Deutschland -

Corona-Krise Mittelstand: Mehrheit schätzt Mehrwertsteuersenkung negativ ein

Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie einzudämmen, gilt seit dem 1. Juli eine geringere Mehrwertsteuer - bis zum Jahresende. Die meisten Mittelständler sehen darin wenig Positives.

Dieser Artikel ist Bestandteil der Themenpakete Coronavirus und Coronavirus

Der Mittelstand in Deutschland erwartet wenig von der seit Monatsanfang geltenden vorübergehenden Absenkung der Mehrwertsteuer. Nur wenige Mittelstandsverbünde aus Branchen wie Schuhe und Textil oder dem Bauhandwerk rechnen mit positiven Auswirkungen, wie aus einer Umfrage des Mittelstandverbunds ZGV hervorgeht: Rund 17 Prozent erwarten einen positiven Effekt und einen Konjunkturimpuls. Rund zwei Drittel der befragten Verbünde schätzen die vorübergehende Absenkung als negativ ein und beklagen zusätzlichen Aufwand und Kosten.

Der Hauptgeschäftsführer des Mittelstandverbunds, Ludwig Veltmann, sagte, die Senkung sei gut gemeint, aber schlecht umgesetzt. "Für den Mittelstand ist durch die extrem kurze Zeit, die zur Umsetzung blieb, ein hoher Verwaltungsaufwand entstanden - etwa weil stationäre Händler ihre Auspreisungen verändern und ihre Kassensysteme umstellen mussten." Da sich zum Jahresanfang bei Rücknahme der Absenkung Aufwand und Kosten wiederholten, drohe sich der Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Online-Handel in vielen Branchen weiter zu verschärfen, sagte Veltmann. Schon vorher hatte der Mittelstand die vorübergehende Senkung kritisiert.

FDP fordert Steuerreform statt Mehrwertsteuersenkung

Auch der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Christian Dürr, hält nichts von der befristeten Mehrwertsteuersenkung. Statt befristeter Einzelmaßnahmen forderte er eine Steuerreform. "Die Einkommensteuer muss für kleine und mittlere Einkommen gesenkt und der Soli vollständig abgeschafft werden. Das entlastet die hart arbeitende Mitte und die Betriebe", sagte Dürr.

Die Corona-Krise drückt der Umfrage nach weiter auf die Umsätze des Mittelstands. So sanken die Erlöse von April bis Juni den Angaben zufolge bei fast 60 Prozent der befragten Verbünde. Für die kommenden Monate rechnen jedoch rund 42 Prozent der Verbundgruppen mit stabilen oder steigenden Umsätzen.

Investitionsbereitschaft noch verhalten

Mehr als 31 Prozent der befragten Kooperationen investierten der Umfrage zufolge im zweiten Quartal des Jahres weniger als im Vorquartal (rund 20 Prozent). Gleichzeitig stieg im zweiten Quartal im Vergleich zu den Monaten Januar bis März die Zahl jener, die höhere Investitionen wagten, um fünf Prozent. Rund 64 Prozent der Befragten blicken mit einem stabilen oder gesteigerten Investitionsverhalten in die nahe Zukunft. Im ersten Quartal gaben dies nur 37 Prozent an.

An der Umfrage beteiligten sich den Angaben nach 64 Verbundgruppen mit rund 70.000 angeschlossenen Unternehmen aus 18 Branchen - darunter etwa Küchen und Möbel, Konsumelektronik, Schuhe und Textil, das Bauhandwerk oder Lebensmittel und Getränke. dpa

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten