Girls' und Boys' Day am 3. April Klischee adé: Mehr Friseure, mehr Tischlerinnen

Immer mehr Frauen zieht es in bislang eher männlich dominierte Handwerksberufe, Männer stoßen in weiblich geprägte Handwerkszweige vor. Welche Berufe zunehmend beide Geschlechter begeistern – und wo Männer weiter in der deutlichen Überzahl sind.

Die Statistik zeigt: Immer mehr Männer entscheiden sich für eine Ausbildung zum Friseur. Bei den Frauen ist der Beruf der Tischlerin immer beliebter. - © Drazen - stock.adobe.com

Es gibt sie noch, die klassischen geschlechterspezifischen Berufsbilder. Betonbauer und Estrichleger waren und sind vor allem bei Männern beliebte Ausbildungsberufe, das Kosmetikhandwerk dagegen ist fast ausschließlich weiblich besetzt. Doch die stereotypen Geschlechterbarrieren bröckeln. Die aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts anlässlich des Girls' und Boys' Days am 3. April belegen einen Wandel in der Ausbildungslandschaft in den letzten zehn Jahren.

Trends im Friseurhandwerk und Lebensmittelhandel

Verglichen wurde die Geschlechterverteilung in den Ausbildungsberufen auf Grundlage der Handwerksordnung (HwO) bzw. des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) von 2013 bis 2023. Auffällig dabei: Immer mehr Männer entscheiden sich für den Friseurberuf oder das Lebensmittelhandwerk, immer mehr Frauen arbeiten als Tischlerin.

Blickt man konkret auf das Friseurhandwerk, dann zeigt sich, dass 2023 von den 6.300 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen gut 34 Prozent von Männern unterschrieben wurden. Zehn Jahre zuvor waren es nur 13 Prozent (10.900 Verträge). Ein deutlicher Wandel. Auch bei den Fachverkäuferinnen und -verkäufern im Lebensmittelhandwerk hat sich das Geschlechterverhältnis angeglichen. 28 Prozent der 3.500 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge entfielen auf Männer – vor einem Jahrzehnt waren es nur elf Prozent bei 8.000 Verträgen. Auch bei den Textil- und Modeschneidern gab es im beobachteten Zeitraum einen Zuwachs. Hier stieg der Männeranteil von fünf auf zehn Prozent.

Gewinner bei den Frauen: das Tischlerhandwerk

Größter Gewinner bei den Frauen ist dagegen das Tischlerhandwerk. Ein Fünftel (20 Prozent) der 7.500 neuen Ausbildungsverträge wurde von Frauen begonnen, zehn Jahre zuvor waren es bei nahezu gleicher Ausbildungszahl nur elf Prozent.

Die Zahlen gewinnen an Bedeutung, wenn man berücksichtigt, dass deutlich mehr Männer als Frauen eine Ausbildung im Handwerk absolvieren. Im Jahr 2023 schlossen deutschlandweit insgesamt 129.900 Personen einen neuen Ausbildungsvertrag im Handwerk ab – 86 Prozent davon Männer, 14 Prozent Frauen. 2013 lag das Männer-Frauen-Verhältnis noch bei 92 zu acht Prozent bei knapp 138.000 Ausbildungen.

Mehr Frauen ins Handwerk, weniger in der dualen Ausbildung generell

Wenn auch auf kleiner Basis, Immer mehr Frauen entscheiden sich für eine Ausbildung im Handwerk. Das ist konträr zur Entwicklung der generellen Ausbildungslage Deutschlands. Hier unterzeichneten im gleichen Zeitraum statt 40 immerhin noch 36 Prozent Frauen einen Ausbildungsvertrag in den Bereichen der HwO und des BBiG.

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