Covid-19-Erkrankung richtig anzeigen DGUV: Corona-Infektion ein meldepflichtiger Versicherungsfall?

Arbeitgeber sind unter bestimmten Voraussetzungen verpflichtet, Covid-19-Fälle im Betrieb an die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse zu melden. Doch wann genau besteht eine Meldepflicht? Und was ist, wenn die Infektion zunächst milde verläuft? Das rät die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung.

Ein Beschäftigter desinfiziert seine Hände. - © tong2530 - stock.adobe.com

Handelt es sich bei Infektionen mit dem Coronavirus um meldepflichtige Arbeitsunfälle oder Berufskrankheiten? Aktuell erreichen die Berufsgenossenschaften und Unfallkassen vermehrt Anfragen zu diesem Thema, wie die Deutsche Gesetzliche Unfallsversicherung (DGUV) mitteilt.

In einer Pressemitteilung antwortet der Spitzenverband nun, dass es sich bei einer Erkrankung an Covid-19 um beides handeln kann – einen Arbeits- bzw. Schulunfall oder eine Berufskrankheit. Sind Beschäftigte erkrankt und gibt es Anhaltspunkte dafür, dass sie sich bei der Arbeit infiziert haben, sollten sie ihren Arbeitgeber informieren. Diese wiederum müssten Covid-19-Fälle der Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse unter folgenden Voraussetzungen melden:

  • der Versicherte ist an Covid-19 erkrankt
  • eine Infektion mit SARS-CoV-2 ist nachgewiesen
  • bei der Arbeit oder in der Schule kam es zu einem intensiven Kontakt mit einer infizierten Person oder einem größeren Infektionsausbruch
  • Bei Beschäftigten im Gesundheitswesen, in der Wohlfahrtspflege und in Laboren ist eine Berufskrankheit anzuzeigen.
  • Bei Beschäftigten in anderen Branchen kann eine Erkrankung an Covid-19 ein Arbeitsunfall sein. Meldepflichtig ist dieser, wenn die Erkrankung zu einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens drei Tagen oder zum Tode geführt hat.

Milden Corona-Verlauf im Verbandbuch dokumentieren

Versicherte können laut DGUV einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit ebenfalls formlos anzeigen. Dies sollte dann geschehen, wenn sie Anlass haben anzunehmen, dass die Infektion bei der Arbeit geschehen ist (zum Beispiel bei einem engen Kontakt mit einer infizierten Person) und wenn der Arzt nicht nur eine Infektion mit dem Coronavirus, sondern auch die Erkrankung Covid-19 diagnostiziert hat.

Was aber, wenn die Infektion mit dem Coronavirus zunächst symptomlos oder milde verläuft? Wie auch sonst bei leichten Unfällen oder Erkrankungen empfiehlt der DGUV in diesem Fall: Alle Tatsachen, die mit der Infektion zusammenhängen, sollten im Verbandbuch des Unternehmens dokumentiert werden. Kommt es nach einiger Zeit doch noch zu einer schweren Erkrankung, würden diese Daten der Unfallkasse oder Berufsgenossenschaft bei ihren Ermittlungen helfen. Eine spätere Meldung stehe der Anerkennung als Arbeitsunfall oder Berufskrankheit nicht entgegen. Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung erstrecke sich auch auf Schüler.

Hintergrund: Das Verbandbuch

Unternehmen und Einrichtungen müssen Anlässe, bei denen Erste Hilfe geleistet wurde, aufzeichnen. Dazu verpflichtet sie das Regelwerk der gesetzlichen Unfallversicherung. Bei nicht meldepflichtigen Unfällen oder Erkrankungen helfen diese Aufzeichnungen, falls Spätfolgen auftreten. Die Daten sind in einem Verbandbuch zu sammeln und fünf Jahre aufzubewahren. Es ist nicht festgelegt, wer die Daten zu verwalten hat. Die Person muss sie aber vor dem Zugriff durch unbefugte Dritte schützen.

Weitere Informationen zum Verbandbuch finden Interessierte auch in diesem Artikel:

>>> Lesetipp: Ersthelfer im Betrieb: Wie viele sind Pflicht, was sind ihre Aufgaben?

Außerdem stellt die DGUV ein Muster (Download kostenlos, Bestellung kostenpflichtig) für ein Verbandbuch zur Verfügung: Muster Verbandbuch der DGUV

Was nach einer Meldung geschieht

Wie der DGUV mitteilt, klären die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung bei einerUnfallmeldung oder eine Verdachtsanzeige auf eine Berufskrankheit automatisch selbst, ob es sich um einen Versicherungsfall handelt. Weitere Anträge müssten nicht gestellt werden.

Kommt es zu einer hohen Zahl von Infektionen sollten diese auch dann eingeschaltet werden, wenn alle Infektionen symptomlos verlaufen. Die Unfallversicherungsträger würden dann ermitteln, ob die Arbeitsbedingungen bei der Verbreitung des Virus eine Rolle gespielt haben. Außerdem geben sie Hinweise, wie Betriebe weitere Infektionen verhindern können.

Welche Informationen im Fall von COVID-19 eine Rolle spielen, hat die DGUV auf ihrer Website zusammengefasst.

ew

Wegen Corona: 2020 weniger Arbeitsunfälle und mehr Berufskrankheiten

Die Corona-Krise hat im vergangenem Jahr Einfluss auf die Anzahl der Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten genommen. Das spiegelt sich in vorläufigen Arbeitsunfallzahlen wider, die die DGUV im März 2021 veröffentlicht hat. "Die Beschäftigten waren weniger mobil, viele arbeiteten in Kurzarbeit oder im Homeoffice, deshalb sind die Arbeitsunfallzahlen gesunken. Andererseits haben wir im Zusammenhang mit Covid-19 überproportional viele Berufskrankheitenanzeigen", sagt Stefan Hussy, Hauptgeschäftsführer der DGUV.

  • Die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle ist 2020 um fast 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken.
  • Gleichzeitig ist die Zahl der eingegangenen Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit um 32 Prozent gestiegen.
  • 2020 sind mehr als 30.000 Verdachtsanzeigen auf eine Berufskrankheit durch Covid-19 eingereicht worden.

>>> Lesetipp: 2020 weniger Arbeitsunfälle und mehr Berufskrankheiten