Stallbau mal anders: autark und mobil Metallbaumeister im Einsatz für glückliche Hühner

Thomas Baier wollte für seine Hühner schon im Kindesalter einen perfekten Stall bauen. So machte er gleich mehrere Berufsausbildungen. Heute ist es Metallbaumeister und Landwirt. Er baut Hühnerställe, die komplett autark und mobil genutzt werden können. Nicht nur seine Hühner sind begeistert.

Metallbaumeister Thomas Baier
Thomas Baier ist Metallbaumeister und Landwirt. Er baut mobile Hühnerställe. - © Baier-Stoi

Wenn Hühner sich frei auf der Wiese bewegen dürfen statt in engen Ställen eingesperrt zu sein, ist das sowohl im Sinn des Huhns als auch im Sinn von immer mehr Verbrauchern, die gerne Eier aus Freilandhaltung kaufen möchten. Wer allerdings darunter leidet, ist die Wiese. Denn Hühner nutzen sie intensiv. Sie fressen die Gräser, die wühlen den Boden auf und sie düngen ihn mit ihren Hinterlassenschaften, was ab einer bestimmten Menge zu viel sein kann – unter anderem für das Grundwasser. Gut ist es da, wenn die Hühner ihren Wiesenstandort immer mal wieder wechseln. Möglich macht das eine Hühnerhaltung in mobilen Ställen. Vor allem für eher kleine landwirtschaftliche Betriebe oder wenn die Hühnerhaltung nur einen kleinen Teil ausmacht, kann sich diese Form eignen.

Hühner dürfen Wiesen wechseln: Metallbaumeister macht es möglich

Das hat sich auch Thomas Baier gedacht. Er ist Metallbaumeister und Landwirt. Er hält Hühner und baut Ställe. Diese Ställe sind mobil und funktionieren sogar autark. Durch Solarzellen auf dem Stalldach inklusive Batteriespeicher und einem angeschlossenen elektronischen System, das die Wasser- und Futterversorgung für die Hühner steuert, sind die Hühner mindestens eine gute Woche auf ihren Wiesen versorgt, ohne dass der Landwirt sich kümmern muss und ohne dass er weitere Energie für den Betrieb benötigt. Der Aufbau auf Rädern erlaubt es, dass man die Ställe relativ schnell und einfach von einer Wiese auf eine andere stellen kann.

An seinen verschieden großen und verschieden ausgestatten Hühnerstallmodellen hat Thomas Baier lange getüftelt und mittlerweile ist daraus eine Handwerksfirma mit 17 Mitarbeitern entstanden. Für seine Ideen und die qualitative Ausführung hat er erst kürzlich den Handwerkspreis der Bürgschaftsbanken bekommen. Dieser zeichnet besonders innovative Geschäftsideen aus.

Landwirt und Metallbaumeister mit einem Ziel: Selbstständigkeit mit Ställen für Hühner

Dabei hatte Thomas Baier schon als Kind das Ziel, für seine Hühner einen Stall zu bauen und dabei all das anders zu machen, was er bei anderen sah und was ihn und seine Hühner störte. Als er sechs Jahre alt war, bekam er seine ersten Hühner. Und auch heute noch betreibt der Niederbayer zwei mobile Ställe selbst. Möglich macht ihm das auch sein Ausbildungsweg: mit 15 Jahren eine Lehre als Industriemechaniker, dann gleich im Anschluss eine Lehre als Landwirt und parallel dazu die Weiterbildung als Metallbaumeister. "Ich habe mich für beide Ausbildungen entschieden, da ich schon immer an eine Selbstständigkeit gedacht habe und immer den Stallbau im Hinterkopf hatte", sagt der 27-Jährige, der heute auch Unternehmenschef ist.

Bei einer zwischenzeitlichen Beschäftigung in einem konventionellen Legehennenbetrieb mit Bodenhaltung in Festställen – und auch durch das intensive Beobachten der eigenen Hühner – konnte er sehen, was die Hühner für ein tiergerechtes Leben benötigen. Das lies er in den Bau seiner mobilen Ställe einfließen. "Ich fand es einfach nicht schön, wenn die Hühner nur noch im Dreck und ihrem eigenen Kot scharren können", berichtet er was passiert, wenn Hühner immer auf dem selben Stück Wiese bleiben. So ist kann die Grasnarbe durch das viele Picken und Scharren der Hühner schnell nicht mehr nachwachsen. Das regelmäßige Versetzen der Ställe wirkt sich seinem Bericht zufolge auch positiv auf die Tiere aus. "Auf deren Gesundheit, als auch auf die Qualität der Eier", sagt Thomas Baier.

Erst zwei Ausbildungen, dann Unternehmensgründung

Nachdem sich der Metallbaumeister angeschaut hatte, was es an mobilen Ställen schon auf dem Markt gab, war er davon aber noch nicht überzeugt. "Ich hatte verschiedene Hersteller gefunden, hab mir auch die Stallkonzepte angeschaut, allerdings hat mir keines zugesagt", sagt er. Daher hat er angefangen erst Prototypen und dann die "richtigen Stallmodelle" zu bauen.

Das war noch im Jahr 2018. Heute vier Jahre später hat sich seine Firma "Baier Stoi" gut im Markt etabliert. "Stoi" steht übrigens für das Wort "Stall" – bayrisch ausgesprochen. Der Metallbaumeister baut mittlerweile auch mobile Hähnchenmastställe, mobile Schafställe, sowie wolfssichere Herdenschutzzäune. Auch hierbei kommt ihm seine Doppelausbildung zugute.

Mobiler Hühnerstall
Die Hühnerställe von Thomas Baier wandern mit den Hühnern von Wiese zu Wiese. So müssen die Tiere nie im Dreck scharren und auch die Wiesen werden geschont. - © Baier-Stoi