Übersicht bundesweiter Förderprogramme Nachfolge: Besseres Image und neue Käufer sind nötig

Immer mehr Unternehmer finden keinen Nachfolger – Unterstützung für potenzielle Übernehmer gibt es, aber oft haben beide Seiten falsche Vorstellungen.

Der Nachfolgemarkt im Handwerk wandelt sich gerade von einem Verkäufer- in einen Käufer-Markt. - © Birgit Brandlhuber - stock.adobe.com

Auf den ersten Blick sieht es eigentlich gar nicht schlecht aus: Seit 2014 ist die Anzahl der Betriebsübergaben im Handwerk fast kontinuierlich gestiegen, so zeigt es aktuell eine Sonderuntersuchung des Nachfolgemonitors, die gerade auf der Internationalen Handwerksmesse IHM in München vorgestellt wurde. Und ebenso wächst auch der durchschnittliche Finanzierungsbetrag bei Nachfolgen stetig. So weisen beispielsweise die Zahlen der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg zwischen 2019 und dem 1. Halbjahr eine Steigerung von 24 Prozent aus.

Doch trotz dieser Entwicklung – so richtig glücklich zeigen sich Branchenkenner nicht. Denn nach wie vor tun sich viele Betriebsinhaber gerade im Handwerk schwer, Nachfolger zu finden. Exakte Zahlen gibt es zwar nicht, Schätzungen, beispielsweise der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), gehen aber weiter davon aus, dass alleine in den kommenden Jahren 130.000 bis 150.000 Inhaber Übernehmende suchen – und längst nicht alle, das steht fest, werden fündig werden.

In vielen Gewerken fehlen qualifizierte Nachfolger

Gründe dafür gibt es gleich mehrere, der wohl bekannteste: die demografische Entwicklung, die auch und gerade dem Handwerk zu schaffen macht. "In vielen Gewerken, beispielsweise dem Bau- und Baunebengewerbe, gibt es schlicht keine qualifizierten Nachfolger", betont Birgit Felden, Unternehmensberaterin in Köln. Die Betriebswirtin und Juristin beschäftigt sich seit 25 Jahren mit Unternehmerfamilien und Familienunternehmen.

Unabhängig vom tatsächlichen Mangel aber, weiß nicht nur Felden, fehlt vielen potentiellen Interessenten einfach auch das Know-how. Sie wissen nicht, wie sie die Sache angehen sollen und kennen auch die vielen Fördermaßnahmen nicht, die mittlerweile wirklich umfangreich sind, wie auch Guy Selbherr, Vorstand der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg, betont.

Dabei ist die Liste lang: Sie fängt bei Förderkrediten an, wie sie vor allem von der KfW (siehe Kasten), aber auch auf regionaler Ebene gewährt werden. Geht dann weiter mit den Angeboten der Bürgschaftsbanken und Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBGen), die Beteiligungskapital zur Verfügung stellen; und reicht schließlich bis zu Beratungs- und Coachingmaßnahmen, die primär von Kammern und Verbänden offeriert werden, aber – gefördert vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) – auch von freien Beratern. Zudem gibt es vor allem auf regionaler Ebene auch Tilgungszuschüsse, wie beispielsweise die Meisterprämie in Baden-Württemberg, die über die zuständige Handwerkskammer beantragt werden kann.

Das Thema rückt mehr und mehr in den Hintergrund

Doch trotz des breiten Spektrums an Maßnahmen: Besonders große Beachtung, so Felden, hatte das Thema Nachfolge noch nie. "Und die Entwicklungen der letzten Jahre haben nun dafür gesorgt, dass es noch mehr in den Hintergrund getreten ist – und zwar nicht nur in Deutschland." Erst Corona, die gestörten Lieferketten und der Krieg in der Ukraine haben in ganz Europa dazu geführt, dass sich die handelnden Personen mit anderen Dingen beschäftigen mussten und müssen.

Dabei, so sehen es auch andere Experten, wäre es gerade jetzt wichtig, das Thema Nachfolge offensiv anzugehen. Das Handwerk, so formuliert es Holger Wassermann, einer der wissenschaftlichen Leiter des Nachfolgemonitors und Lehrstuhlinhaber an der FOM Berlin, braucht dringend ein Rebranding, sprich: eine großangelegte Imagekampagne und deutlich mehr Anstrengungen auch potenzielle Gründer anzusprechen, die nicht aus der Branche selbst kommen.

Bereits in der Schule, findet auch Selbherr, der auch Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB) ist, müssten die Chancen und Entwicklungspotenziale des Handwerks aufgezeigt werden. "Ohne das Handwerk mit den relevanten Gewerken", stellt er klar, "ist die Energiewende schließlich gar nicht möglich."

Der Begriff Handwerk wird im Studium ausgeblendet

Zudem, so Wassermann weiter, müssten sich auch die Universitäten dem Thema öffnen. In vielen betriebswirtschaftlichen und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen, klagt er, fällt der Begriff Handwerk überhaupt nicht. Dabei sind rund 30 Prozent der rund 3,4 Millionen Unternehmen in Deutschland Handwerksbetriebe, zwölf Prozent der Erwerbstätigen arbeiten dort.

Trotzdem kommen Absolventen heute kaum auf die Idee, eine Zukunft als Unternehmer im Handwerk zu planen. Dabei, so sehen es alle Experten, gibt es derzeit kaum eine Branche, in der die Zukunftsaussichten in vielen Bereichen so rosig sind wie im Handwerk. Angst vor mangelnden Aufträgen müssen potentielle Übernehmer also nicht haben.

