Im ersten Halbjahr 2012 hat die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen in Deutschland leicht zugenommen. Besorgniserregender ist aber der volkswirtschaftliche Schaden, der durch Großinsolvenzen entsteht. Zu diesen Ergebnissen kommt die Creditreform in ihrer neuen Studie.

Schlechte Nachrichten für Betriebe. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres wurden mit 15.200 Unternehmensinsolvenzen etwas mehr Insolvenzfälle registriert als im Vergleichszeitraum des Vorjahres, als es noch 15.090 Firmenpleiten waren. Dass der Anstieg mit 0,7 Prozent recht moderat ausfällt, ist laut den Analysten der Creditreform der robusten Binnenkonjunktur und der lebhaften Entwicklung des Bausektors und des Verarbeitenden Gewerbes geschuldet.
Trotzdem hat der volkswirtschaftliche Schaden, der durch Unternehmensinsolvenzen entstanden ist, im Vergleich zum Vorjahr markant zugenommen. So ist im ersten Halbjahr 2012 ein finanzieller Schaden von 16,2 Mrd. Euro entstanden. In den ersten beiden Quartalen des Vorjahres waren es lediglich 10,4 Mrd. Euro gewesen. Dabei spielten nicht zuletzt die Großinsolvenz von Schlecker und die in Schieflage geratene Solarindustrie eine tragende Rolle. Von den 16,2 Mrd. Euro entfallen 4,6 Mrd. Euro auf die öffentliche Hand. 11,6 Mrd. Euro müssen die privaten Gläubiger tragen. Damit haben private Gläubiger pro Insolvenzfall im Durchschnitt 763.000 Euro verloren (Vorjahr: 484.000 Euro).
Viele Arbeitsplätze bedroht
Neben den Schäden für Kreditgeber und Lieferanten müssen bei der Betrachtung des anfallenden volkswirtschaftlichen Schadens auch die Beschäftigten insolventer Unternehmen berücksichtigt werden. Durch die Insolvenz ihres Arbeitgebers müssen in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres rund 150.000 Beschäftigte um ihren Arbeitsplatz fürchten. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als es noch 110.000 bedrohte Arbeitsplätze waren, entspricht dies einem Anstieg von 36,6 Prozent. Durch die gestiegene Zahl an Großinsolvenzen entfällt mehr als die Hälfte des voraussichtlichen Stellenabbaus (52,0 Prozent) auf größere Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten. Dagegen ist der Anteil der Betriebe mit bis zu 20 Beschäftigten von 41,3 auf 28,9 Prozent gesunken. Dennoch entfallen nach wie vor die meisten Insolvenzen auf die Kleinstbetriebe, die bis zu fünf Personen beschäftigen: 79,5 Prozent der Insolvenzen betrafen im abgelaufenen Halbjahr Betriebe mit weniger als sechs Mitarbeitern (Vorjahr: 79,2 Prozent).
Die Insolvenzquote unterscheidet sich je nach Bundesland stark. Die höchste Insolvenzquote errechnet sich für Nordrhein-Westfalen mit 185 Insolvenzfällen je 10.000 Unternehmen. Zum Vergleich: Bundesländer wie Bayern oder Baden-Württemberg, die einen ähnlich starken Unternehmensbestand aufweisen, verzeichnen mit 51 bzw. 61 eine vergleichsweise geringe Insolvenzquote.
Entspannung in der Baubranche
Die konjunkturelle Entwicklung in den einzelnen Hauptwirtschaftsbereichen spiegelt sich bis zu einem gewissen Grad im Insolvenzgeschehen. So hat sich die Insolvenzsituation im Verarbeitenden Gewerbe und im Bausektor entspannt. Im Bausektor sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 8,9 Prozent auf 2.160 Fälle (Vorjahr: 2.370 Fälle). Im Verarbeitenden Gewerbe wurde ebenfalls ein Rückgang registriert: In den ersten sechs Monaten in 2012 wurden 1.200 betroffene Betriebe gezählt, nachdem es im vergangenen Jahr noch 1.260 Unternehmen waren – ein Minus von 4,8 Prozent. Ganz anders stellt sich die Situation im Handel und im Dienstleistungssektor dar. Vor allem die Händler hatten ein schwieriges erstes Halbjahr: Hier stieg die Zahl der insolventen Händler um 7,9 Prozent von 2.910 Fällen im Vorjahr auf aktuell 3.140 Fälle. Deutlich geringer fiel der Zuwachs bei den Dienstleistern aus: Im Dienstleistungssektor wurde mit 8.700 Insolvenzfällen eine Zunahme von 1,8 Prozent notiert (Vorjahr: 8.550 Fälle). dhz