Die Internationale Handwerksmesse bietet kreativen und innovativen Betrieben eine Plattform
Heidi Roider und Daniela Lorenz
Licht im Blickpunkt
Mehr als Lampen: Designer und Gestalter im Handwerk zeigen auf der Internationalen Handwerksmesse in München ihre Ideen rund um das Thema Licht und Lampen. Die Halle A1 steht ganz unter dem Motto „Handwerk & Design“. Dort werden die kreativen Ideen vieler Nachwuchsgestalter gezeigt. Möglich machen das Kooperationen mit Fachhochschulen.
Einer der Aussteller ist der Jungdesigner Daniel Michel aus Düsseldorf. Seine Leuchte „Bye Bye Bulb“ ist geprägt vom Übergang von der traditionellen Lampe hin zur LED-Technik - auf ein Minimum reduziert. Auf den ersten Blick scheint die Glühbirne zu fehlen; erst auf den zweiten Blick erkennt man die LED-Leuchte. Michel studiert an der Fachhochschule Düsseldorf Kunst und Design.
Vor seinem Studium hat er Goldschmied gelernt und finanziert damit seinen Lebensunterhalt. Daniel Michel nimmt auch an der Sonderschau „Talente“ auf der Internationalen Handwerksmesse teil, ein internationaler Wettbewerb junger Handwerker in Gestaltung und Technik. Mit der Teilnahme erhofft er sich nicht nur, dass die Öffentlichkeit mehr auf ihn und seine Objekte aufmerksam wird: „Ich bin auch gespannt, wie die Reaktionen auf meine Hängeleuchte sind“, sagt Michel.
Gespannt sein dürfen die Besucher auch auf die Idee zweier Leipziger Designer. Ausrangierte CDs dienen bei dem Entwurf der „Data“-Lampe von Franz Gabel und Johannes Heinzmann als Lampenschirm. Nichts wird weggeworfen, sondern wiederverwendet.
Auf ein indirektes und farbiges Licht setzen Lena Lang und Daniel Jurczyk-Bäumer. Die beiden Studenten von der Akademie für Gestaltung und Design München präsentieren „Mind the Gap“, Leuchten, die sehr flach im Design gehalten wurden. Ebenfalls zu sehen ist das „Modulare Licht“ von Robert Hoffmann aus Berlin. Die Seitenwände sind beweglich. Dadurch kann mit den würfelförmigen Lampen aus Aluminium der Lichtausfall gesteuert und somit die Atmosphäre eines Raumes individuell verändert werden. Die Designleuchtmittel sind auf mehrere Stände in Halle A1 verteilt. Nicht weniger kreativ sind die Handwerker, die auf der Sonderschau „Innvovation gewinnt!“ in Halle A4.121 ihre Entwicklungen zeigen. So wie Parkettlegermeister Manfred Krause aus München. Er füllt mit seinem Parkettfußboden, der Strom erzeugen kann, eine Lücke. Denn bislang gibt es zwar viele Möglichkeiten, um mit Bewegung Energie zu erzeugen, es gibt auch schon Fußböden, die Strom erzeugen können, aber eben noch kein Parkettfußboden.
Nachdem er 2006 den Bayerischen Staatspreis für ein von ihm entwickeltes Parkett mit Klettsystem erhalten hatte, sprudelten die Ideen in seinem Kopf weiter: „Parkett bewegt sich nun mal, da ist mir der Gedanke gekommen, irgendwie müsste man doch diese Bewegung in Energie abzapfen können.“ Auf Rat der Innovationsberater der Handwerkskammer für München und Oberbayern hin, wandte sich Manfred Krause an die Technische Universität München und erläuterte Prof. Norbert Schwesinger vom Fachgebiet mikrostrukturierte Mechatronische Systeme und Experte für Energy Harvesting seine Vision. Mit Hilfe von Fördergeldern der Bayerischen Forschungsstiftung gingen Wissenschaftler und Handwerker an die Arbeit. Ziel war es, einen geeigneten Effekt und ein Material zu finden, die, großflächig verwendet, Energie erzeugen können. Das Ergebnis, das Piezoparkett, ist jetzt auf der Internationalen Handwerksmesse zu sehen und zu testen.
Piezoelektrischer Effekt
Das Piezoparkett funktioniert mit Druck (piezoelektrischer Effekt): Piezoelektrische PVDF-Folie wird mit Elektroden versehen und unter das Parkett gelegt. Kondensatoren sammeln die Energie, die erzeugt wird, wenn sich Menschen oder Fahrzeuge über den Boden bewegen und dabei aufgrund ihres Gewichtes Druck ausüben, und stellen die Energie bei Bedarf wieder zur Verfügung. Der Knackpunkt der Entwicklung war, einen Hersteller zu finden, der in der Lage ist, diese Folie so herzustellen, wie sie für diesen Zweck gebraucht wird. „Es gibt nur wenige Hersteller weltweit. Wir hatten das Glück, dass einer dieser Hersteller in Bayern ist“, sagt Prof. Schwesinger.
Auch Feinwerkmechanikermeister Werner Drobek ist ein Erfinder. Und das kam so: „Das kann doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein“, war sein erster Gedanke, als er im Jahr 2004 in seiner Werkstatt ein Tor gegen ein Sektionaltor mit einer eingebauten Tür austauschen wollte. „Ich hatte damals noch gar keine Ahnung von Sektionaltoren. Keiner konnte mir ein Tor ohne diese hinderliche Schwelle anbieten. Es hieß immer nur, schwellenlos sei nicht machbar“, erinnert er sich. Schlupftüren mit Schwelle stellen aber, auch wenn diese „nur wenige“ Millimeter hoch sind, ein ernstes Hindernis dar.
Werner Drobek gab sich mit der damaligen Marktsituation aber nicht zufrieden und fing an, nach einer Lösung zu suchen. Und war erfolgreich. Seine Erfindung ist ein Verbindungselement, mit dessen Hilfe die Tür eines Sektionaltores ohne Schwelle geöffnet werden kann. Das schwellenlose Sektionaltor stellt er ebenfalls auf der Sonderschau „Innovation gewinnt!“ vor.
Der Maschinenbaubetrieb von Werner Drobek in Iphofen stellt Dreh- und Frästeile her und konstruiert unter anderem pneumatische Ventile. Das von ihm erfundene Verbindungselement entwickelte er am CAD-Computer: „Ein zum Teil bewährtes Prinzip, aber in den Kernelementen neu und innovativ“, sagt Drobek. Die Mechanik wird in das untere Rahmenprofil der Tür eingebaut und ersetzt den Verbindungssteg zwischen den beiden Außenholmen des Tores, der sonst bei geöffneter Tür zur gefährlichen Stolperfalle wird. So kann auch das Tor problemlos mit einem beladenen Hubwagen durchquert werden. Wenn das Tor hochgefahren wird, verbindet das Element den unteren Holm der Tür mit den zwei Außenholmen des Tores, so dass alles zu einer kraftschlüssigen Einheit wird.
Das alles geschieht auf Knopfdruck mittels eines Getriebemotors, der die Verbindungselemente des unteren Holms ausfahren und damit das Tor „erstarren“ lässt. Ist das Tor geschlossen, ziehen sich die Verbindungselemente zurück, die Tür kann ganz normal und ohne Schwelle geöffnet werden.
