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Hitzeschutz in Corona-Zeiten Maskenpflicht und Hitze: So schützen Chefs ihre Mitarbeiter

Ein heißer Sommer naht und auch bei hohen Temperaturen gilt weiterhin die Maskenpflicht. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung bei Hitze kann die Atmung jedoch zusätzlich belasten. Wie können Handwerker unter diesen Bedingungen arbeiten, ohne ihre Gesundheit zu gefährden? Und welche Maskenmodelle eignen sich bei Hitze besonders gut? Ein Überblick.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Dieses Jahr könnten Hitzerekorde brechen: Laut Prognose der Weltwetterorganisation (WMO) soll 2020 eines der heißesten Jahre seit Beginn der Messungen werden. Auch für Deutschland ist demnach im Sommer mit Höchsttemperaturen zu rechnen.

An vielen Menschen dürfte die Hitze nicht spurlos vorbeigehen. Hinzu kommt: Aufgrund der Corona-Pandemie gilt aktuell vielerorts die Pflicht, eine Maske zu tragen. Vor allem Handwerker, die schwer körperlich arbeiten, kann die Kombination aus heißem Wetter und Mund-Nasen-Schutz schwer zu schaffen machen. "Durch das Tragen einer Maske entsteht eine Steigerung der Atemarbeit. Das bedeutet, dass das Atmen durch ein Maskentuch einen zusätzlichen Widerstand für die Atemmuskeln und somit eine Erhöhung der körperlichen Belastung darstellt", erklärt Ute Pohrt, Abteilungsleiterin Gesundheit der Hauptabteilung Prävention bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU).

Bäcker fordern Gesichtsvisiere als Alternative

Aber auch ohne heiße Außentemperaturen kann das dauerhafte Tragen von Masken als belastend empfunden werden. So berichtete der Bayerische Rundfunk in einem Artikel vom Mai 2020 von Kritik des Bayerischen Bäcker- bzw. Metzgerverbandes an der Maskenpflicht im Verkauf. Mitarbeiter von Mitgliedsbetrieben würden aufgrund des stundenlangen Maskentragens verstärkt an Symptomen wie Atemnot, Schwindel oder Kopfschmerzen leiden.

Auf Nachfrage der DHZ äußerte sich auch der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks kritisch und forderte die Regelungen im Verkauf praxisgerechter auszulegen: "Wenn etwa Mindestabstände gewahrt und Schutzvorrichtung wie Plexiglas vorhanden sind, könnte auf eine Maskenpflicht hinter dem Verkaufstresen verzichtet werden. Zudem sollte nach unserer Auffassung einheitlich in allen Bundesländern das Gesichtsvisier als Alternative erlaubt werden, da es für viele Mitarbeiter unzumutbar ist, mehr als acht Stunden eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen", heißt es im Statement.

Feuchte Masken verbessern Lebensbedingungen für Viren

Ein weiteres Problem von Masken, das bei Hitze verstärkt auftreten kann: "Durch vermehrtes Schwitzen entsteht eine schnellere Durchfeuchtung der Masken. Die Feuchtigkeit bietet wiederum bessere Lebensbedingungen für Viren", so die Gesundheitsexpertin. Zudem erschwere es der Mund-Nasen-Schutz, Anzeichen von Hitzeerkrankungen rechtzeitig zu erkennen. Dazu zählen z. B eine veränderte Gesichtsfarbe oder eine verwaschene Sprache.

Aufgrund der aktuellen Bestimmungen muss die Maske aber in bestimmten Situationen getragen werden – das gilt auch, wenn große Hitze herrscht. "Unter freiem Himmel und bei Einhalten des Sicherheitsabstandes kann aber auf einen Mund-Nasen-Schutz verzichtet werden. Der schützende Effekt der Maske kommt vor allem innerhalb von geschlossenen Räumen zum Tragen. Kann der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden, sollten alternative Maßnahmen ergriffen werden", so Porth. Wie Handwerkschefs sich und ihre Mitarbeiter trotz Maske vor Hitzeerkrankungen schützen können, erklärt die BG BAU in drei Punkten:

Masken tragen bei Hitze: Das sollte beachtet werden

  • Regelmäßiges Maskenwechseln: Ist die Maske durchfeuchtet, sollte sie gewechselt werden. Dazu ist es notwendig, dass eine ausreichende Anzahl von Masken bereitsteht und die gebrauchten Masken ordnungsgemäß entsorgt bzw. zwischengelagert und gereinigt werden.
  • Häufigere Ruhezeiten: Zusätzliche Pausen können einen Ausgleich der erhöhten Belastungen bieten und ermöglichen (unter Einhaltung des Mindestabstandes) ein "Durchatmen" ohne Maske.
  • Wachsam sein: Zusätzlich empfiehlt es sich bei großer Hitze, dass die Beschäftigten aufmerksam bleiben und bei der frühzeitigen Erkennung von hitzebedingten gesundheitlichen Beeinträchtigungen unterstützen. Welche Symptome auf eine Hitzerkrankung hinweisen, erklärt die DHZ in diesem Artikel:
>>> Lesetipp : Sonne, Hitze und UV-Strahlung: Schutz auch in Corona-Zeiten nötig

Weitere Empfehlungen: Gesundes Arbeiten bei heißem Wetter

Sonnen- und Hitzeschutz für die Mitarbeiter ist keine freiwillige Leistung, sondern bei entsprechenden klimatischen Bedingungen verpflichtend für den Arbeitgeber. Die Regeln ergeben sich aus dem Arbeitsschutzgesetz, der Arbeitnehmer haben ihrerseits die Pflicht, den Weisungen ihres Arbeitgebers zu folgen.

