Lohnsteuerliche Abgrenzung zwischen Geldleistungen und Sachbezug

Seit 1.1.2020 gelten bei Sachzuwendungen des Arbeitgebers an Mitarbeiter lohnsteuerlich strenge Vorgaben. Sachzuwendungen bis monatlich 44 Euro bleiben nur unter bestimmten Voraussetzungen steuerfrei.

Unter anderem müssen Geldkarten oder Gutscheine die Kriterien nach dem § 2 Abs. 1 Nr. 10a Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz erfüllen. Ein aktuelles Schreiben des Bundesfinanzministeriums erläutert die Vorgaben zur Steuerfreiheit und gewährt eine lohnsteuerlich großzügige Übergangsregelung. Zudem wird die 44 Euro-Freigrenze ab dem 01.01.2022 zu einer 50 Euro-Freigrenze.

Steuerfreiheit von Geldkarten und Gutscheinen

Gewährt ein Arbeitgeber einem Mitarbeiter im Rahmen einer Geldkarte oder eines Gutscheins einen Sachbezug von 44 Euro im Monat, bleibt dieser Vorteil unter folgenden Voraussetzungen steuerfrei (BMF, Schreiben v. 13.4.2021, Az. IV C 5 – S 2334/19/10007:002):

  • Der Gutschein bzw. die Geldkarte wird zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet.
  • Der Gutschein bzw. die Geldkarte berechtigt ausschließlich zum Bezug von Waren und Dienstleistungen.
  • Die Waren und Dienstleistungen stammen vom Arbeitgeber selbst oder von einem Dritten.
  • Der Gutschein bzw. die Geldkarte erfüllt die Kriterien des § 2 Abs. 1 Nr. 10a Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG).

Zur letzten Voraussetzung gibt es in dem BMF-Schreiben eine großzügige Übergangsregelung. Selbst wenn eine Geldkarte oder ein Gutschein nicht die Voraussetzungen nach dem ZAG erfüllt, bleibt es bei Vorliegen der übrigen Voraussetzungen bis zum 31.12.2021 bei der gewünschten Steuerfreiheit des Sachbezugs. Lohnsteuerpflichtig werden solche Leistungen erstmals ab dem 1.1.2022, sollten die Kriterien des ZAG nicht erfüllt sein.

Praxis-Tipp

Mit anderen Worten: Gewähren Sie Mitarbeitern Gutscheine oder Geldkarten bis zu einem Wert von 44 Euro pro Monat, überprüfen Sie am besten umgehend, ob die Kriterien des §2 Abs. 1 Nr. 10a ZAG erfüllt sind. Bei Zweifeln haben Sie noch genügend Zeit bis zum Jahresende beim Finanzamt eine Anrufungsauskunft nach § 42e EStG zu beantragen. Im Rahmen dieses kostenlosen Service prüft das Finanzamt, ob die Voraussetzungen für die Steuerfreiheit für einen Sachbezug vorliegen.

Übergangsregelung gilt auch für die Sozialversicherung

Diese im BMF-Schreiben vom 13.4.2021 gewährte Übergangsregelung bis zum 31.12.2021 gilt übrigens auch bei der Sozialversicherung. Das bedeutet: Fehlen die Kriterien nach dem ZAG, bleiben Sachbezüge aus Geldkarten und Gutscheinen dennoch bis zum 31.12.2021 sozialversicherungsfrei (Besprechungsergebnis des GKV-Spitzenverbandes, der Deutschen Rentenversicherung Bund und der Bundesagentur für Arbeit über Fragen des gemeinsamen Beitragseinzugs vom 24. März 2021, TOP 5).

Verhaltensknigge für die Praxis

Sollte das Finanzamt im Rahmen einer Lohnsteuerprüfung Sachbezüge aus Geldkarten und Gutscheinen lohnsteuerpflichtig behandeln, weil seit 1.1.2020 die Kriterien des ZAG nicht erfüllt sind, empfiehlt sich folgende Vorgehensweisen:

  • Legen Sie mit Hinweis auf die Übergangsregelung im BMF-Schreiben vom 13.4.2021 Einspruch gegen Lohnsteuernachforderungen im Haftungsbescheid ein.
  • Ist es für einen Einspruch zu spät, beantragen Sie eine Änderung der Lohnsteuerhaftungsbescheids im Rahmen einer Billigkeitsregelung nach § 163 Abs. 1 AO in Verbindung mit § 175 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 AO.
  • Lässt sich das Finanzamt trotz der Übergangsregelung nicht umstimmen und fordert weiterhin die Versteuerung von Sachbezügen wegen Fehlens der Kriterien des ZAG, sollte Sie die übergeordnete Behörde (Oberfinanzdirektion oder Landesamt für Steuern) einschalten und um Schlichtung zu Ihren Gunsten bitten.