Seit Jahren tauchen immer wieder gefälschte Meisterbriefe auf. Nun meldet die Kriminalpolizei in Erlangen einen Ermittlungserfolg. Sie hat ein Netzwerk an Fälschern aufgedeckt, die die falschen Urkunden deutschlandweit verkauft hatten. Mehrere Tatverdächtige wurden festgenommen.

Urkundenfälschung ist eine Straftat. Aber auch der Kauf von Fälschungen ist strafbar – egal, ob die Urkunden im Rechtsverkehr genutzt werden oder nicht. Darauf weist die Kriminalpolizei Erlangen hin. Gleichzeitig richtet sie einen Appell an Betreiber von Copyshops, sich bei dem Verdacht eines Betrugs mittels falscher Zertifikate oder Urkunden an die Polizei zu wenden. Als verdächtig stuft sie es beispielsweise ein, wenn Druckaufträge von Zertifikaten oder Urkunden für Drittpersonen ohne Unterschrift erfolgen sollen oder Ausdrucke mit den Namen unterschiedlicher Personen angefertigt werden sollen.
Die Hinweise geben die Beamten des Polizeipräsidiums Mittelfranken in einer Meldung zu einem aktuellen Fall der Urkundenfälschung im großen Rahmen. Dabei ging es um gefälschte Meisterbriefe und Sprachzertifikate, mit denen die Täter eine Beute in sechsstelliger Höhe gemacht haben. Die Erlanger Kriminalpolizei konnte nach monatelangen Ermittlungen nun aber mehrere Tatverdächtige identifizieren und festzunehmen.
Urkundenfälschung im großen Rahmen
Nach Angaben des Polizeipräsidiums konnten die Ermittler ein mutmaßliches Netzwerk von Fälschern aufdecken, das Fälschungen im ganzen Bundesgebiet (Schwerpunkt Bayern, Nordrhein-Westfalen und Berlin) in Umlauf gebracht hatte. Festgenommen wurden jetzt mehrere Personen, die an der Urkundenfälschung beteiligt waren – ein mutmaßlicher Haupttäter, seine Lebensgefährtin sowie ein Zwischenhändler.
Aufgefallen sind Fälschungen in den vergangenen Jahren immer wieder auch direkt bei den Handwerkskammern – meistens dann, wenn ein Betrieb mit einem Meisterbrief aus einem anderen Kammerbezirk dort in die Handwerksrolle eingetragen werden sollte. So war es auch im Jahr 2020 bei der Handwerkskammer Oberfranken. Schon an dieser Stelle starteten die ersten Ermittlungen in Erlangen, die zum Aufdecken des Fälscher-Netzwerks geführt haben. In diesem Zusammenhang wurden auch dort vermehrt Anzeigen wegen gefälschter Sprachzertifikate und Meisterprüfungszeugnisse erstattet.
Fünfstellige Beträge für gefälschte Urkunden
Die intensiven und aufwendigen Ermittlungen führten dann auch zu Gerichtsverfahren. Nach Angaben des Polizeipräsidiums bestand gegen den jetzt Festgenommenen schon früh der Verdacht, neben Meisterbriefen und -zeugnissen unter anderem auch "Leben in Deutschland"-Zertifikate, Sprachzertifikate für die Einbürgerung und Bescheinigungen für das Sicherheitsgewerbe sowie Fachkundenachweise gefälscht zu haben. "Die Käufer der Fälschungen bezahlten zum Teil fünfstellige Beträge, um Prüfungen und den Nachweis von Deutschkenntnissen zu umgehen", melden die Beamten. So ergibt sich ein betrügerischer Gewinn in sechsstelliger Höhe.
Der Hauptverdächtige habe sich seinen "Kunden" gegenüber als Mitarbeiter der Handwerkskammer ausgegeben und garantiert, die Fälschungen bei der HWK als "echt" einzutragen. Hierzu kam es natürlich nie. "Die Käufer der Fälschungen, die keine entsprechende Ausbildung oder Prüfung absolviert hatten, konnten mit den Fälschungen unter anderem Friseur- bzw. Barbershop-Betriebe und sogar KFZ-Betriebe führen und Lehrlinge ausbilden", heißt es in der offiziellen Mitteilung zum Ermittlungserfolg der Erlanger Kriminalbeamten. Ganz abgeschlossen ist das Verfahren gegen das Netzwerk wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung aber noch nicht. jtw