Kolumne Mitarbeiter als Botschafter: 3 Ansätze, die im Handwerk wirken

Ein Foto aus der Werkstatt, ein Satz auf der Karriereseite, ein Azubi am Berufsinfotag – oft braucht es nicht mehr. Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg zeigt im Teil 2 ihrer Miniserie drei konkrete Wege, wie Handwerksbetriebe ihre Beschäftigten zu glaubwürdigen Stimmen nach außen machen.

Smartphone-Stativ filmt Handwerker bei Transporter-Ausbau
Authentische Einblicke statt perfekter Inszenierung: Wer Mitarbeitende als Botschafter gewinnen will, braucht oft nicht mehr als ein Smartphone und ein Stativ. - © photoschmidt - stock.adobe.com

In der letzten Kolumne ging es um eine einfache Beobachtung: 
Die stärksten Influencer eines Handwerksbetriebs arbeiten meist längst dort. Gesellen, Meisterinnen oder Azubis, die ihren Beruf sichtbar machen, prägen das Bild eines Betriebs stärker als jede Kampagne. 

Die eigentliche Frage ist deshalb nicht, ob es sie gibt, sondern wie Betriebe ihnen Raum geben, um sichtbar zu werden. Viele Handwerksbetriebe haben bereits Menschen im Team, die ihren Beruf überzeugend vertreten können. 

Die Meisterin, die für Ausbildung steht. Der Geselle, der stolz auf seine Arbeit ist. Der Azubi, der anderen Jugendlichen erklärt, wie sein Alltag im Betrieb aussieht. 

Drei einfache Ansätze funktionieren im Handwerk besonders gut. Zusätzlich helfen zwei strategische Leitgedanken.

1. Das Team auf der Website sichtbar machen 

Viele Karriereseiten zeigen nur Texte über Benefits – viel stärker wirkt ein kurzer Einblick in das Team. Ein Foto, ein kurzer Satz und eine persönliche Aussage reichen oft schon: "Ich arbeite hier, weil wir uns gegenseitig unterstützen."

Solche Stimmen zeigen zukünftigen Bewerbern, wie der Betrieb wirklich funktioniert. 

2. Mitarbeiter selbst über ihren Beruf sprechen lassen 

Bei Schulbesuchen, Berufsinformationstagen oder Tagen der offenen Tür wirkt nichts überzeugender als ein Gespräch mit jemandem aus der Praxis. Ein Geselle oder eine Auszubildende kann oft besser erklären, wie der Arbeitsalltag aussieht, als jede Präsentation. 

3. Einblicke aus der Werkstatt zeigen 

Ein kurzes Foto aus einem Projekt, eine kleine Geschichte aus dem Arbeitsalltag oder ein Satz eines Azubis reichen oft aus. Es geht nicht um perfekte Inszenierung. Es geht darum, sichtbar zu machen, wie im Betrieb gearbeitet wird. 

4. Machen Sie Botschafterarbeit zur bewussten Strategie 

Wenn Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter den Betrieb nach außen vertreten, sollte das kein Zufall sein. Corporate Influencer im Handwerk funktionieren am besten, wenn Betriebe diese Rolle bewusst unterstützen. Dazu gehört auch, Mitarbeitenden Raum zu geben, mitzudenken und eigene Ideen einzubringen. 

Kathrin Post-Isenberg KPI
Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg führte jahrelang ihren eigenen Handwerksbetrieb. Heute ist sie Speakerin, Host des Podcasts "Nach fest kommt ab" und treibt die Diskussion rund um Arbeitgebermarke, Führung und Fachkräftesicherung im Handwerk voran. - © Markus Zielke

Wer Einblicke in den Arbeitsalltag zeigen soll, braucht Zeit und die passenden Möglichkeiten. Ein Smartphone für Fotos und Videos, Zugang zu den Social-Media-Kanälen des Betriebs oder ein Videoschnittprogramm für das Smartphone können helfen.

Wichtig ist vor allem ein klares Signal: Diese Aufgabe gehört zur Arbeit dazu. Nicht als Aktion einmal im Jahr, sondern als kontinuierlicher Einblick in den Alltag des Betriebs. So entsteht über die Zeit ein glaubwürdiges Bild davon, wie in diesem Unternehmen gearbeitet wird. 

5. Denken Sie in Wirkung, nicht in Reichweite 

Der Erfolg von Corporate Influencern im Handwerk zeigt sich selten in Followerzahlen. Er zeigt sich an anderer Stelle. Wenn Bewerberinnen und Bewerber im Gespräch sagen: "Ich habe gesehen, wie bei Ihnen gearbeitet wird." Oder noch besser: "Ich kenne dich von Instagram." 

Oder wenn sich junge Menschen melden, die den Betrieb bereits ein Stück weit kennen. Oder wenn Mitarbeiter stolz darauf sind, Teil dieses Teams zu sein. 

Corporate Influencer wirken oft leise, aber nachhaltig. Sie sorgen dafür, dass ein Betrieb nicht nur sichtbar ist, sondern verstanden wird. Und genau das erhöht langfristig die Chance, Menschen zu gewinnen, die wirklich zum Betrieb passen. 

Fazit 

Corporate Influencer entstehen nicht durch ein Konzept. Sie entstehen dort, wo Menschen stolz auf ihren Betrieb sind. Viele Betriebe berichten allerdings auch von einer anderen Erfahrung: 
Mitarbeiter möchten sich nicht nach außen zeigen. 

Dann lohnt sich eine ehrliche Frage. Geht es wirklich darum, nicht im Rampenlicht stehen zu wollen? Oder geht es darum, nicht als Gesicht für den eigenen Arbeitgeber auftreten zu wollen? 

Die Antwort darauf führt häufig zurück zum eigentlichen Fundament: zur Arbeitgebermarke des Betriebs. Denn bevor Betriebe darüber nachdenken, Corporate Influencer aufzubauen, lohnt sich ein Blick nach innen: 

  • Wie attraktiv ist meine Arbeitgebermarke wirklich? 
  • Was erzählen meine Mitarbeitenden über ihren Arbeitsplatz, wenn niemand zuhört? 

Wo Menschen gerne arbeiten, erzählen sie meist auch gerne davon. Und genau dort beginnt am Ende jede glaubwürdige Sichtbarkeit. 

Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.