Mobilität auf dem Land Mit dem Azubi-Shuttle zur Ausbildung

Ein Pilotprojekt im unterfränkischen Rhön-Grabfeld-Kreis stopft Löcher im ÖPNV-Netz. So werden Lehrstellen besetzt, die sonst verwaist geblieben wären.

Azubi-Shuttle im Rhön-Grabfeld-Kreis
Drei der vier AzubiShuttle sind mit alternativen Antrieben ausgestattet. - © Julia Weber/Landratsamt Rhön-Grabfeld

Das Auto als Statussymbol verliert seit Jahren an Ansehen. Jugendlichen Stadtbewohnern gilt ein schickes Smartphone heute viel erstrebenswerter als der Führerschein. Anders auf dem Land: Ohne fahrbaren Untersatz kommen Teenager hier nicht weit. Das wird für Handwerksbetriebe zum Problem.

Im Landkreis Rhön-Grabfeld pendeln seit Beginn des Schuljahres vier Kleinbusse über die Dörfer, um Auszubildende selbst aus den abge­legensten Winkeln zu ihren Lehrbetrieben zu fahren. Das Pilotprojekt „Azubi-Shuttle“ soll dort helfen, wo der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) keine Verbindung anbietet – etwa wenn ein Schulabgänger aus dem Nordheimer Ortsteil Neustädtles zu einem Ausbildungsplatz nach Fladungen will.

Fokus auf dem Handwerk

Das Angebot gilt für alle Berufe, aber mehr als die Hälfte der Interessenten kommt aus dem Handwerk. „Darauf liegt der Fokus. Wir möchten die kleinen Betriebe unterstützen, die es bei der Suche nach Azubis ohnehin schon schwer genug haben“, sagt Julia Katzenberger, Koordinatorin für ÖPNV-Projekte beim Landratsamt in Bad Neustadt an der Saale.

Die Nachfrage nach dem Azubi-Shuttle bestätigt den Bedarf. Mit 25 Mitfahrern sind die vom Landkreis geleasten Kleinbusse – drei davon mit Elektro- bzw. Hybridantrieb – komplett ausgebucht. In der Regel werden die Lehrlinge zuhause abgeholt. Wenn mehrere Jugendliche die gleiche Strecke fahren, kann auch ein gemeinsamer Treffpunkt vereinbart werden.

Ticket kostet 66 Euro im Monat

Manche Azubis nutzen das Shuttle nur als Zubringer zum zentralen Omnibus-Bahnhof, andere benötigen nur die Hinfahrt, weil gerade zwischen 5 und 8 Uhr das ÖPNV-Angebot noch eingeschränkt ist. Wieder andere melden sich zwischenzeitlich ab, wenn sie Blockunterricht haben. „Unser Kommunalunternehmen, das die Fahrten organisiert, handelt da sehr flexibel“, betont Katzenberger. Ein Ticket für das Azubi-Shuttle kostet 66 Euro pro Monat für die Hin- und Rückfahrt, nur die Hinfahrt kostet 44 Euro. Teilweise werden die Kosten auch von den Ausbildungsbetrieben übernommen.

Kreishandwerksmeister Bruno Werner freut sich sehr über das neue Angebot, ohne das viele Betriebe es noch schwerer hätten, ihre Lehrstellen zu besetzen. „Schulabgänger aus abgelegenen Ortschaften haben bei der Lehrstellensuche einen Nachteil, weil sie noch keinen Führerschein haben. Andererseits suchen unsere Betriebe nach Berufsnachwuchs. Das Azubi-Shuttle bringt beide Seiten zu­sammen“, glaubt der Schreinermeister aus Bischofsheim.

Bund fördert 41 Modellprojekte

Das Azubi-Shuttle wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium mit rund 170.000 Euro ge­­fördert. Insgesamt 41 solcher Modellprojekte wurden vergangenes Jahr über das Programm „Land-Mobil – unterwegs in ländlichen Räumen“ angeschoben, von der Insel Spieker­oog bis nach Bayern. Überall streben Kommunalpolitiker nach innovativen Mobilitätslösungen für strukturschwache Gebiete. Rund 150 Anträge waren für die Förderung eingegangen.

Trotzdem kann auch das Azubi-Shuttle im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld, der sowohl an Thüringen als auch an Hessen grenzt, nicht jedem Wunsch gerecht werden. Die Kreishandwerkerschaft stellt daher zusätzlich noch einen Renault Twizy zur Verfügung. Das zweisitzige Elektrofahrzeug mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h dürfen schon 16-Jährige mit Führerschein Klasse S oder AM fahren.

Nachdem damit zunächst zwei Brüder zum Auftakt ihrer Schreinerlehre unterstützt werden konnten, hat kürzlich eine junge Frau das Fahrzeug übernommen, die damit ihre Ausbildung zur Maler- und Lackiererin beginnen konnte. „Be­­triebe mit Bedarf können sich über ihre Innung für das Fahrzeug bewerben. Der Vorstand der Kreishandwerkerschaft entscheidet dann nach Dringlichkeit, welcher Lehrling den Twizy für maximal ein Jahr fahren darf“, sagt Kreishandwerksmeister Werner.

Das Projekt Azubi-Shuttle läuft zunächst über zwei Jahre. Julia Katzenberger sieht aber gute Chancen, dass das Angebot danach vom Landkreis weitergeführt wird, auch wenn die Förderung wegfällt.