Der Künstler Yagedar Asisi Meisterlich: Das Pergamon-Bild

Seit Kurzem ist in Berlin die 360-Grad-Rekonstruktion der antiken Stadt Pergamon zu sehen. Schon nach einem Monat ist das mehr als einhundert Meter lange Rundbild der Publikumsrenner. Yadegar Asisis Kunstwerk ist eine handwerkliche Meisterleistung.

Burkhard Riering

Mehr als 100.000 Menschen sind im ersten Monat gekommen, um sich das alte Pergamon anzuschauen - als fotorealistische Rekonstruktion. - © PR Asisi

Die Frühlingssonne strahlt, ein weiter Blick in die Landschaft öffnet sich, die Vögel singen, die Menschen unterhalten sich angeregt, ein jeder ist guter Dinge. Man möchte fast tauschen, wenn man diesen Ort sieht, man möchte dort wohnen, dort leben. Wo sind wir? Wir befinden uns in der griechisch-römischen Antike, genau 129 nach Christus, an einem schönen Maitag, in der Stadt Pergamon.

Dass Pergamon uns so eindrucksvoll vor Augen geführt wird, dass dieses Gefühl für längst vergangene Zeiten überhaupt so hautnah möglich ist, verdankt die Welt Yadegar Asisi, einem Berliner Panoramakünstler, der auf einer 103 Meter langen und 25 Meter hohen Leinwand eine Szenerie Pergamons dargestellt hat. Dieses Kunstwerk ist seit wenigen Wochen der Publikumsrenner des Pergamon-Museums in Berlin und von einem 15 Meter hohen Aussichtsturm im Ehrenhof des Museums zu besichtigen. Die Aktion geht noch bis Ende September 2012.

Wie hat Asisi das nur gemacht?

Der Besucher fragt sich: Wie hat Asisi das nur gemacht? Die Antwort ist komplex, das Verfahren, um so ein großes fotorealistisches Rundbild hinzubekommen, bedarf x verschiedener handwerklicher Techniken. Zunächst reiste Asisi mit seiner Fotokamera und einem Team nach Bergama in der Türkei, dem einstigen Pergamon. Auf einer Anhöhe baute er einen Turm auf, um von dort die Landschaft, das Panorama und historische Gebäude zu fotografieren und zu verpixeln. An Ausgrabungsstätten ließ er Statisten in antiken Gewändern ablichten.

In Berlin und Rom fotografierte er weiter Exponate, Relikte und antike Säulen, die auf dem Bild zu sehen sind. Vor allem die Pergamon-Sammlung Berlins findet sich hier wieder. Für das Bild nutzte Asisi wissenschaftliche Erkenntnisse über Pergamon und architektonische Skizzen.

Die Hauptarbeit war die Montage des Bildes, das Zusammenführen all der digitalen Quellen und Fotos. Am Photoshop arbeitete Asisi über Monate. All die kleinen und großen Dinge wurden in das Grundbild hineinmontiert. Gebäude, das Amphitheater, der Altar, Berge, Bäume, Tausende Menschen, Hunde, Katzen – Asisi gilt als Besessener, der perfektionistisch an seine Projekte herangeht und nichts dem Zufall überlässt.

Ein Mosaik auf Stoff

50.000 Fotos sind für das Rundbild entstanden, über fünf Jahre hat das Projekt gedauert, ein 50-köpfiges Team hat daran mitgearbeitet. Zum Schluss existiert nur noch eine ein große Datei, die auf Stoffbahnen gedruckt und zusammengenäht wird. Auf 103 mal 25 Metern.

Nachtrag: Am Ende hat das Asisi-Team den Stoff noch mit hier und da mit UV-Farben bearbeitet. Denn Pergamon gibt es nicht nur bei Tag, sondern auch bei Nacht. Wenn es dunkel wird, dann glühen hier und da bei sanfter Musik noch ein paar wenige Lagerfeuer. Man möchte sich dazusetzen.