Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes Migrationshintergrund noch immer ein Problem bei der Stellensuche

Menschen mit ausländischen Wurzeln fühlen sich auf dem Arbeitsmarkt stärker benachteiligt als Deutsche. Vor allem die Stellensuche wird zum Problem. Ist diese Hürde bewältigt, begrüßt dagegen sogar eine Mehrheit, wenn der Kollegenkreis aus vielen verschiedenen Nationalitäten besteht. Lösungen aus dieser Zwickmühle sind vor allem für kleine Betriebe schwer umsetzbar.

Mehr Toleranz tut Not: Migrantinnen und Migranten berichten fast doppelt so häufig von Benachteiligungserfahrungen wie die Mehrheitsbevölkerung. - © Marco2811/Fotolia

Für viele Menschen mit Migrationshintergrund ist besonders der Besuch von Ämtern und Behörden noch immer mit einem unguten Gefühl verbunden. 22 Prozent der Befragten einer aktuellen Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gaben an, dass sie sich hier diskriminiert fühlen. Nur geringfügig anders sieht es bei der Frage nach den Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt aus. Hier gaben rund 19 Prozent an, nicht die gleichen Chancen zu haben wie Menschen ohne ausländische Wurzeln.

Packt man alle Kriterien wie etwa Bildung, Arbeitsmarkt, Behörden, Religionsausübung und Freizeitaktivitäten zusammen, so ergibt die Studie, dass sich fast doppelt so viele Migrantinnen und Migranten benachteiligt fühlen wie die Mehrheitsbevölkerung. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, wertete die Befunde als "Warnsignal". Die Studie zeige, wie wichtig eine effektive Antidiskriminierungsarbeit in einer vielfältigen Gesellschaft sei.

Anonym bewerben – kompliziert für Handwerksbetriebe

Zwar spielt der Zugang zum Arbeitsmarkt eine ganz besonders Rolle und gerade für Arbeitgeber ist es auch wichtig hierbei Hürden abzubauen, da der Fachkräftemangel immer stärker zunimmt. Trotzdem zeigt die Studie auch ein paar positive Tendenzen. Denn obwohl die Jobchancen für Migranten noch immer schlechter sind als für Bewerber ohne Migrationshintergrund, legen die abgefragten Verhaltenstendenzen auch offen, dass in den Unternehmen selbst grundsätzlich Offenheit herrscht. Die Mehrheit der Befragten – 66,3  Prozent der Befragten ohne und 73,9 Prozent der Befragten mit Migrationshintergrund – begrüßen es, wenn am Arbeitsplstz "ethnische Heterogenität" herrscht.

Um die noch immer gefühlte Diskriminierung bei der Stellensuche weiter abzubauen, rät Christine Lüders den Unternehmen verstärkt auf anonymisierte Bewerbungsverfahren zu setzen. Doch obwohl sich in einer Untersuchung gezeigt hat, dass sich dabei die Chancen sowohl für Migranten als auch für Ältere und Frauen verbessern lassen, ist dieses Verfahren für kleine Betriebe schwer im Arbeitsalltag realisierbar.

Gerade im Handwerk, wo es vielfach keine eigenen Personalabteilungen in den Betrieben gibt, würde hierbei ein großer Aufwand entstehen. Zudem setzt dieser Wirtschaftszweig besonders auf den persönlichen Kontakt zu Mitarbeitern und Kunden. jtw

Lesen Sie hier ein ausführliches Interview mit Christine Lüders zu den anonymisierten Bewerbungsverfahren .