Zimmerermeister Benni Obex Mit Helikopter, ohne Strom: Arbeit zwischen Fels und Wasserfall

An einem steilen Berghang in mehr als tausend Metern Höhe errichtet Zimmerermeister Benni Obex eine Aussichtsplattform aus Holz. Seine ungewöhnlichen Projekte an ungewöhnlichen Orten stellen besondere Anforderungen an Mensch und Material.

Wenige Meter vom Wasserfall entfernt, errichten die Handwerker von Naturidea eine Unterkonstruktion aus schweren Holzbalken. Für eine gute Standsicherheit werden die Balken direkt mit den Felsen am Hang verschraubt. - © Bosch

Ein leises, dumpfes Klopfen ist aus der Ferne zu hören. Doch es dauert nur wenige Sekunden, bis es sich in ohrenbetäubenden Lärm verwandelt. Aus den Nebelschwaden taucht Martin 1 auf. Die schnell drehenden Rotorblätter des Helikopters sorgen für einen kräftigen Luftzug, in dem sich sanft die Bäume am Hang wiegen. Behutsam setzt Martin 1 seine letzte Ladung Holz und Baumaterial für den heutigen Tag auf einer kleinen Felsplatte am Waldrand ab.

Aussichtsplattform in 1.350 Metern Höhe

Hier in luftigen 1.350 Metern Höhe befindet sich der Arbeitsplatz von Benni Obex. Der Zimmerermeister und sein Team vom Handwerksbetrieb Naturidea haben wieder einen ganz besonderen Auftrag erhalten. Inmitten der Stubaier Alpen errichten sie für Wanderer eine Aussichtsplattform mit Blick auf den rauschenden Mischbach-Wasserfall. Nur ein kleiner Wanderpfad führt zu den schroffen Felsen, wo eine ausgefallene Holzkonstruktion in Tropfenform entstehen soll.

"Schau tief in die Natur, und dann wirst du alles besser verstehen", zitiert Obex Albert Einstein. Für den Zimmerer und Bautischler ist das Zitat eine Lebenseinstellung, nach der er seine handwerkliche Arbeit ausrichtet. Der Chef und sein Team sind darauf spezialisiert, an außergewöhnlichen Orten auf der ganzen Welt genauso außergewöhnliche Erlebniswelten aus Holz zu schaffen.

Mit seinen Aussichtsplattformen, Abenteuerparks und Outdoor-Spielplätzen hat sich der Handwerksmeister im gesamten Alpenraum einen Namen gemacht. Doch auch wenn er die Arbeit im unwegsamen Gelände der wilden Natur gewohnt ist, spürt er bei jedem seiner Projekte einen besonderen Adrenalinkick. Unter manchmal widrigsten Bedingungen in den Bergen an der frischen Luft zu arbeiten und Wind und Wetter ausgesetzt zu sein, schafft für ihn einen besonderen Reiz.

Ohne Strom in den Bergen sägen, bohren und hämmern

Die Arbeitsumgebung stellt auch hohe Anforderungen an Material und Werkzeuge, mit denen die zwölf Quadratmeter große Aussichtsplattform am Mischbach-Wasserfall errichtet wird. Da es unmöglich ist, ihr Gerät und selbst gefertigten Elemente aus Lindenholz dort hinzutragen, sind die Handwerker auf die Hilfe des Hubschraubers angewiesen. Dass es oben am Berg keinen Strom für die Maschinen gibt, ist die nächste Herausforderung. Deshalb nutzt das Team Bosch Biturbo-Geräte, leistungsstarke Akku-Maschinen, die genauso viel Kraft wie Kabelgeräte liefern. "Früher mussten wir einen Kompressor für die Kabelgeräte auf den Berg tragen. Mit den Akku-Werkzeugen ist die Arbeit einfach, sicher und schnell. Sie sind leicht und die Akkus unter den verschiedenen Geräten kompatibel."