Neben den oben erwähnten Maßnahmen empfiehlt die BG BAU Handwerkern, die im Freien bzw. bei hohen Temperaturen arbeiten, unter anderem Folgendes zu beachten, um Hitzeerkrankungen zu vermeiden:

  • Vermeidung von Tätigkeiten in direkter Sonne
  • Beschattung von Arbeitsplätzen: Falls der vorhandene Platz im Schatten nicht ausreicht, fördert die BG BAU die Anschaffung von Wetterschutzzelten als Arbeitsschutzprämie
  • Vermeidung zusätzlicher (technischer) Wärmequellen
  • Verkürzung und/oder Verlagerung der Arbeitszeit
  • Verringerung der Arbeitsschwere
  • Erhöhung von Dauer und Anzahl der Pausen
  • Explizite Planung und Vorgabe mehrerer Trinkpausen pro Stunde, um eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme der Mitarbeiter zu gewährleisten. Bei der Bereitstellung von Getränken sollte sichergestellt werden, dass die Trinkgefäße nicht von mehreren Personen benutzt werden.
Ausführliche Informationen darüber, wie Mitarbeiter bei Hitze auf dem Bau geschützt werden können, hat die DHZ auch in diesem Beitrag zusammengefasst:

>>> Lesetipp : Hitze auf dem Bau: So schützen und motivieren Sie Ihre Mitarbeiter

Dieser Maskenstoff eignet sich bei Hitze

Wer noch mehr tun möchte, um bei Hitze möglichst angenehm arbeiten zu können, kann beim Mund-Nasen-Schutz selbst ansetzen. Inge Szoltysik-Sparrer, Vorsitzende des Bundesverbands des Maßschneiderhandwerks, näht seit Beginn der Corona-Krise regelmäßig Masken für Mitarbeiter unterschiedlicher Unternehmen. Ihrer Erfahrung nach ist vor allem Baumwolle ein hitzegeeigneter Stoff, da es sich hierdurch leichter atmen lässt: "Entscheidend dabei ist das Gewicht. Ein Quadratmeter des Baumwollstoffes für die Maske sollte maximal 100 bis 120 Gramm wiegen", so die Maßschneidermeisterin. Für den Mund-Nasen-Schutz sollten zwei Stofflagen übereinander genäht werden: "Dann hat er die nötige Dichte, um möglichst vor dem Corona-Virus zu schützen. Gleichzeitig ist die Maske atmungsaktiv."

Szoltysik-Sparrer empfiehlt als Material insbesondere Baumwollstoffe mit der Bezeichnung "Standard 100 by Oeko-tex", da diese auch auf Schadstoffe geprüft sind. Diese Stoffe seien bereits für einen Preis von circa 20 Euro pro Meter erhältlich. Etwa sechs bis sieben Masken ließen sich damit anfertigen: "Das ist auf jeden Fall preiswerter als immer wieder eine Papiermaske zu verwenden", so die Bundesvorsitzende.

Genauso wichtig wie der richtige Stoff ist der Maßschneiderin zufolge aber auch, dass man sich mit der Maske wohlfühlt: "Viele Menschen haben mir berichtet, dass sie die eher rund geschnittene Masken bei der Arbeit bevorzugen. Man sollte deshalb unbedingt ausprobieren, welche Maske die passende Wahl ist." Drei weitere praktische Tipps rund um das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes gibt es im Infokasten.

Drei Tipps für ein angenehmes Maskentragen

  1. Für den perfekten Sitz darf die Maske auch bei längerem Tragen nicht rutschen. Dafür sollte sie fest um das Kinn herum abschließen. Der Nasenbereich unterscheidet sich bei vielen Menschen. Bei der richtigen Positionierung gelten somit verschiedene Voraussetzungen: "Bei einem flachen Nasenansatz sollte die Maske z. B. eher etwas höher als zu tief auf der Nase liegen", empfiehlt Szoltysik-Sparrer.
  2. Einfluss auf den perfekten Halt der Maske hat auch die Position der Bänder. Masken mit Bändern, die um den Kopf gebunden werden müssen, eignen sich eher für Menschen mit vielen Haaren. Für Menschen mit Glatzen empfehlen sich Masken mit Gummibändchen, die hinter die Ohren gelegt werden.
  3. Damit die Brille beim Maskentragen nicht beschlägt, hilft ein kleiner Metallbügel am oberen Rand der Maske, mit dem sich diese fixieren lässt. Beim Anziehen des Mund-Nasen-Schutzes gilt: Zunächst die Maske anziehen, diese bis circa zur Nasenwurzel hochziehen und danach erst die Brille aufsetzen.

Israel lockerte Maskenpflicht vorübergehend

Andere Länder sind bei der Maskenpflicht bereits konsequente Schritte gegangen: Im Mai 2020 hatte die israelische Regierung die im Zuge der Corona-Pandemie verhängte Maskenpflicht etwa vorübergehend gelockert. Grund war eine Hitzewelle in dem Land mit Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius. Mit Inhalten von dpa

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