Urkundenfälschung Gefälschte Meisterbriefe: App hilft, Betrüger auffliegen zu lassen

Sie werden als Geschenkartikel angepriesen und zu Betrugszwecken missbraucht: Nachbildungen von Meisterbriefen sind im Internet leicht zu bekommen. Nicht wenige geben sich damit unrechtmäßig als Handwerksmeister aus – bei den Kammern, aber auch bei Arbeitgebern. Der Verband will die Strafen für diese Vergehen erhöhen – und die Kammern setzen auf eine neue Erkennungssoftware, die jeder mitnutzen darf.

Gefälschte Meisterbriefe
Um ein Unternehmen im Handwerk zu gründen, ist in vielen Gewerken der Meisterbrief eine Voraussetzung. Normalerweise erwirbt man ihn durch intensive, fachliche Weiterbildung, doch Betrüger bieten Meisterbriefe auch zum Kauf im Internet an. - © New Africa - stock.adobe.com

Meisterpflicht? Für manche nur ein Blatt Papier: Immer mehr Betrüger greifen zu gefälschten Meisterbriefen, um Betriebe in meisterpflichtigen Handwerken anzumelden oder sich auf Stellen zu bewerben, die ausschließlich für Meister vorgesehen sind. Das Problem ist zwar nicht neu, nimmt jedoch spürbar zu – sehr zum Ärger vieler Betriebsinhaber. Denn oft fehlt die Zeit, um Zeugnisse und Urkunden in aufwendigen Recherchen oder langwierigen Telefonaten mit Behörden auf ihre Echtheit zu prüfen.

Einen gefälschten Meisterbrief zu erkennen, ist gar nicht so einfach. "Optisch erkennt man so schnell keine Unterschiede zu einer Fälschung", bestätigt Heiko Henke, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Oldenburg. Überprüfen lässt sich die Echtheit also nur über die Daten, die auf der Urkunde eingetragen sind – Vor- und Nachname, Gewerk und Handwerkskammer, bei der die Meisterprüfung abgelegt worden sein soll. Auskunft darüber geben prinzipiell die Handwerkskammern, die die Meisterbriefe ausstellen. Helfen können aber auch Apps – darunter die App "Zeugnischeck" der BuE Bildung und EDV Dienstleistungskonzepte GmbH. Neben seiner Tätigkeit bei der Handwerkskammer ist Heiko Henke deren Geschäftsführer.

Meisterbriefe im Onlinehandel

Anlass für die Entwicklung solcher digitalen Hilfsmittel sei die Zunahme von Angeboten auf Online-Portalen und in sozialen Netzwerken. Dort würden Meisterbriefe zum Kauf angeboten, oft deklariert als Dekorationsartikel oder Geschenk, um den illegalen Charakter zu verschleiern. Dass sie dennoch als angeblichen Nachweis für die Weiterbildung genutzt werden, spielt für die Anbieter keine Rolle. Strafbar machen sich die, die die Fälschungen nutzen. Und ihre Zahl steigt.

Mehrere Handwerkskammern berichten auf Nachfrage, dass sie mit dieser Problematik konfrontiert seien. Es handle sich zwar nicht um ein massenhaftes Phänomen, aber eine Zunahme sei zu beobachten. Auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) bestätigt, vermehrt Hinweise auf gefälschte Zeugnisse von den Kammern zu erhalten. "Auch stoßen die Kammern häufiger auf Internet- und Social-Media-Angebote, in denen gefälschte Zeugnisse beworben werden", heißt es aus Berlin. Ob die Nutzung solcher Fälschungen tatsächlich objektiv zugenommen hat, ließe sich jedoch nicht belegen.

Gefälschte Meisterbriefe: ZDH für neue Regelungen in der Handwerksordnung

Weiter führt der Verband aus, dass die Handwerkskammern konsequent gegen diese strafrechtlich relevanten Umstände und Fälle vorgehen und dass sich der ZDH dafür einsetzt, dass die Vorlage eines gefälschten Zeugnisses ausdrücklich in der Handwerksordnung als bußgeldbewährtes Vergehen geregelt wird. Da strafrechtliche Verfahren oft sehr langwierig und mit vielen Beweisproblemen behaftet sind, könnte die Einführung eines Bußgeldtatbestands in die Handwerksordnung nach Aussage von Markus Peifer, dem Leiter des Bereichs Recht und Organisation beim ZDH, wesentlich konkreter und schneller vollzogen werden. "Bei einer entsprechenden Höhe des Bußgeldes könnte das auch eine abschreckende Wirkung haben", sagt er.

Für die Praxis ist es aber auch wichtig, Möglichkeiten zu schaffen, um die gefälschten Meisterbriefe schnell und einfach zu entdecken. "Das gilt einerseits für die Handwerkskammern untereinander, die oftmals Anfragen zur Eintragung in die Handwerksrolle aus anderen Kammerbezirken bekommen. Andererseits brauchen auch Betriebsinhaber, die einen Meister einstellen wollen, die Möglichkeit, Zeugnisse zu prüfen. Und es kann auch für den Zoll bei der Schwarzarbeitsbekämpfung eine große Hilfe sein", erklärt Heiko Henke.

Die "Zeugnischeck"-App biete eine digitale Überprüfung von Zeugnissen und enthalte bereits viele Daten über abgelegte Prüfungen. Der Datenbestand werde kontinuierlich von den teilnehmenden Handwerkskammern erweitert. Bislang sind folgende Handwerkskammern dabei und stellen ihre Daten zur Verfügung: Ostfriesland, Oldenburg, Dortmund, Bremen, Kassel, Düsseldorf, Frankfurt-Rhein-Main. Die Handwerkskammer Wiesbaden arbeitet aktuell an der Datenübertragung. Weitere Kammern haben angekündigt, sich auch der App anzuschließen.

Die Nutzung der App ist kostenlos und kann sowohl am Smartphone erfolgen, als auch am PC. Aus der Praxis berichtet Uwe Sachelli von der Handwerkskammer Kassel, dass die App leicht handhabbar sei. "Sie verschafft uns entsprechende Sicherheit in einer Zeit, wo wir eine Vielzahl von gefälschten Meisterbriefen und Meisterprüfungszeugnissen haben", sagt er zu seinen Erfahrungen. Grundsätzlich kann der Abteilungsleiter Meister- und Fortbildungsprüfungen die App genauso nutzen, wie jeder Unternehmer und auch jede Privatperson.

App hilft Betrug bei Meisterbriefen aufzudecken

"Über diesen Weg kommt man sehr schnell an die Informationen, die es braucht, um sicherzustellen, ob gegebenenfalls eine Fälschung vorliegt", so Sachelli, der es begrüßen würde, wenn die App langfristig eine bundesweite Abdeckung erreicht, sodass er die Daten aller Kammerregionen darin abgleichen kann. Diesem Wunsch schließt sich auch Heiko Henke an, denn wenn künftig immer mehr Handwerkskammerregionen Deutschlands über diesen Weg einen Zeugnischeck ermöglichen, steige der Nutzen der App an.

Meisterbriefe aus bisher nicht beteiligten Kammerbezirken können aber dennoch – per Anruf oder E-Mail – bei den Handwerkskammern überprüft werden.