"Made in"-Kennzeichnung in der EU "Wir brauchen Transparenz und Sicherheit für die Verbraucher"

Die SPD-Europaabgeordneten haben sich in Straßburg für die neuen Regelungen zur „Made in“-Kennzeichnung ausgesprochen. Laut Wirtschaftsverbänden gefährdet die SPD damit das Gütesiegel „Made in Germany“. Die SPD-Europaabgeordnete Evelyne Gebhardt steht im DHZ-Interview Rede und Antwort.

Für eine verpflichtende "Made-in"-Kennzeichnung: Evelyne Gebhardt (SPD). - © Foto: evelyne-gebhardt.eu

DHZ: Frau Gebhardt, warum soll nach Ihrer Ansicht die "Made-in"-Kennzeichnung Pflicht werden ?

Gebhardt: Bei der Ursprungsangabe 'Made in Germany' handelt es sich bisher um eine freiwillige Selbstdeklaration der Hersteller. Auf europäischer Ebene gibt es schlichtweg keine einheitlichen Regelungen für die Ursprungsangabe, auch in Deutschland nicht. Es fehlen klare gesetzliche Spielregeln, wann ein Produkt die begehrte Bezeichnung 'Made in Germany' tragen darf. Immer mehr Konsumenten wollen zu Recht wissen, ob tatsächlich die wesentlichen Produktionsschritte an einem Produkt in dem entsprechenden Land erfolgt sind oder nicht. Und sie haben ein Recht darauf zu wissen, wo die Ware produziert wurde. Außerdem ist es auch nur fair, wenn kleine und mittlere Unternehmen, die nur in Deutschland produzieren nicht benachteiligt werden, gegenüber denen, die die Möglichkeit des globalen Marktes ausnutzen können. Was drauf steht, muss auch drin sein! Tricksereien bei der Angabe des Herstellungslandes darf es nicht mehr geben.

  DHZ: Das bedeutet doch wieder mehr Bürokratie für die Unternehmen?  

Gebhardt: Vielmehr bedeutet die Ursprungsangabe Transparenz und Sicherheit für die Verbraucher, und das ist, was zählt. Für Unternehmen, die ausschließlich in der Europäischen Union produzieren, bedeutet die Ursprungsangabe kaum einen Mehraufwand. Der Hersteller muss lediglich die Produkte mit dem 'Made in'-Siegel markieren und kann entscheiden, ob er das jeweilige Herstellungsland angibt, oder 'Made in the European Union' verwendet. Unternehmen, die außerhalb der EU produzieren, müssen ohnehin bei der Einfuhr der Produkte am Zoll, die Ursprungsangabe machen. Für mich ist ganz klar, die Stärkung des Vertrauens der Bürger in den europäischen Binnenmarkt und der Schutz des Handwerks stehen im Vordergrund.   

DHZ: Müssen künftig Produkte, die Teile aus China beziehen, aber in Deutschland gefertigt werden, ein „Made in China“ tragen?

Gebhardt: Wenn das Produkt, an deren Herstellung zwei oder mehrere Länder beteiligt waren, der letzten wesentlichen und wirtschaftlich gerechtfertigten Be- oder Verarbeitung in Deutschland unterzogen worden ist, so darf "Made in Germany" verwendet werden. Das heißt zum Beispiel für einen Tischler, der sein Holz aus Kanada geliefert bekommt und den Tisch dann in Deutschland produziert, dass er die Ursprungsangabe "Made in Germany" gebrauchen kann. Ein Hemd allerdings, das in Asien hergestellt wurde, darf nicht mit "Made in Italy" oder "Made in the European Union" etikettiert werden.