Markenprodukte sind beliebt – auch bei den Fälschern. Aber Fälschungen können gefährlich sein und der Wirtschaft schaden. Die EU intensiviert deshalb den Kampf gegen Produktpiraterie und startet eine Infokampagne. Sie hat Pläne für neue verpflichtende Herkunftskennzeichnungen – voraussichtlich auch für kleine Betriebe.

Designermode und Luxusartikel sind nach wie vor das Hauptziel der Produktpiraten. Aber längst geht es auch um viele andere gefälschte Produkte, deren Verbreitung die EU nun den Kampf ansagt. Im vergangenen Jahr wurden innerhalb der EU gefälschte Waren im Wert von einer Milliarde Euro sichergestellt. In Deutschland allein betrug der Wert 127 Millionen Euro.
35 Prozent aller Kunden haben schon einmal ein gefälschtes Produkt gekauft, sagt der Vorstandsvorsitzende des Aktionskreises gegen Produkt- und Markenpiraterie, Volker Bartels. "Wir müssen beim Käufer das Bewusstsein schärfen", fordert er. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Antonio Tajani, nennt die Fälschungen eine der großen Plagen unserer Zeit und hat nun eine Kampagne gegen Produktfälschungen vorgestellt. Um das Eindringen gefälschter Waren in die EU zu verhindern, sei es wichtig, die Zusammenarbeit der nationalen Strafverfolgungsbehörden zu intensivieren, mahnte er an.
Schutz vor Fälschungen: Technik hilft
Zugleich will die EU die Verbraucher mit ins Boot holen. Mit einer umfassenden Informationskampagne und Aufklärung will sie auf die Gefahren und Gefährdungen für die Einzelnen und die Belastungen für die europäische Wirtschaft aufmerksam machen. Neben Medikamenten seien auch Akkus und elektrische Geräte besonders gefährlich.
Es gibt verschiedene Systeme, mit deren Hilfe sich Käufer vor Fälschungen schützen könnten wie etwa das QR-System. Typen- und Seriennummern etwa von Kopfhörern einer Firma werden in eine Datenbank eingegeben. Kauft ein Käufer ein Produkt, so kann er mit seinem Smartphone einen QR-Code auf der Verpackung einscannnen und so die Nummern lesen. Stimmen diese bei Rücksprache mit der Firma mit den gespeicherten Daten überein, hält er das gewünschte Originalteil in Händen.
Um bei dem Thema voranzukommen, hat die EU aber noch weitere Vorschläge parat. Diese könnten wiederum direkt auch kleine Betriebe – unter anderem Handwerksfirmen, die als Herstellen tätig sind – betreffen. So soll auf Produkten nach dem Willen des Verbraucherausschusses im Europaparlament künftig das Herkunftsland stehen müssen. Das beschlossen die Abgeordneten am Donnerstag in Brüssel. Bisher ist eine solche "Made in"-Angabe freiwillig. Zusätzlich sollen die Regeln zur Bestimmung des Herkunftslandes präzisiert werden.
Der Wirtschaft wird ein Markensymbol weggenommen
Durch die neue Pflichtangabe müssen Unternehmen in der Europäischen Union nach Ansicht des EU-Abgeordneten Markus Ferber mit einem Mehr an Bürokratie rechnen, wenn sie ein Produkt auf den Markt bringen wollen. Der CSU-Politiker erklärte, dass verpflichtende Angaben keinen Mehrwert hätten. "Kommission und Parlament schaffen durch die neue Regelung nur zusätzliche Barrieren, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen", mahnt Ferber.
Er kritisiert außerdem die neu eingeführten Zollvorschriften. Zukünftig soll das Land als Ursprungsland gelten, in dem der größte wertsteigernde Teil des Herstellungsprozesses stattfindet. Bislang waren u.a. entscheidende Schritte der Endfertigung maßgeblich für die Kennzeichnung. Damit würde Teilen der deutschen Wirtschaft ihr Markensymbol weggenommen. Eine Ledertasche wäre etwa nicht mehr "Made in Germany", obwohl der letzte wesentliche Verarbeitungsort Deutschland ist, erklärte der CSU-Europaabgeordnete.
Mit der Abstimmung im Ausschuss ist die Frage der Herkunftskennzeichnung aber noch nicht entschieden. Die Pläne benötigen die Zustimmung des Plenums und der EU-Staaten. dhz/dpa