Mindestens sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Entbindung dürfen Mütter bei vollem Entgeltausgleich zu Hause bleiben. Für Unternehmerinnen gilt das jedoch meist nicht – ein erhebliches Existenzrisiko. Kolumnistin und Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg über eine dringend zu schließende Lücke im System, mögliche Lösungsansätze und Wege für politisches Engagement.

Die Realität im Handwerk kann hart sein – vor allem für Selbstständige, die schwanger werden. Haben Sie sich jemals gefragt, wie es möglich sein soll, einen Betrieb zu führen und gleichzeitig für das Wohl Ihrer Familie zu sorgen? Ich spreche hier aus Erfahrung: Der Mutterschutz, wie er für Angestellte existiert, fehlt uns Selbstständigen gänzlich.
Während andere in den Genuss von gesichertem Mutterschutz und entsprechender finanzieller Absicherung kommen, sehen Selbstständige oft nur leere Versprechen.
In etwa 50 Prozent der Bevölkerung sind Frauen, so wie ich. Wir haben es uns nicht ausgesucht, dass wir die Kinder bekommen – also, dass nur unser Körper dafür ausgelegt ist. Hingegen wurde der einen oder anderen das Unternehmer-Gen in die Wiege gelegt. Wie verbindet man nun beide Welten? Jeder, der sich bereits selbstständig gemacht hat, weiß, dass die eigene Firma wie ein eigenes Baby ist. Es will betreut und umsorgt werden – und es will wachsen.
Mutterschutz für Selbstständige sichert Unternehmertum im Handwerk
Viele unserer Gewerke bringen ein Verbot zur Ausübung mit sich, ab dem Zeitpunkt der bestätigten Schwangerschaft. Eine gesetzliche Absicherung gibt es nicht für Frauen, die zugleich Inhaberinnen sind. Es drohen Umsatzeinbußen, die bis zur Insolvenz führen können.
Dabei geht es nicht um Emanzipation im klassischen Sinne, sondern um die Frage, wie wir in der Arbeitswelt von heute und morgen unsere Betriebe zukunftsfähig aufstellen können. Es geht darum, Bedingungen zu schaffen, die es erlauben, auch als Mutter im Handwerk zu bestehen, ohne dabei finanzielle Sicherheit und die Stabilität des Betriebs aufs Spiel zu setzen.

Auch mich ereilte damals dieses Szenario. "Sie müssen sich schon entscheiden, Kind oder Karriere?", beratschlagte mich 2016 meine Bank. Ich verhalf mir damals mit privaten Krediten, geregelten und vorfinanzierten Aufträgen und einem verständnisvollen Kundenstamm. Doch ich hatte Glück. Ich war gesund schwanger und konnte sogar bis zwei Wochen vor Geburt (mehr oder weniger) arbeiten.
Denn aktuell müssen Unternehmerinnen häufig bis kurz vor der Entbindung arbeiten, um ihre Existenz zu sichern – und dann, wenn es am dringendsten ist, fehlt die Unterstützung.
Durch das Engagement der Initiative "Mutterschutz für alle" unter der Leitung der Tischlermeisterin Johanna Röh hat das Thema endlich die Aufmerksamkeit der politischen Akteure gewonnen. Eine zukünftige Koalition sollte diesen Anspruch nun gesetzlich verankern. Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) drängt darauf, diese bestehende Lücke zu schließen.
Schwanger und selbstständig: Meine 3 Tipps
Bis es so weit ist, hier meine drei Empfehlungen für alle Selbstständigen, die Nachwuchs planen oder erwarten:
- Planen Sie frühzeitig und sichern Sie Ihr Einkommen ab:
Nutzen Sie Möglichkeiten, wie Betriebsausfall- oder Inhaberausfallversicherungen, um den finanziellen Ausfall während der Mutterschutzphase zu überbrücken. Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer Bank sowie mit Ihren Beraterinnen und Beratern, um individuelle Lösungen zu entwickeln. - Nutzen Sie Ihr Netzwerk:
Tauschen Sie sich mit anderen selbstständigen Handwerkerinnen aus. Lernen Sie von Best-Practice-Beispielen, wie Sie Ihren Betrieb organisieren können – sei es durch temporäre Betriebsunterstützung oder den Einsatz von qualifizierten Gesellen als Vertretung. - Fordern Sie Veränderung auf politischer Ebene:
Setzen Sie sich aktiv für bessere gesetzliche Regelungen ein, die den Mutterschutz für Selbstständige verbessern. Beteiligen Sie sich an Initiativen und dem Verein "Mutterschutz für alle", die sich für eine faire Absicherung einsetzen.
Damit zeigen Sie nicht nur, dass Sie für Ihre Familie einstehen – Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zur Zukunftssicherung des Handwerks. Denn wenn selbstständige Frauen abgesichert sind und im Handwerk bleiben können, können Sie sich voll und ganz auf das konzentrieren, was Sie am besten können: Mit Herz und Hand großartige Arbeit leisten.
Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.