Nominiert für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Materialreste kaufen und verkaufen: Fachhandel wagt nachhaltigen Schritt

Der Handel mit Materialresten von Baustellen läuft in Zeiten unterbrochener Lieferketten und langer Lieferzeiten gut, ist aber mit Aufwand verbunden. Um das Ganze weiter zu verbessern, hat das Portal materialrest24.de digitale Verknüpfungen zum Onlineshop eines Elektrogroßhändlers aufgebaut.

Elektroartikel: Materialreste im Onlineshop
Baumaterial gekauft und doch nicht gebraucht? Es gibt Portale, über die Handwerker nicht genutzte Bauteile und Materialreste verkaufen können. - © maho - stock.adobe.com

Beim Onlineshopping gehören Empfehlungen ähnlicher Angebote oder zum Kauf passender Waren und Zubehörteile immer dazu. Also warum nicht auch mal Alternativen anbieten? Die Alternative zum Kauf neuer ist der Kauf von gebrauchten Waren bzw. Resten, die noch einwandfrei sind. Das funktioniert auch bei Baumaterialien.

Der Elektro-Onlineshop des Unternehmens H. Gautzsch macht genau das. Kaufen Handwerker dort ein, wird ihnen in passenden Fällen empfohlen, die selben Artikel statt im Shop über das Portal materialrest24.de zu erwerben. Folgt man der Empfehlung, vermittelt der Onlineshop gegen eine Provision einen Kauf zwischen denjenigen, die Material übrig haben und denjenigen, die genau dieses benötigen.

Materialreste im Onlineshop: Alternative zur Neuware

Mit dieser Funktion haben die Shop-Betreiber des Fachhandels einen ganz neuen Weg der Online-Kooperation eingeschlagen, denn sie schaffen sich sozusagen selbst Konkurrenz. "Im Unternehmen haben wir hier lange darüber diskutiert. Dass wir damit den nachhaltigen Umgang mit Materialien und Ressourcen insgesamt unterstützen, hat überzeugt", sagt dazu Peter Benthues von der H. Gautzsch-Firmengruppe. Gemeinsam mit Simon Schlögl, dem Gründer von materialrest24.de hat er den Prozess begleitet, bis die Verknüpfung beider Portale aufgebaut war. Und das war nach Aussage von Peter Benthues doch ein sehr umfängliches IT-Projekt.

Und nicht nur das. Die Kooperation beinhaltet noch mehr. Sie bietet denjenigen, die einst gekaufte Materialien und Einbauteile doch nicht verwenden konnten, die Möglichkeit sie über nur wenige Klicks über materialrest.de weiterzuverkaufen. "Man kennt das ja auch von anderen Online-Marktplätzen, dass die notwendigen Beschreibungen der Artikel und das Fotos machen und hochladen davor abschrecken, dass man einen Verkauf überhaupt angeht", sagt Simon Schlögl. Genau so ist es auch bei seinem Online-Angebot bisher.

Screenshot aus der Bestellhistorie eines EInkäufers über H. Gautzsch
In der eigenen Bestellhistorie im Onlineshop von H. Gautzsch kann man direkt zu materialrest24.de gelangen.

Den Nutzern des Shops von H. Gautzsch ist es seit Anfang November allerdings möglich, den Aufwand für einen Verkauf von Materialresten über einen Onlineshop zu reduzieren. Sie können über das Auftragsarchiv des Shops aufrufen, was sie bisher gekauft haben. Wenn Reste davon vorhanden sind, können sie sie ganz einfach weiterverkaufen. "Dabei geht es alles, was wir nicht als normale Retouren zurücknehmen können, wenn etwa Verpackungen geöffnet sind", sagt Peter Benthues. "Über einen Button gelangt man direkt zu materialrest24.de. Hier muss man nur noch die Anzahl und den Preis der Waren angeben. Artikelbeschreibungen und Fotos werden aus dem Onlineshop übernommen", erklärt Simon Schlögl den vereinfachten Verkaufsprozess.

Materialreste im Onlineshop verkaufen ohne selbst Texte und Bilder liefern zu müssen

Simon Schlögl ist eigentlich Dachdecker und hat nachdem sein Portal materialrest24.de gut gestartet ist, weiter an Ideen gefeilt, wie man einwandfreie Materialreste von Baustellen und übrig gebliebene Baumaterialien weiter nutzen kann. Um die Verknüpfungen aufzubauen, die nun zwischen Handelsportal und Onlineshop bestehen, hat er lange Zeit nach einem Kooperationspartner gesucht, der bereit ist, wirklich mal etwas Neues auszuprobieren. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen materialrest24.de und H. Gautzsch nun ein Beispiel für andere geben, die es wagen wollen, völlig neue Wege zu gehen. Sie sind für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert.

Vergeben wird er Anfang Dezember 2022. Bis Ende November läuft noch ein Online-Voting, an dem sich jeder beteiligen kann. Hier geht es zur Abstimmung über verschiedene nachhaltige Geschäftsideen.>>>