Mischbach Wasserfall
Die Aussichtsplattform in den Stubaier Alpen am Mischbach-Wasserfall ist ­fertiggestellt und für Wanderer zugänglich. - © IMG Bilder /naturidea

Die Uhr tickt. Noch am heutigen Tag muss die Holz-Unterkonstruktion der Plattform fertig werden. Und dabei sind sie der Natur ausgeliefert. Sobald die Sonne untergeht, ist der Arbeitstag beendet. Tischler-Technikerin Beatrice Scheller längt für die Plattform 180 Millimeter dicke Holzbalken in verschiedenen Längen in der Werkstatt ab. Dabei nutzt sie eine Kapp- und Gehrungssäge, die über einen Antistatik-Schlauch mit einem Nass-/Trockensauger der mittleren Staubklasse M verbunden ist. Damit kann sie verhindern, dass durch Reibung von Staubpartikeln eine elektrische Aufladung entsteht, die zu schmerzhaften Stromschlägen führen könnte. Außerdem wird sie vor Holz- und Metallstäuben sowie Lackpartikeln geschützt. "Du merkst am Ende des Tages sofort, dass du während der Arbeit gut geschützt warst und durchatmen konntest. Du bist einfacher fitter“, sagt Scheller"

Die Gefahr von Staub bei der handwerklichen Arbeit werde oftmals unterschätzt, der Atemwege, Augen und Haut nachhaltig belasten kann, weiß Benni Obex. Insbesondere Feinstaub zirkuliert nahezu unsichtbar über mehrere Stunden und wird oft eingeatmet. Deshalb möchte das Team professionelle Staubschutzlösungen nicht mehr missen, die die Partikel bereits am Entstehungspunkt extrahieren. Jede Säge für die Holzfertigung, die die Handwerker nutzen, ist mit einem Ansaugadapter ausgestattet, an den Antistatikschläuche mit einem Klick befestigt werden.

Obex legt zudem Wert darauf, dass die Geräte bei der Arbeit auf dem Berg lange durchhalten und sich komfortabel bedienen lassen. Denn die Arbeit zu unterbrechen und ins Tal abzusteigen, um die Akkus aufzuladen, würde viel zu viel Zeit kosten. "Die Säge ist stärker als viele kabelgebundene Geräte. Der Akku hält einen ganzen Arbeitstag lang", sagt der Zimmerermeister. Zudem könne das Bedienfeld an der Maschine schnell für jeden Mitarbeiter individuell eingestellt werden, sodass sie weniger Geräte auf dem Berg benötigen.

Mit dem Bohrschrauber den harten Fels durchdringen

Angeseilt und gesichert machen sich die Handwerker daran, die Bodenkonstruktion der Aussichtsplattform, die aus drei schweren Holzbalken besteht, direkt im Fels zu verankern. Mit einem Bohrhammer begradigt Projektleiter René Bauer die späteren Auflageflächen im Gestein. Hier ist höchste Präzision gefragt, denn die richtige Lage der Balken auf den rauen Felsflächen ist für den sicheren Stand der Aussichtsplattform entscheidend.

Anschließend bohrt sein Kollege, der Produktionsleiter Markus Ruech, mit einem Bosch Bohrschrauber die Löcher für die Verschraubungen in die Balken. Auch in den harten Felsen muss er für die Befestigung Löcher bohren, die mit Spezialharz versiegelt werden. Dabei schätzen die Handwerker eine sensorbasierte Kontrollfunktion. Sobald der Bohrer im Fels verklemmt, schaltet das Gerät ab, um einen möglichen Geräterückschlag zu verhindern und vor Verletzungen zu schützen.

Beim Bau der Aussichtsplattform zahlt sich die Erfahrung des Teams bei der Arbeit im wilden Gelände aus. Noch vor Sonnenuntergang ist der Unterbau der Plattform fertig geworden. Das Team wandert erschöpft und zufrieden ins Tal. Am Berg kehrt Ruhe ein. Nur noch das leise Rauschen des Wasserfalls ist zu hören.

Ein kurzes Video zu dem Projekt im Stubaital finden Sie unter youtube.com.