Heute um 20:15 Uhr zeigt die ARD den vierten Teil der beliebten schwäbischen Krimireihe "Die Bestatterin". Aus Sicht des Handwerks waren die letzten zwei Folgen allerdings eine herbe Enttäuschung. Gelingt dem Format nun der erhoffte Befreiungsschlag?

"Die Bestatterin, die nicht bestattet" und "Etikettenschwindel mit dem Bestatter-Handwerk" lauteten die Überschriften der DHZ-Filmkritiken, die 2021 und 2023 den zweiten und dritten Teil der ARD-Erfolgsreihe "Die Bestatterin" genauer unter die Lupe nahmen. Nach der durchaus vielversprechenden Pilotfolge von 2019 geriet das titelgebende Handwerk der sympathischen Protagonistin Lisa Taubenbaum aus dem schwäbischen Hepperlingen in den Fortsetzungen nämlich zunehmend aus dem Blickfeld.
Die Hoffnung auf Besserung im vierten Teil "Die Bestatterin – Tote leben länger", der bereits in der Mediathek abrufbar ist und am 20. Februar 2025 um 20:15 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird, war angesichts der guten Einschaltquoten nicht besonders groß – aber sie erfüllt sich zumindest zum Teil. Denn erfreulicherweise gibt es nicht nur wieder mehr, sondern auch facettenreicheres Handwerk in diesem Regionalkrimi zu sehen. Von ihrer eigentlichen Grundidee, eine leidenschaftliche Handwerkerin auf Mördersuche zu schicken, haben sich die Filmschaffenden bei genauerer Betrachtung aber verabschiedet.
Ein tödlicher Sturz vom Felsen
Der Krimi beginnt mit der obligatorischen Auftaktleiche: Nachdem eine Frau am Fuße einer Felswand tot aufgefunden wird, schlägt die aufgeweckte Bestatterin Lisa Taubenbaum (Anna Fischer) gemeinsam mit ihrem einfältigen Bruder Hannes (Frederik Bott) am Fundort der Leiche auf. Auch der Stuttgarter Kommissar Thomas Zellinger (Christoph Letkowski), neben dem Lisa gerade erst aufgewacht ist, reist aus der Landeshauptstadt an. Anders als seine Freundin ist er fest davon überzeugt, dass es sich um Selbstmord handelt – es gäbe ja so etwas wie einen Abschiedsbrief in Form einer SMS. Zellingers neue Kollegin Alessia Vogler (Alina Sokhna M‘Baye) hegt keine Zweifel an seiner Tathergangstheorie. Aber Lisa und Hannes.
Aus Sicht des Handwerks folgen nun die aufregendsten Minuten des Films: Nach dem Abtransport der Toten sehen wir Lisa bei der Arbeit an der Leiche, die sie fachkundig säubert und retuschiert. Im Gesicht der Verstorbenen verschwinden schlimme Verletzungen, die sich die Frau beim Sturz zugezogen hat. Dann rückt ein Aspekt in den Blickpunkt, der unterstreicht, warum Bestatter so viel Einfühlungsvermögen wie keine zweite Berufsgruppe im Handwerk mitbringen müssen: Lisa führt ein Gespräch mit den Hinterbliebenen. Oliver Blum (Florian Jahr), der Ehemann des Opfers, und Kim Weckerle (Anna Unterberger), die Schwester der Toten, besprechen mit ihr die Option einer Einäscherung. Solche authentischen Einblicke in den Handwerksalltag kamen in den letzten beiden Folgen der Reihe viel zu kurz.

Zwei Schritte vor, einer zurück
Und damit nicht genug: Auch Lisas Bruder Hannes, eine loyale Seele, wird mehrfach bei seiner Arbeit in der Schreinerwerkstatt gezeigt. Er tischlert nicht nur Särge, sondern auch Holzkreuze für den Friedhof. Und in den Gesprächen mit Lisas im Rollstuhl sitzendem Vater Alfons (Artus Maria Matthiessen), Inhaber des in vierter Generation geführten Bestattungsbetriebs, kommen die aktuellen Sorgen und Nöte vieler Handwerksunternehmer zu ihrem Recht: Alfons echauffiert sich über die hohen Energiekosten und eine saftige Rechnung der Stadtwerke. Mit seinem 1891 gegründeten Unternehmen steht er quasi vor dem Aus. Doch was antwortet ihm Lisa?
"Ich bin Physiotherapeutin und helfe hier nur aus", meckert die Titelfigur dieses Krimis. Nanu? Ein irritierender Wortwechsel, der fast 1:1 aus dem schwachen Vorgänger "Zweieinhalb Tote" übernommen wurde. Dass es Lisa an Identifikation mit dem Bestatterhandwerk mangelt und sie einen Zweitjob als Physiotherapeutin ausübt (oder es behauptet, denn zu sehen ist davon diesmal praktisch nichts), hat in diesem Krimiformat noch nie eingeleuchtet – abgesehen von einigen Hausbesuchen, bei denen sie sich umhören kann, bringt das der Handlung keinerlei Mehrwert. Und eine TV-Reihe mit dem Bestatterhandwerk zu betiteln, es die Protagonistin dann aber nur widerwillig ausführen zu lassen, ist denkbar inkonsequent. Man könnte das Format dann ja gleich in "Die Physiotherapeutin" umtaufen – klingt aber wohl nicht so spannend.
Provinzkrimi mit Licht und Schatten

Wer über diesen dicken Wermutstropfen hinwegsehen kann, kommt diesmal aber durchaus auf seine Kosten: Der sommerliche Krimi von Drehbuchautor Alexander Liegl und Regisseurin Lydia Bruna eignet sich vor allem als Entspannungsprogramm für den Feierabend und punktet zwar weniger mit fiebrigen Spannungsmomenten, dafür aber mit schönen Bildern. Die Idylle in Hepperlingen stört nicht einmal die Tote, die vor den Toren des Dörfchens im Wald liegt. Hier grüßt man die Postbotin noch mit Vornamen, hier trifft man sich auf einen Kaffee beim Bäcker im Ort, hier ist die Welt noch in Ordnung. Die prachtvolle Naturkulisse der Schwäbischen Alb dient wie in so vielen Regionalkrimis aber vor allem auch dazu, der Reihe im endlosen Krimi-Einheitsbrei von ARD und ZDF ein Mindestmaß an Wiedererkennungswert zu verleihen.
Ein stärkerer Fokus auf das Bestatterhandwerk, das Lisa bei ihren Nachforschungen zugutekäme, böte dazu zwar auch eine erstklassige Gelegenheit – diese Möglichkeit schöpfen die Filmschaffenden aber nicht vollständig aus. Stattdessen wagen sie einen bemühten Ausflug in ein nahegelegenes Kloster (Mystery-Anleihen im "Der Name der Rose"-Stil inklusive) und erzählen einen klassischen Whodunit ohne nennenswerte Überraschungen. Die Auflösung ist so durchschaubar wie Klarsichtfolie. Wer nach einem harten Arbeitstag aber gerne mal vor dem Fernseher einnickt, kann diese Berechenbarkeit positiv sehen: Ein kurzes Nickerchen ist bei diesem seichten Provinzkrimi nicht tragisch. Man findet schnell wieder rein.