Wirtschaftsliteratur: Markus Reiter erläutert in seinem Buch die „Neuro-Rhetorik für Manager“
Man spricht „Klardeutsch“
Bücher über das richtige Reden und Schreiben gibt es viele. Allein der Autor Markus Reiter, ein bekannter Kommunikationstrainer, führt fünf seiner eigenen Ratgeber im Literaturverzeichnis auf. Das Problem: Oft gilt auch hier die Devise „drei Experten, vier Meinungen“. Denn wenn es um Stil und Sprache geht, bleibt nicht selten viel im Subjektiven, also Ungefähren. Der eine mag es nicht, wenn ein „und“ am Satzanfang steht, der andere erhebt den Sechs-Wörter-Satz einer großen deutschen Boulevardzeitung zum syntaktischen Maß der Dinge.
Gutes Deutsch passiert im Hirn
Genau hier setzt Reiter an. Denn was klares Deutsch ist, so seine These, hat nichts mit geschmäcklerischen Präferenzen zu tun. Es ist schlicht eine Frage dessen, was im menschlichen Gehirn wie gut, das heißt schnell, verarbeitet wird. Das lässt sich mit Messverfahren wie der funktionellen Magnetresonanz- tomografie naturwissenschaftlich unzweifelhaft belegen. Solcherart gestützte Aussagen über die Verständlichkeit von Nebensätzen und Nominalstil gewinnen ganz selbstverständlich an Überzeugungskraft. Schon deshalb sollte Reiters Buch jeder lesen, der mit Sprache umgeht – also auch Handwerker, die Kunden gegenüber mit guter Rhetorik überzeugen wollen. Insofern ist seine Zielgruppendefinition „Neuro-Rhetorik für Manager“ im Untertitel nicht wörtlich zu nehmen. Obwohl: Gerade wo Hierarchien eine Rolle spielen, wird Kommunikation bisweilen dazu missbraucht, Distanz aufzubauen, sich mit Führungskräftekauderwelsch von den niederen Chargen abzugrenzen. Welche fatalen Folgen das für das beruf-liche Miteinander hat, zeigt der frühere Redakteur der „Frankfurter Allgemei-nen Zeitung“ deutlich. Er sagt aber auch, dass sich kein Redner oder Schreiber angesichts von Wortungetümen und Bandwurmsätzen auf die vermeintlichen Vorlieben oder die angebliche Verständigkeit der anvisierten Zielgruppe berufen sollte. Womit wir wieder beim menschlichen Gehirn wären, ob es nun einem Professor oder Hauptschüler gehört: Es quält sich nicht gern. Deshalb ist es fraglich, ob die Exkursion im ersten Teil des Buchs zu den mutmaßlichen Anfängen der Sprachgeschichte viele Anhänger findet. Zumal der Autor selbt Eiligen das Weiterblättern empfiehlt. Spannender als Spekulationen über Neandertalerdialoge sind Reiters Hinweise darauf, was Gesten und Worte während einer Präsentation vor der Geschäftsleitung oder einer Ansprache an die Belegschaft anrichten und auslösen. Reiter zeigt das Potenzial von Sprache: für Verkäufer, für Chefs und für Texter. Und wer ein Buch mit Titel und Corporate Design des eigenen Unternehmens auf den Markt bringt, dem darf man eine gewisse Fähigkeit zum Eigenmarketing bescheinigen. kr
„Klardeutsch“ von Markus Reiter, 224 Seiten, erschienen im Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-41396-2, 19,90 Euro (gebunden)