Neue Arbeitsformen gegen den Personalmangel "New Work": Über die Generation Z und neue Werte im Arbeitsleben

Wie sich Digitalisierung, Demografiewandel, Globalisierung und Wertewandel auf die Personalführung im Handwerk auswirken.

Zwei Parkettleger bei der Arbeit
Handwerker attestieren sich selbst ein überdurchschnittlich hohes Wohlbefinden, auch wegen des guten Zusammenhalts in den Betrieben und aus Freude am "Machen". - © amh-online

Wer ist für was da? Der Mensch für die Arbeit, oder die Arbeit für den Menschen? Seit der industriellen Revolution war der Mensch als Werkzeug betrachtet worden, um Arbeit zu erledigen. Der Sozialphilosoph Frithjof Bergmann stellte diese Sichtweise mit seiner Idee von "New Work" auf den Kopf: Arbeit müsse ein Mittel sein, damit sich der Mensch verwirklichen kann.

Was in den 1970er Jahren noch wie Zukunftsmusik anmutete, ist durch Trends wie Digitalisierung, Demografiewandel, Globalisierung oder Wertewandel tägliche Realität für Arbeitgeber geworden. Wer Personal für seinen Betrieb sucht, muss für ein Umfeld sorgen, in dem die Mitarbeiter auch bleiben wollen.

Generation Z kündigt schnell

Die Haltung von Mitarbeitern gegenüber dem Unternehmen hat sich stark gewandelt. Gerade die jüngere Generation unter 30 sucht sich schnell einen anderen Job, wenn die Rahmenbedingungen nicht passen, zeigt die New Work Befragung von Randstad und MenteFactum.

Veränderte Werte in der Gesellschaft


Ein sicherer Arbeitsplatz und ein attraktives Gehalt stehen zwar immer noch ganz oben auf der Prioritätenliste von Beschäftigten. Doch nahezu gleich wichtig ist ihnen, dass die Arbeit sinnvoll und interessant ist, zeigen verschiedene Untersuchungen von Randstad. Außerdem erwarten Arbeitnehmer gute Arbeitsatmosphäre, Work-Life-Balance, gute Schulung und die Möglichkeit zu flexibler Arbeit hinsichtlich Ort und Zeit. Wie die Studie "Future of Recruiting" von Softgarden zeigt, ist durch die Corona-Krise außerdem der Wunsch nach offener Kommunikation und ein gutes Gesundheitsmanagement gewachsen. Weitere wichtige Faktoren von "New Work" sind:

  • Vertrauen in und Förderung eigenverantwortlicher Mitarbeiter statt strenger Hierarchien
  • Einbeziehen der Mitarbeiter in Entscheidungen
  • Nutzen von digitalen und agilen Arbeitsmethoden

Wohfühlfaktor Handwerk

Das Handwerk hat hier Vor- und Nachteile. Weil Handwerker am Ende des Tages sehen, was sie geleistet haben, gibt es einen großen Pluspunkt bei der Sinnhaftigkeit der Arbeit. Trotzdem suchen derzeit 70 Prozent der Jobsuchenden gezielt nach einer Aufgabe, die sie auch vom Homeoffice aus erledigen können, zeigt die Studie "Future of Recruiting".

Damit kann das Handwerk selten dienen. Andererseits haben während der Lockdowns viele Arbeitnehmer unter dem erzwungenen Homeoffice gelitten und klagten über psychische Beeinträchtigungen. Im Handwerk dagegen sind die meisten Beschäftigten und Unternehmer gut durch die Krise gekommen, zeigt eine Untersuchung der IKK Classic in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule Köln. Demnach hat sich das von den Befragten als überdurchschnittlich hoch eingeordnete subjektive Wohlbefinden auch während der Krise nicht geändert. Großer Zusammenhalt der Belegschaft, eine familiäre Atmosphäre, Stolz auf den Beruf und Freude am "Machen" seien Gründe für dieses Wohlbefinden – und sind gleichzeitig zentrale Aspekte von "New Work".