Während die Großunternehmen die flaue Weltkonjunktur zu spüren bekommen, profitiert der deutsche Mittelstand vor allem von der Binnennachfrage und einer sich stabilisierenden Konjunktur in Europa.
Karin Birk
Die Stimmung im deutschen Mittelstand ist nach wie vor gut. "Das Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen steigt nach einem kräftigen Zuwachs des Vormonats im Mai erneut an", teilte die KfW-Bankengruppe mit. Wenngleich das Mittelstandsbarometer - nicht zuletzt wegen der Bahnstreiks - etwas schwächer als im Vormonat zulegte, schätzten die Mittelständler sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die künftigen Geschäfte positiv ein. Das Mittelstandsbarometer nehme um insgesamt 1,0 Zähler auf 15,9 Saldenpunkte zu, heißt es weiter.
Mittelständler: aktuelle Lage besser als künftige
Dabei sind die Mittelständler in ihrer Einschätzung vorsichtig: Während die aktuelle Geschäftslage mit einem Plus von 1,8 Zähler auf 24,5 Saldenpunkte den höchsten Stand seit knapp einem Jahr erreichte, sehen sie die künftige Geschäftslage mit einem Plus von 0,3 Zählern auf 7,1 Saldenpunkte weniger euphorisch.
Nach Ansicht von KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner eine durchaus realistische Prognose: "Der Mittelstand setzt auf einen soliden Konjunkturaufschwung - und genau der ist auch drin", sagte er. Insgesamt erwarte er für 2015 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent. "Es wird vor allem von der Binnennachfrage und auf der Exportseite von einer sich weiter festigenden europäischen Konjunktur getragen", ergänzte er.
Wenig Impulse durch schwachen Euro
Dass die Konjunkturprognosen trotz des schwachen Euros nicht besser ausfallen, hängt nach Ansicht der KfW-Bankengruppe vor allem mit der flauen Weltkonjunktur zusammen. "Vor allem das verarbeitende Gewerbe und der Großhandel hatten sich von der kräftigen Euroabwertung einen deutlichen Nachfrageschub aus den Märkten außerhalb der Währungsunion erhofft", teilte Zeuner weiter mit. Angekommen sei bislang aber nur ein "kleiner Schubs". Als Grund dafür nennt er eine strukturelle Wachstumsschwäche in Schwellenländern wie China, Russland und Brasilien sowie eine "zuletzt enttäuschende" US-Konjunktur.
Diese flaue Weltkonjunktur spiegelt sich auch in der Stimmung Großunternehmen wider: Sie haben ihr Geschäftsklima nach Angaben der KfW um 1,0 Zähler auf 13,6 Saldenpunkte nach unten korrigiert. Dabei verschlechterte sich die Einschätzung der aktuellen Lage wie die künftiger Geschäfte in gleichem Maße.
