Immer mehr Frauen treten eine Unternehmensnachfolge an: Ein erfolgreiches Beispiel ist Andrea Weisrock, Zimmerermeisterin

Mit Fachwissen überzeugen
Von Dörthe Rautmann
Bei uns wissen die Kunden, wenn sie anrufen, dass nur Weiber am Apparat sind“, sagt Andrea Weisrock, Geschäftsführerin bei Karlheinz Weisrock & Töchter GmbH, einem Zimmermannsbetrieb in Mainz. Zusammen mit ihren zwei Schwestern und ihrem Vater teilt sie sich die Geschäftsleitung des 30-Mann-Betriebs. Andrea Weisrock selbst ist Zimmerermeisterin ebenso wie ihre Schwester Christina. Das Trio wird komplettiert durch Bettina, eine Steuerberaterin. Alle Familienmitglieder arbeiten somit unter einem Dach, sind aber für unterschiedliche Bereiche zuständig. Nicht immer ganz einfach.
„Sicher geht es bei uns manchmal hoch her, da wir drei sehr unterschiedliche Charaktere haben, aber wir haben einen Weg gefunden, uns zu arrangieren. Wichtig ist dabei eine offene Kommunikation miteinander“, weiß Andrea Weisrock aus eigener Erfahrung zu berichten. Damit dies auch funktioniert, finden regelmäßige Treffen zum Austausch statt. Frauen, die sich für die Selbstständigkeit entscheiden, können heute auch auf die bundesweite gründer-innenagentur (bga) zurückgreifen. Die bga stellt Frauen Netzwerke und Kooperationen für eine erfolgreiche Unternehmensübergabe zur Verfügung. Denn jedes dritte Unternehmen in Deutschland wird bereits von einer Frau geführt. Dies verdeutlicht, dass Frauen nicht nur gerne, sondern auch sehr erfolgreich in der ersten Reihe stehen. Allerdings zeigt sich bei der Unternehmensnachfolge ein ganz anderes Bild: Nur etwa jedes zehnte Unternehmen wird von einer Tochter übernommen und insgesamt sind deutschlandweit lediglich rund 15 Prozent der Nachfolger Frauen.
Für Andrea Weisrock stand schon seit frühester Kindheit fest, dass sie einmal in den Familienbetrieb einsteigen wird. „Ich bin mit dem Betrieb aufgewachsen und habe nie einen anderen Berufswunsch gehabt.“ Der Anfang war allerdings schwer. Es galt die Kunden davon zu überzeugen, dass eine Frau die Arbeit mindestens genauso gut ausführen kann wie ein Mann.
„Es hat Jahre gedauert, bis ich die Akzeptanz der Kunden hatte. Bei den eigenen Mitarbeitern war dies wesentlich einfacher“, berichtet Andrea Weisrock rückblickend. Mit 15 Jahren in die Lehre gegangen, hat sie sich mittlerweile auch über den persönlichen Reifeprozess Anerkennung und Akzeptanz verschafft. Frauen, die ähnliches vorhaben, rät sie, sich nicht dem üblichen Geschlechterkampf hinzugeben und etwa zu versuchen, sich den Mann zum Vorbild zu nehmen, sondern sich einfach so zu geben, wie man ist. „Aufgesetztes Verhalten wie z.B. die typische Mädchen- bzw. Männerrolle bringen gar nichts, natürliches Verhalten ist gefragt“, sagt Weisrock.
Neue Wege beschreiten
Dass sich die Zeiten von damals geändert haben, hat sich aber auch bei der Weisrock Firmengruppe bemerkbar gemacht. So hat Andrea Weisrock mit einem Architekturstudium an der FH Mainz begonnen. „Heutzutage muss man mehr Know-how anbieten, um mithalten zu können. Außerdem ist das Ansehen des Handwerks nicht mehr mit dem von früher zu vergleichen“, berichtet Weisrock. Dass es erfolgreich weitergeht und neue Wege beschritten werden, dafür sorgt auch die im Jahr 2003 gegründete Filiale in Erfurt. Außerdem verbirgt sich hinter der Weisrock Firmengruppe ein breites Spektrum an Angeboten von der Energieberatung bis hin zum schlüsselfertigen Bauen.
In nächster Zeit steht für Andrea Weisrock mit der Geburt ihres ersten Kindes eine weitere Herausforderung an: Doch auch hier liegt sie voll im Trend der Zeit, denn immer mehr Frauen meistern die Vereinbarung von Kind und Beruf hervorragend.
Weitere Informationen:
www.weisrock.net