Fachkräftesicherung Motivierte Azubis finden: Diese Basics müssen Betriebe erfüllen

Warum finden manche Handwerksbetriebe ohne Probleme geeignete Auszubildende? Ganz einfach: Sie beherzigen folgende Tipps.

Zwei Auszubildende reparieren ein Motorrad
Um geeignete Auszubildende zu finden und passgenau anzusprechen, können Ausbildungsbetriebe verschiedene Mittel nutzen. Die Suche sollte dabei immer strukturiert angegangen werden. - © Sascha Schneider

Ausbildung als Schlüssel zur Fachkräftesicherung – diesen Weg möchten viele Unternehmen im Handwerk gehen. Doch die Suche nach geeigneten Auszubildenden ist oftmals eine Herausforderung, denn noch immer sinkt die Zahl der Schulabgänger und auch der Drang junger Menschen, weiterführende Schulen zu besuchen, ist ungebrochen. Handwerksbetriebe konkurrieren mit ihren Ausbildungsangeboten zudem mit vielen anderen Wirtschaftsbereichen. Damit es trotz dieser Rahmenbedingungen gelingt, potentielle Auszubildende zu erreichen und für sich zu gewinnen, sollten Ausbildungsbetriebe folgende Tipps beachten:

1. Grundlagen

Um Jugendliche gezielt ansprechen zu können, ist es hilfreich, sich zunächst ein Bild der aktuellen Lebenswelt sowie der Wertvorstellungen der jungen Generation zu machen, rät Jörg Brückner, Ausbildungsberater der Handwerkskammer für Unterfranken: "Bei der Entscheidung für einen Ausbildungsplatz spielen neben dem Wunschberuf auch Faktoren wie die Work-Life-Balance und ein gutes Betriebsklima eine wichtige Rolle." Das Handwerk könne hier grundsätzlich mit flachen Hierarchien, kurzen Kommunikationswegen und einem familiären Umfeld punkten – entsprechend sollten Unternehmen diese Vorzüge auch selbstbewusst nach außen tragen.

2. Außenwirkung

Grundsätzlich lohne es sich, gezielt in die Außenwirkung des eigenen Unternehmens zu investieren, so der Tipp des Ausbildungsberaters. "Der erste Eindruck zählt, das ist nicht nur eine Redewendung, sondern auch wichtig, um künftige Fachkräfte anzusprechen", sagt Jörg Brückner. Hier gibt es viele kleine Stellschrauben, die in Summe ein ansprechendes Gesamtbild ergeben, etwa eine aktuell gepflegte Homepage, ein Social-Media-Auftritt oder bestimmte Unternehmenswerte wie hohe Kundenfreundlichkeit, gute Qualität der geleisteten Arbeit oder soziales und ehrenamtliches Engagement. Um sich als attraktiver Ausbildungsbetrieb zu positionieren, sollten auch Übernahmemöglichkeiten und berufliche Perspektiven für Auszubildende offen kommuniziert werden. Auch die klassische optische Außenwirkung sollten Ausbildungsbetriebe nicht unterschätzen. "Moderne Firmenkleidung, eine ansprechende Firmenwagenflotte oder auch ein gepflegter Betriebsstandort erhöhen deutlich die Attraktivität von Ausbildungsbetrieben", erklärt der Ausbildungsberater.

3. Bekanntmachen

Freie Lehrstellen und Praktika sollten möglichst breit und auf verschiedenen Kanälen bekannt gemacht werden, so der Expertentipp. Neben der digitalen Veröffentlichung auf der Homepage, den Social-Media-Kanälen oder Onlineplattformen wie der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer für Unterfranken ist auch die persönliche Ansprache von Jugendlichen meist erfolgversprechend. "Hier bieten sich verschiedenste Veranstaltungen an, darunter zum Beispiel Aktionen der Handwerkskammer wie Schulbesuche und Infoabende oder auch Berufsmessen, die sowohl von regionalen Arbeitskreisen als auch von Kreishandwerkerschaften organisiert werden", sagt Jörg Brückner. Auch auf Eltern sollten Unternehmen aktiv zugehen, da sie wichtige Berater bei der Berufswahl ihrer Kinder sind. Ein weiterer Expertentipp: "Es lohnt sich, aktuelle Auszubildende des Betriebes in die Nachwuchswerbeaktivitäten miteinzubinden, denn sie können auf Augenhöhe mit anderen Jugendlichen kommunizieren und die Vorzüge des Unternehmens sowie des Ausbildungsberufes vorstellen." Ausbildungsbetriebe können zudem die Unterstützung ihrer Handwerkskammer in Anspruch nehmen, die unter anderem bei der Ansprache bestimmter Zielgruppen wie Geflüchteten und Studienaussteigern hilft.

4. Stolz sein

Die Vorteile und Karriereperspektiven einer Ausbildung im Handwerk bei allen Aktivitäten gegenüber Jugendlichen und deren Eltern selbstbewusst kommunizieren – das ist nach Ansicht des Ausbildungsberaters der wichtigste Punkt bei allen Nachwuchswerbeaktivitäten. "Das Handwerk bietet vielfältige und spannende Ausbildungsberufe. Und wir haben hierzulande tolle Ausbildungsbetriebe, die handfeste und sichere Perspektiven bieten", so Ausbildungsberater Jörg Brückner. Kurzum: Das Handwerk ist wertvoll und wertvoll ist auch jeder einzelne junge Mensch, der sich für eine Ausbildung im Handwerk entscheidet.