas zustößt“, sagt er.

Auf der Suche nach externen Nachfolgern seien auch die Betriebsbörsen bei den Kammern hilfreich, sagt Reiner Markert, Leiter der Betriebsberatung bei der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Auch die Nachfolgebörse nexxtchance.org oder der Draht zu Meisterschulen helfen. Markert macht aber auch klar, dass es immer wieder Betriebe gibt, die veraltet sind und für die kein Nachfolger parat steht.

Manchmal findet sich der Nachfolger auch über Bekannte. Bei Denis Genske war es so. Der 37 Jahre alte gelernte Zerspanungsmechaniker aus Thüringen hat vor zwei Jahren einen Betrieb für Metallverarbeitung in Sachsenberg bei Erfurt übernommen. „Ich wollte mich immer selbstständig machen“, sagt er. Auch deshalb hat Genske an der Fachhochschule noch Maschinenbau studiert. Mit dem kinderlosen Betriebsinhaber war er sich schnell einig. „Einen langen Kampf gab es mit den Banken“, sagt er. Erst als eine Bürgschaftsbank mit im Boot war und der Kaufpreis reduziert wurde, gab es den Zuschlag.

Lust an der Selbstständigkeit

Fallstricke sieht Betriebsberater Markert nicht nur bei unrealistischen Preisvorstellungen auf beiden Seiten. Sie ergeben sich auch, wenn sich der Nachfolger kein klares Bild über Mitarbeiter, Kundenstruktur oder die Zukunftsfähigkeit von Produkten und Dienstleistungen machen könne.

Wichtig ist auch, die Lust an der Selbstständigkeit zu spüren. Für Kfz-Meister Christian Steiner gilt das bestimmt: „Als Angestellter zu arbeiten, ist eindeutig nichts für mich“, sagt der 26-Jährige. Er zögerte nicht lange, als er vom Angebot einer kleinen Kfz-Werkstatt bei Erlangen hörte. Als er dann noch merkte, dass das Unternehmen neben dem normalen Werkstatt-Betrieb auf  Rennsportfahrzeuge und die Umrüstung von US-Fahrzeugen spezialisiert war, war für Steiner die Sache klar.