Gesellenbrief, akademischer Abschluss und die Befähigung zur Selbstständigkeit im Schornsteinfegerhandwerk – das ist jetzt mit einem neuen Studiengang möglich. Welche Zielgruppe damit angesprochen werden soll.

Das Curriculum steht. Die Lernziele für den Studiengang "Erneuerbare Energien mit dem Profil Schornsteinfeger" an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg (HFR) sind formuliert und vor allem sind sie mit den Inhalten der Meisterprüfung im Schornsteinfegerhandwerk abgestimmt. Es sind vier Module, die den Studierenden nach einem erfolgreichen Abschluss gleich mehrere Titel bescheren können: den Bachelor of Science (B.Sc.) mit dem Studienprofil "Schornsteinfeger*in" und den Schornsteinfegergesellen. Denn bestenfalls absolvieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer parallel eine Berufsausbildung im Schornsteinfegerhandwerk – inklusive Zwischen- und Gesellenprüfung. Mit dem Abschluss in diesem dualen Studium soll jeder außerdem die Möglichkeit bekommen, einen Schornsteinfegerbetrieb zu gründen und sich offiziell auch um einen Schornsteinfegerbezirk zu bewerben.
Das ist normalerweise nur dann offiziell gestattet, wenn man einen Meistertitel im Schornsteinfegerhandwerk vorweisen kann. Am klassischen Weg vom Gesellen über den Meister zum Betrieb möchte der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks auch weiterhin festhalten. Um einen breiteren Zugang zum Schornsteinfegerhandwerk zu schaffen, ist er dennoch die Kooperation mit der HFR eingegangen und stellt nun diese neue und zusätzliche Möglichkeit vor, in der Branche Fuß zu fassen.
Studium für Schornsteinfegerhandwerk: Neue Zielgruppen ansprechen
Denn genau das soll es sein: ein Zusatzangebot mit dem Schwerpunkt darauf, neue Zielgruppen anzusprechen, um dem zunehmenden Fachkräftebedarf im Schornsteinfegerhandwerk etwas entgegenzusetzen. Denn wie in vielen anderen Branchen auch fehlen Fachkräfte und der Wandel der Energieversorgung – die Wärmewende – erfordert zusätzliche Mitarbeiter.
"Deshalb müssen wir neue Zielgruppen ansprechen und junge Menschen auch über andere Wege erreichen", sagt Udo Voigt, Vorstand im Bereich der Berufsbildung beim Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks. Er nennt dabei als Beispiel junge Menschen, die mit einem klassischen Studium hadern. "Immer wieder stellen wir fest, dass diese Männer und Frauen dann gerne etwas Handfesteres machen wollen, aber da sie ja mit der einmal erlangten Hochschulreife die Zugangsvoraussetzungen zum Studium haben, wollen sie dann doch einen akademischen Abschluss erzielen", erklärt er seine Beobachtungen. Dann sei ein duales Studium genau passend.
Schon ab dem jetzt gestarteten Wintersemester 2024/25 besteht die Möglichkeit im Kooperationsmodell, parallel eine Ausbildung zur Schornsteinfegerin oder zum Schornsteinfeger zu machen und parallel an der HFR im Studiengang "Erneuerbare Energien mit dem Profil Schornsteinfeger" einen Bachelor of Science (B.Sc.) zu erwerben. Praktisch wird das Interesse nach Angaben von Udo Voigt aber wohl erst schrittweise steigen, denn die Studierenden und auch die Betriebe müssen zunächst von dem Angebot erfahren.
Studium und Ausbildung: Dualer Weg ins Schornsteinfegerhandwerk
Die Praxis soll so ablaufen, dass die Studierenden in ihrer vorlesungsfreien Zeit zu Azubis werden und jeweils in einem Betrieb mitarbeiten. Dort sollen sie das, was sie während der Zeit an der Hochschule lernen, direkt umsetzen und im Betriebsalltag miterleben – sei es die Beratung oder die handwerkliche Arbeit. Die Ausbildung soll zwar in die Studienzeit integriert sein, doch voraussichtlich wird diese insgesamt etwas länger dauern, als der klassische Weg zum Gesellenbrief. Aber dafür sollen die jungen Menschen dann auch die Möglichkeit haben, sich mit dem Abschluss selbstständig zu machen.
Zwar steht der Rahmen für den Studiengang, aber dennoch sieht Udo Voigt noch offene Fragen, die ab jetzt zu klären sind. Dabei geht es um die Bezahlung der Arbeit in den Betrieben, die entweder als volle Ausbildungsvergütung anfallen oder im Rahmen von individuellen Verträgen ausgehandelt wird. "Außerdem müssen jetzt die Kooperationen mit den Betrieben gefunden werden", sagt der Berufsbildungsfachmann. Seiner Ansicht nach werden die ersten Studierenden ab dem Sommersemester 2025 starten.
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