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Steuertipp "Liebhaberei": Rückwirkende Verlustkürzung nicht immer rechtens

Üben Sie Ihre selbständige handwerkliche Tätigkeit im Nebenberuf aus und erzielen dabei unter dem Strich seit Jahren nur Verluste, ist irgendwann Schluss. Das Finanzamt unterstellt dann eine fehlende Gewinnerzielungsabsicht (auch als "Liebhaberei" bezeichnet) und kürzt die Verluste oftmals sogar in den Vorjahren. Hier sollten Handwerker aber ganz genau hinsehen.

Die rückwirkende Verlustkürzung für die vergangenen Jahre ist nur dann zulässig, wenn das Finanzamt die Steuerbescheide dieser Jahre nach § 165 Abgabenordnung hinsichtlich der Gewinnerzielungsabsicht vorläufig erlassen hat. Dieser Vorläufigkeitsvermerk muss in dem Steuerbescheid ausdrücklich im Erläuterungstext begründet werden. Ist die Vorläufigkeit bezüglich der fehlenden Gewinnerzielungsabsicht nicht erläutert, darf das Finanzamt die Verluste dieser Jahre nicht kürzen (FG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 22.8.2017, Az. 3 K 2227/15).

Beispiel: Das Finanzamt hat die Steuerbescheide 2014 bis 2016 wegen der fraglichen Gewinnerzielungsabsicht nach § 165 AO vorläufig gemacht und das auch jedes Mal erläutert. Wegen geänderter Mitteilungen im Rahmen einer Mitunternehmerschaft wurden die Bescheide dieser Jahre geändert. Dabei hat der Sachbearbeiter im Finanzamt vergessen, den Vorläufigkeitsvermerk in den neuen Bescheiden zu erläutern.

Folge: Das Finanzamt kann die Verluste wegen fehlender Gewinnerzielungsabsicht nicht streichen, da der manuelle Vorläufigkeitsvermerk nicht erläutert wurde.

Steuertipp: Nun hat der Bundesfinanzhof das letzte Wort in dieser Angelegenheit (BFH, Az. VIII R 12/17). Gegen die Verlustkürzung ohne erläuterten Vorläufigkeitsvermerk müssen Sie deshalb bis zu einer endgültigen Entscheidung Einspruch einlegen . dhz

Weitere Steuertipps finden Sie im DHZ-Steuerarchiv.

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