Mindestlohn -

Warum die Azubi-Mindestvergütung weiterhin umstritten ist Mindestlohn für Azubis: 504 Euro pro Monat geplant

Der geplante Mindestlohn für Azubis sorgt weiter für Diskussionen. Die Bundesregierung plant eine Untergrenze von 504 Euro im Monat für Auszubildende im ersten Lehrjahr. Der Gesetzesentwurf soll noch im Januar 2019 ins Bundeskabinett. Das Handwerk sieht Lehrstellen gefährdet.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Mindestlohn

Seit Jahren steigen die Vergütungen für Auszubildende schneller als die Tariflöhne. Dennoch will Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) noch im Januar einen Mindestlohn für sie ins Kabinett bringen. Sie will diese an das staatliche Bafög für Fachschüler koppeln, die auswärts leben, und veranschlagt deshalb für das erste Lehrjahr eine Ausbildungsvergütung von 504 Euro. Für jedes weitere Lehrjahr soll es fünf Prozent mehr geben. Und nicht nur das: Bis 2022 soll der Mindestsatz auf 580 Euro steigen.

Ein Fünftel der Handwerksbetriebe müssen den Azubis mehr bezahlen

Für das Handwerk gehen die Pläne in die falsche Richtung. "Jede gesetzliche Regelung einer Mindestausbildungsvergütung muss den gerade im Handwerk besonders ausgeprägten Unterschieden zwischen den Branchen und Regionen gerecht  werden", mahnt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. Ansonsten müsse man damit rechnen, dass gerade kleinere Handwerksbetriebe weniger ausbildeten. Dies aber hätte schwerwiegende Folgen für die Versorgung mit Fachkräften. Nach Einschätzung des Handwerks müsste knapp ein Fünftel der Handwerksbetriebe ihren Auszubildenden mehr als heute zahlen, sollte die Mindestvergütung kommen. In der Gesamtwirtschaft wären es rund elf Prozent. In Ostdeutschland wären sogar 32 Prozent der Handwerksunternehmen betroffen, heißt es in einer Stellungnahme.

Tarifliche Ausbildungsvergütungen

Nach einer Auswertung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) sind die tarifvertraglichen Lehrlingslöhne in Deutschland 2018 um 3,7 Prozent gestiegen. Die Tariflöhne insgesamt nur um 2,8 Prozent. Im Durchschnitt lagen die tarifvertraglichen Lehrlingslöhne über alle Wirtschaftsbereiche hinweg bei 908 Euro. Im Handwerk gehören Vergütungen von mehr als 1.000 Euro im Bau genauso dazu wie solche im Friseurhandwerk von unter 500 Euro in manchen Regionen.

Doch gerade in den schlechter bezahlten Ausbildungsberufen im Handwerk, in denen viele Stellen unbesetzt blieben, hat sich zuletzt viel getan. So sollen etwa im Bäckerhandwerk nach dem neuesten Tarifvertrag die Ausbildungsvergütungen für das 1. Lehrjahr zum 1. September 2019 auf 615 Euro steigen, 2018 waren sie auf 565 Euro erhöht worden. Für das dritte Lehrjahr wurden für diesen Herbst 820 Euro vereinbart.

Handwerk fordert Übergangsregelung von mindestens drei Jahren

Nach Ansicht des ZDH sollten Ausbildungsvergütungen wie bisher von den Tarifvertragsparteien festgelegt werden. Sie könnten am besten abschätzen, welche Vergütungen für spezifische Gewerke und Regionen passend seien. Der Handwerksverband hält es für verfehlt, den Azubi-Mindestlohn am Bafög von auswärts lebenden Fachschülern auszurichten. Der Grund: Noch immer leben die meisten Auszubildenden im Handwerk bei ihren Eltern. Für den Fall, dass der Azubi-Mindestlohn nicht mehr abwendbar ist, fordert das Handwerk einen Abschlag. Außerdem sollte es einen Tarifvorrang für bestehende Ausbildungsvergütungen und eine Übergangsregelung von mindestens drei Jahren geben.

Unterdessen weist die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände darauf hin, dass das Bafög für Fachschüler, die bei ihren Eltern lebten, nur 248 Euro betrage. Sie plädiert für eine Mindestvergütung von 435 Euro. Die Gewerkschaften halten den Vorschlag Karliczeks für zu niedrig: "Der DGB fordert weiterhin eine Mindestausbildungsvergütung in Höhe von 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung des jeweiligen Ausbildungsjahres", sagte DGB-Vorstandsmitglied Elke Hannak. Für das 1. Lehrjahr wären das mindestens 635 Euro.

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