Ulrike Samfaß-Koberstein ist Augenoptikerin und bietet mit ihrer mobilen Optikschmiede einen besonderen Service: Sie bringt die passende Sehhilfe direkt zu ihren Kundinnen und Kunden – nach Hause, ins Pflegeheim und auch schon mal ins Fitnessstudio, wo ihre Kunden nach Feierabend trainieren.

Es war ein Freitag, der dreizehnte, als sie ihre erste Kundin besuchte. Für Ulrike Samfaß-Koberstein war es ein Glückstag, denn es war ihre erste Kundin als selbstständige Unternehmerin. Die 42-Jährige hat sich damit einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Nach ihrer Ausbildung zur Optikergesellin und dem Augenoptik-Studium war sie zunächst mehrere Jahre als Angestellte im medizinischen Bereich tätig und nach der Geburt ihrer Tochter in Teilzeit bei Optikern. "Dabei hat mir immer die Ganzheitlichkeit gefehlt", berichtet sie. Denn je nach ihrer persönlichen Arbeitszeit habe sie ihre Kunden immer nur punktuell betreuen können. "Entweder habe ich sie beim Auswählen des Brillenmodells und der passenden Gläser beraten oder die fertige Brille angepasst", beschreibt sie es in einem Beispiel. Mit ihrer Optikschmiede könne sie nun ihre Kunden durchgängig betreuen: "Ich nehme mir bewusst die Zeit, den Prozess von der Anamnese über den ausführlichen Sehtest bis hin zur Fertigung und Anpassung einer Brille komplett zu begleiten", erklärt sie.
Unterstützung von der Handwerkskammer
Bis zur Gründung sei es jedoch ein langer Weg gewesen. "Ich stand zu Beginn wie vor einem riesigen Gebirge, das schier unüberwindbar schien. Ich wollte nichts vergessen und später keine Probleme bekommen", erinnert sich die Diplom-Ingenieurin für Augenoptik. An diesem Punkt traf sie im Herbst 2022 auf der Gründermesse Mainfranken das erste Mal auf Peter Urbansky. Er ist Betriebsberater der Handwerkskammer für Unterfranken und unterstützt Handwerkerinnen und Handwerker bei der Existenzgründung. Die Beratung gehört zum Dienstleistungsspektrum der Handwerkskammer für ihre Mitgliedsbetriebe und kann unentgeltlich genutzt werden. "Wir unterstützen während des gesamten Gründungsprozesses, bieten Informationsmaterial, fachliche Beratung und praktische Hilfestellungen", erläutert der Betriebsberater.
Gründermappe als wichtige Starthilfe

Im Fall von Ulrike Samfaß-Koberstein war es zunächst die so genannte Gründermappe, die Peter Urbansky ihr am Stand auf der Gründermesse überreicht und mit ihr besprochen hat. "Darin war Schritt für Schritt erklärt, welche Weichen ich stellen und was ich wann erledigen muss. Das war für den Start enorm hilfreich", fasst es die Augenoptikerin zusammen. Im weiteren Prozess half der Betriebsberater auch bei der Erstellung eines Businessplans sowie einer Ertragsvorschau und unterstützte bei zahlreichen Formalitäten im Gründungsprozess von Versicherungs- über Finanzierungsfragen bis hin zur Beantragung der Förderung über den Gründerzuschuss. "Jeden Berg, den ich erklimmen musste, habe ich mit der fachlichen Unterstützung der Handwerkskammer gemeistert", ist Ulrike Samfaß-Koberstein rückblickend dankbar.
Brillenkoffer mit 100 Modellen
Mittlerweile ist sie in der Selbstständigkeit angekommen. Mit ihrem Brillenkoffer, der neben allerlei Werkzeug auch rund 100 verschiedene Brillengestelle enthält, und einem kleinen Optikmobil ist sie zwischen Kitzingen, Würzburg und Schweinfurt unterwegs und bringt ihre Dienstleistung direkt zu ihren Patientinnen und Patienten. "Viele von ihnen sind mobil eingeschränkt und sehr dankbar für meinen Service", berichtet sie. Das positive Feedback gebe ihr die Gewissheit, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Ein Stück Lebensqualität schenken
"Handwerkliche Qualität bedeutet für mich nicht nur, hochwertige Sehhilfen zu fertigen. Es bedeutet für mich vor allem, meinen Kundinnen und Kunden wieder ein Stück Lebensqualität zurückzugeben", betont die selbstständige Augenoptikerin. Als Existenzgründerin im Handwerk setzt sie damit genau den richtigen Schwerpunkt und zeigt, dass handwerkliche Produkte und Dienstleistungen individuell und nah am Menschen sind, ganz genauso wie auch Handwerkerinnen und Handwerker wie sie selbst.