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Feiertage in Deutschland Was kostet ein Feiertag die Wirtschaft?

Aus Sicht der Arbeitgeber hat Deutschland ziemlich viele Feiertage. Dieses Jahr kommt in vier Bundesländern der 31. Oktober hinzu. Das geschieht jedoch nicht unbedingt zur Freude der Wirtschaft.

Bei Beschäftigten sind sie beliebt, in der Wirtschaft stoßen Feiertage dagegen auf wenig Begeisterung. Denn die Unternehmen fürchten durch die freien Tage eine zusätzliche Belastung. Seit diesem Jahr gibt es in vier Bundesländern nun einen arbeitsfreien Tag mehr: Der Reformationstag am 31. Oktober ist 2018 in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen ein gesetzlicher Feiertag. Doch was bedeutet der zusätzliche Feiertag für die Konjunktur?

Weniger Arbeitstage, weniger Wirtschaftswachstum

Laut Ökonomen machen sich weniger Arbeitstage beim Wirtschaftswachstum bemerkbar. Die Wertschöpfung an einem Arbeitstag beträgt mehr als zehn Milliarden Euro, wie Wirtschaftsforscher Christoph Schröder vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln erklärt. Selbst wenn ein großer Teil davon später nachgeholt wird, geht bei einem freien Tag schnell 0,1 Prozent der Jahres-Wirtschaftsleistung verloren. Die Bundesbank bestätigt die Annahme mit einer umgekehrten Rechnung: Sie kommt in einer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass ein Prozent mehr Arbeitstage im Schnitt zu einem Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Leistung um 0,3 Prozent führten. Zum Jahresende sei die Wirkung allerdings geringer, unter anderem weil viele Unternehmen um Weihnachten herum die Produktion herunterfahren würden.

Wirkung der Feiertage ist branchenabhängig

Wie stark arbeitsfreie Tage durchschlagen, hängt auch von der Branche ab. Am Bau fällt ein Arbeitstag weniger in den Wintermonaten nicht so ins Gewicht wie in den Sommermonaten. Für den Einzelhandel hingegen ist die Anzahl der verkaufsoffenen Tage entscheidend. Fällt ein Feiertag beispielsweise auf einen Samstag, trifft das die Branche härter als andere Wirtschaftsbereiche, in denen lediglich von Montag bis Freitag gearbeitet wird. Laut Ökonom Peter Hohlfeld von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung spielt der zusätzliche Feiertag nur eine geringe Rolle: "Auf lange Sicht kompensieren sich die Schwankungen beim Bruttoinlandsprodukt, die auf der jährlich unterschiedlichen Zahl der Arbeitstage beruhen."

Reformationstag ist nicht in allen Bundesländern gesetzlicher Feiertag

In normalen Jahren wird der Reformationstag in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung mit 0,9 Arbeitstagen angesetzt. Denn nur in Ostdeutschland (ohne Berlin) ist der Reformationstag immer ein gesetzlicher Feiertag. In den anderen Bundesländern ist der 31. Oktober ein gesetzlich anerkannter kirchlicher Feiertag, an dem Beschäftigte von ihrer Arbeitspflicht befreit werden könnten, wenn das die betrieblichen Erfordernisse zuließen, erläutert ein Sprecher des Arbeitgeberverbandes BDA.

Welche Feiertage 2019 neu eingeführt werden

Die wenigsten Feiertage haben die Berliner. Dort gibt es aktuell neun Feiertagen. Allerdings soll es ab 2019 einen weiteren Feiertag geben – nur auf einen Termin konnte sich die Berliner Regierungskoalition noch nicht einigen. Auch die Thüringer bekommen einen zusätzlichen Feiertag: Ein Gesetzentwurf schlägt, den 20. September, den Weltkindertag, als Feiertag vor. Der Gesetzesentwurf muss noch vom Landesparlament verabschiedet werden. Erstmals gibt es damit neue Feiertage in Deutschland. Der Buß- und Bettag wurde im November 1995 als Feiertag abgeschafft. Dadurch sollten Arbeitgeber für die Beiträge zur Pflegeversicherung entschädigt werden, die in diesem Jahr eingeführt wurde.

Weniger Feiertage führen nicht automatisch zu einer stärken Wirtschaftskraft

Das zeigt ein Vergleich der Bundesländer: Bayern führt die wirtschaftliche Hitliste an, obwohl es im Freistaat drei Feiertage mehr gibt als beispielsweise in Niedersachsen. "Ein Tag mehr oder weniger wird durch Überstunden wieder herausgearbeitet", sagt Hohlfeld. In Bezug auf die Wirtschaftskraft spielen andere Aspekte eine größere Rolle, zum Beispiel, ob eine Region im Strukturwandel stecke wie das Ruhrgebiet oder Ostdeutschland.

Kirche fordert, dass auch der Buß- und Bettag zum gesetzlichen Feiertag wird

Die Kirchen haben eine andere Sicht auf das Thema: Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat nun vorgeschlagen, dass der Reformationstag und der Buß- und Bettag bundesweit gesetzliche Feiertage werden sollen: "Es wäre ein tolles Zeichen, wenn die Politik einmal nicht allein für die Ökonomie, sondern für das Miteinander der Menschen neuen Freiraum schaffen könnte", sagte er der Funke-Mediengruppe. dpa/dhz

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