Der Anstieg der Azubi-Zahlen um 29 Prozent ist beachtlich. Selbst im Schornsteinfegerhandwerk ist man von dem starken Anstieg überrascht. Das steckt dahinter.

Nachwuchskräfte zu finden, ist in vielen Handwerksbranchen zur großen Herausforderung geworden. Auf der Suche nach Azubis müssen Betriebe immer kreativer und aktiver werden, um den Jugendlichen ihre Berufe und deren Vorteile näherzubringen. Das steht seit einigen Jahren auch im Schornsteinfegerhandwerk auf der Tagesordnung. Verschiedenste Ausbildungskampagnen der Branche und die Bemühungen der Betriebe zahlen sich jetzt aus. Denn das Schornsteinfegerhandwerk bzw. die Zahl der neuen Mitarbeiter der Branche wächst – und das sogar um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Azubi-Zahlen bei den Schornsteinfegern: Höchster Stand seit zehn Jahren
Damit erreicht die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2024 den höchsten Stand seit zehn Jahren. Das meldet der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks. Derzeit absolvieren 796 Lehrlinge die Ausbildung im ersten Lehrjahr. Auch wenn Unternehmen und Verbände gemeinsam darauf hingearbeitet haben, wieder mehr junge Menschen zu begeistern, Schornsteinfeger zu werden, zeigt sich Julia Bothur, die Sprecherin des Bundesverbands, auch ein wenig überrascht – positiv natürlich.
"Eine gute Entwicklung haben wir natürlich mitbekommen, aber dass die Azubi-Zahlen nun so gut ausfallen, hatten wir nicht erwartet", sagt sie. Immerhin sei angesichts des Ringens um immer neue Vorzeichen beim Heizungsgesetz auch eine Verunsicherung in der Branche und vor allem bei den Verbrauchern deutlich gewesen. Spürbar geworden sei aber auch die Bedeutung, die die Wärmewende gesamtgesellschaftlich hat – und welche Rolle sie in der Klima-Diskussion spielt. Und genau diese beschäftigt die sogenannte Generation Z sehr.
Steigende Azubi-Zahlen bei den Schornsteinfegern: die Erfolgsfaktoren
Wenn Nachwuchszahlen derart stark steigen, liegt die Frage nach den Erfolgsfaktoren nahe. Doch ein Patentrezept kann Julia Bothur dafür nicht nennen. "Ich denke, es passt gerade vieles zusammen und wir haben in der Branche wohl auch einiges richtig gemacht", sagt sie und verweist einerseits auf die verschiedenen Ausbildungskampagnen wie "Es war nie einfach nur Glück" oder "Komm ins Team Schwarz" und die große Beteiligung der Betriebe dabei. Das sei auch vor allem in den sozialen Medien gut angekommen und hätten die richtigen Botschaften vermittelt. Dass viele Schornsteinfeger mittlerweile auch bei Instagram, Facebook, Tiktok und Co. aktiv sind und sich hier in ihrer typischen Berufskleidung – mit hohem Wiedererkennungswert – und der Vielfalt ihrer Arbeiten zeigen, sei ein wichtiger Faktor.
Schornsteinfeger haben durch ihre Arbeit bei den Menschen vor Ort aber auch den direkten Kontakt und bekommen daher mit, welche Themen wichtig sind und wo Beratungsbedarf besteht. Dass das Mitwirken können an der Energie- und Wärmewende immer mehr auf Interesse stößt, hat die Branche aufgegriffen und ein Bedürfnis der Jugend für sich genutzt. Zeitlich passend war dann auch, dass im Januar 2024 die tarifliche Ausbildungsvergütung erhöht wurde – natürlich auch ein Argument bei der Entscheidung für einen Beruf. Lehrlinge erhalten seitdem mindestens 900 Euro im ersten Lehrjahr, 1.000 Euro im zweiten und 1.100 Euro im dritten Lehrjahr.
Aufstiegschancen und Zukunftsperspektiven
Die Bedeutung des Mitwirkens und Gestaltenkönnens für junge Menschen geht nach Ansicht von Julia Bothur einher mit dem Interesse an guten persönlichen Bildungs- und Aufstiegschancen. Auch hierfür bietet das Schornsteinfegerhandwerk neue und ganz unterschiedliche berufliche Perspektiven und Qualifizierungsmaßnahmen an.
So gibt es seit diesem Herbst einen dualen Studiengang im Bereich erneuerbare Energien, mit dem man neben einer dualen Ausbildung und einem Studienabschluss auch sogleich die Befähigung erreichen kann, einen Betrieb zu gründen. "Wir sind ein Beruf mit Tradition, der aber auch stark in die Moderne greift", formuliert die Verbandssprecherin Bothur den Ansatz, der dabei deutlich werden soll.