Arbeitsmarktbilanz 2013 Mehr Erwerbstätige – mehr Arbeitslose

Die Zahl der Menschen ohne Job ist im Jahr 2013 leicht gestiegen, zugleich gab es so viele Erwerbstätige wie noch nie. Für 2014 erwarten Wirtschaftsexperten eine positive Entwicklung – auch weil viele Unternehmen Fachkräfteengpässen vorbauen möchten.

Die Arbeitslosenzahlen sind im Jahresdurchschnitt 2013 leicht gestiegen - zugleich gab es jedoch mehr Erwerbstätige als je zuvor. - © Foto: bluedesign/Fotolia

Im Jahr 2013 waren mehr Menschen arbeitslos als im Vorjahr: Im Jahresdurchschnitt 2013 waren 2.950.000 Menschen ohne Arbeit – ein Anstieg um rund 53.000. Und das, obwohl sich der Beschäftigungsaufbau fortgesetzt habe, sagte Frank-J. Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit (BA). "Grund hierfür ist, dass die Profile der Arbeitslosen oftmals nur unzureichend zur Arbeitskräftenachfrage passen."

Im Dezember war die Arbeitslosenzahl leicht auf 2.873.000 gestiegen, saisonbereinigt aber um insgesamt 15.000 gesunken. Denn die Nachfrage nach Arbeitskräften hat zum Jahresende 2013 wieder leicht angezogen, nachdem die Zahl der gemeldeten Stellen im Jahresdurchschnitt unter dem Wert des Vorjahres gelegen hatte. Die BA führt das vor allem auf Verluste im ersten Halbjahr zurück. Durchschnittlich waren 2013 434.000 offene Arbeitsstellen gemeldet. Besonders gesucht waren unter anderem Fachleute in den Bereichen Mechatronik, Energie und Elektro, sowie Metall.

Gute wirtschaftliche Aussichten

In Deutschland entstanden 2013 trotz Nachwehen der größten Finanzkrise der vergangenen Jahrzehnte weiter neue Jobs - wenn auch nicht mehr so viele wie in den Jahren zuvor. Allein 2013 verzeichnete das Statistische Bundesamt 41,78 Millionen Erwerbstätige in Deutschland. Damit waren am Jahresende 2013 rund 232 000 Menschen mehr im Erwerbsleben als vor Jahresfrist. Für 2014 rechnen Arbeitsmarktforscher mit über 42 Millionen Erwerbstätigen.

Warum Unternehmen trotz des derzeit geringen Wirtschaftswachstums immer neue Mitarbeiter einstellen, hat für den Leiter des Forschungsbereichs Prognose beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Enzo Weber, mehrere Gründe. "Bei vielen Unternehmern gibt es die Erwartung, dass es in Deutschland wirtschaftlich schon bald wieder gut läuft". Schließlich habe Deutschland selbst keine Schuldenkrise durchlebt.

Angst vor Fachkräfteengpässen

Zudem plage inzwischen immer mehr Firmenchefs die Sorge, sie könnten von dem in den kommenden Jahren drohenden Fachkräfteengpass kalt erwischt werden ¬ und bei plötzlich anziehender Kundennachfrage ohne die dann benötigten Ingenieure, Werkzeugmacher und IT-Fachkräfte dastehen. Zwar stellt sich die Entwicklung ¬ auch dank der wieder gewachsenen Zahl gut ausgebildeter Zuwanderer - derzeit noch nicht allzu dramatisch dar. "In den nächsten Jahren könnten sich die bereits heute in einzelnen Bereichen bestehenden Fachkräfteengpässe weiter verschärfen", gibt Weber zu bedenken.

Genau das sei auch der Grund, warum qualifizierte Zuwanderer auch nach dem Ende des mehrjährigen Job-Booms gute Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt haben, schätzt der IAB-Arbeitsmarktforscher: "Die Menschen sind da - und viele Unternehmen nutzen jetzt das Angebot an gut ausgebildeten Kräften." Dabei nähmen manche Firmen auch in Kauf, dass sie die neu eingestellten Mitarbeiter anfangs gar nicht voll auslasten könnten.

Den Einwand von Arbeitsmarkt-Kritikern, bei den neu geschaffenen Stellen handele es sich zum überwiegenden Teil um geringfügige Beschäftigung, hält Weber für zu pauschal. Zwar sei die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten im Jahr 2006 auf einen Anteil von 15 Prozent oder mehr als sechs Millionen angestiegen. Bis 2012 sei der Anteil aber auf 13,4 Prozent gesunken. Für 2013 verzeichnet das IAB einen weiteren Rückgang. dhz/dpa