Allerdings, auch das stellt Wassermann klar, können und werden Übernahmen künftig wohl immer seltener 1:1 passieren. Schon jetzt, auch das zeigt der Nachfolgemonitor, finden größere Unternehmen schneller einen Nachfolger. Um einerseits der demografischen Entwicklung und andererseits auch der betriebs­wirtschaftlichen Situation vor allem kleiner inhabergeführter Unternehmen gerecht zu werden, wird es in Zukunft darum gehen müssen, gezielt Betriebe zusammenzuführen – und das eben, stimmt Birgit Felden zu, "auch bislang handwerksfernen Gründern schmackhaft zu machen".

Käufer sind am Markt im Vorteil

Hier allerdings kommen dann auch die abgebenden Unternehmen ins Spiel, die, auch darin sind sich die Experten einig, ebenfalls ihren Teil dazu beitragen, dass manche Nachfolge nicht klappt. Gerade im Handwerk, so Wassermann, sitzen viele verkaufswillige Unternehmer bis heute gleich drei Irrtümern auf: Sie bestimmten den Preis, könnten sich den Käufer aussuchen – und alles laufe so weiter wie bisher.

Alle drei Annahmen sind jedoch falsch: Veränderungen und Innovationen sind zwingend. Und die Preise sind zwar in den letzten Jahren aufgrund der guten Konjunktur gestiegen, das dreht sich aber gerade. Oder, so Wassermanns klare Ansage: "Der Nachfolgemarkt im Handwerk wandelt sich gerade von einem Verkäufermarkt in einen Käufermarkt." Die Menge der Übernehmer ist nicht so hoch wie die Zahl der zu übergebenden Betriebe. Das stärkt ihre Verhandlungsposition und sie können sich attraktivere Unternehmen für die Übernahme auswählen.

Gerade auch zur Unterstützung der abgebenden Betriebsinhaber sieht Wassermann dann doch noch weiteren Förderungsbedarf. Nachfolgeregelungen, erläutert er, sind sehr komplexe und langwierige Prozesse, die sich nicht einfach neben dem Tagesgeschäft regeln lassen. Versuchen es Betriebsinhaber trotzdem, geht das zu Lasten der eigentlichen Tätigkeit, was dann letztlich den Kaufpreis drückt. Die bisherigen geförderten Beratungsangebote sind jedoch meist auf ein paar Tage beschränkt. "Das reicht nicht."

Wichtige Infos aus dem Netz

Bundesweite KfW-Förderprogramme

ERP-Förderkredit KMU

Für wen: Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten und höchstens 50 Millionen Euro Jahresumsatz, einschließlich Einzelunternehmer und Freiberufler, Gründer und Nachfolger (auch im Nebenerwerb)

Was: Bis zu 25 Millionen Euro Kredit

Konditionen: Den individuellen Zinssatz ermittelt die Bank anhand der wirtschaftlichen Verhältnisse des Antragstellers und der Qualität seiner Sicherheiten; maximal 20 Jahre Zeit für die Rückzahlung sowie bis zu drei Jahre ohne Tilgung; Unternehmen, die zwei Jahresabschlüsse vorweisen können, dürfen auch einen ERP-Förderkredit KMU mit ­Risikoübernahme beantragen; für junge Unternehmen und Vorhaben in sogenannten Regionalfördergebieten gibt es vergünstigte Zinsen

ERP-Kapital für Gründung

Für wen: Gefördert werden Existenzgründer (auch Freiberufler), Unternehmensnachfolger und junge Unternehmen (bis zu 3 Jahre nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit)

Was: Bis zu 500.000 Euro Kredit pro Antragsteller mit 100 Prozent Haftungsfreistellung

Konditionen: 10–15 Prozent eigene Mittel sind erforderlich; die Laufzeit beträgt 15 Jahre, die Tilgung beginnt nach 7 Jahren; Festzinssatz für 10 Jahre

ERP-Kapital für Gründung – StartGeld

Für wen: Existenzgründer (auch Freiberufler), Unternehmensnachfolger, junge Unternehmen (bis fünf Jahre nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit), kleine Unternehmen

Was: Bis zu 125.000 Euro; bei Gründungen im Team kann jeder Gründer bis zur Maximalsumme beantragen

Konditionen:

Fünf Jahre: tilgungsfreie Anlaufzeit ein Jahr,
Zinsbindung fünf Jahre, Effektivzins 3,93 Prozent

Zehn Jahre: tilgungsfreie Anlaufzeit zwei Jahre,
Zinsbindung zehn Jahre, Effektivzins 4,91 Prozent

KfW-Förderkredit großer Mittelstand

Für wen: Große mittelständische Unternehmen mit ­mindestens 250 Beschäftigten sowie einem Jahresumsatz
von maximal 500 Millionen Euro – einschließlich Nachfolgern.

Was: Bis zu 25 Millionen Euro Kredit

Konditionen: Den individuellen Zinssatz ermittelt die Bank anhand der wirtschaftlichen Verhältnisse des Antragstellers und der Qualität seiner Sicherheiten; maximal 20 Jahre Zeit für die Rückzahlung sowie bis zu drei Jahre ohne Tilgung; Unternehmen, die zwei Jahresabschlüsse vorweisen können, dürfen auch einen ERP-Förderkredit mit Risikoübernahme beantragen