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Steuertipp Leistungsbeschreibung in Rechnung: Darauf achtet das Finanzamt

Meldet sich ein Umsatzsteuerprüfer oder ein Betriebsprüfer des Finanzamts in einem Handwerksbetrieb an, weiß er leider genau, wo er hinschauen muss, damit nach Beendigung der Betriebsprüfung eine Steuernachzahlung ansteht. Meist ein Garant für eine Steuernachzahlung ist die zu ungenaue oder fehlende Leistungsbeschreibung in Eingangsrechnungen. Das bestätigte unlängst der Bundesfinanzhof – zum wiederholten Mal.

Bekommen Sie für Ihren Handwerksbetrieb eine Eingangsrechnung von einem anderen Unternehmer mit ausgewiesener Umsatzsteuer, können Sie für diese Umsatzsteuer in der Umsatzsteuervoranmeldung oder in der Umsatzsteuerjahreserklärung eine Vorsteuererstattung beantragen. Doch dazu muss die Eingangsrechnungen bestimmte Inhalte und Angaben aufweisen (§ 14 Abs. 4 UStG). Eine dieser notwendigen Angaben für die Vorsteuererstattung ist die Leistungsbeschreibung.

Bekommen Sie also eine Rechnung von einem Unternehmer mit ausgewiesener Umsatzsteuer, schauen Sie sich ganz genau die Leistungsbeschreibung. Denn ist diese zu schwammig formuliert "Sonstige Leistungen", "Beratungsleistungen", "Leistungen pauschal" und das Finanzamt stößt auf solche Eingangsrechnungen, kippt die Vorsteuererstattung. Handelt es sich um eine Rechnung aus den Vorjahren, fallen auch noch hohe Nachzahlungszinsen an.

Praxis-Tipp: Selbst wenn Ihnen klar ist, wofür genau der Rechnungsaussteller abrechnet, rettet das bei einer zu ungenauen Leistungsbeschreibung leider nicht die Vorsteuererstattung. Auch ein Fremder bzw. fachkundiger Dritter – wie der Finanzbeamte – müssen wissen, wofür eigentlich abgerechnet wird.

Argumente für Vorsteuererstattung trotz ungenauer Leistungsbeschreibung

Gute Karten, die Vorsteuererstattung trotz ungenauer oder fehlender Leistungsbeschreibung zu bekommen, haben Sie, wenn sich irgendwo in der Rechnung ein Hinweis auf einen schriftlichen Vertrag, eine schriftliche Vereinbarung oder auf einen Kostenvoranschlag befindet. Dieser Hinweis rettet den Vorsteuerabzug, weil der Prüfer des Finanzamts die erbrachten Leistungen diesen Unterlagen entnehmen kann.

Rückwirkende Rechnungsberichtigung bei ungenauer Leistungsbeschreibung ausgeschlossen

Oftmals versuchen Betriebsinhaber oder Steuerberater damit zu argumentieren, dass trotz der fehlerhaften Rechnung die Möglichkeit eine rückwirkende Rechnung besteht. Das bedeutet im Klartext: Können Sie noch während der laufenden Prüfung des Finanzamts eine berichtigte Rechnung – dann eben mit der gewünschten Leistungsbeschreibung – vorlegen, muss das Finanzamt die Finger von der Kürzung bzw. der Versagung der Vorsteuererstattung lassen.

Praxis-Tipp: Doch dieses Argument zieht leider nicht. Denn der Bundesfinanzhof hat in einem aktuell veröffentlichten Urteil entschieden, dass die Möglichkeit der rückwirkenden Rechnungsberichtigung bei einer zu ungenauen bzw. fehlenden Leistungsbeschreibung nicht greift. Die berichtigte Rechnung stellt hier die erste Rechnung dar (BFH, Urteil v. 12.3.2020, Az. V R 48/17).

Fazit: Bekommen Sie also von Unternehmern für Ihren Handwerksbetrieb Rechnung mit ausgewiesener Umsatzsteuer, empfiehlt sich zur Sicherung der Vorsteuererstattung folgende Vorgehensweise:

  • Prüfen Sie, ob die Leistungsbeschreibung so formuliert ist, dass auch ein Fremder wissen kann, worüber abgerechnet wird. Ist das der Fall, ist alles in Ordnung.
  • Ist die Leistungsbeschreibung zu ungenau, in der Rechnung findet sich jedoch der Hinweis auf schriftliche Unterlagen, aus denen das Leistungspaket zu entnehmen ist, ist in Punkto Vorsteuererstattung alles in Ordnung.
  • Ist die Leistungsbeschreibung zu ungenau und in der Rechnung ist kein Hinweis auf einen Vertrag oder eine Vereinbarung, sollten Sie die Rechnung zunächst nicht zahlen und den Rechnungsaussteller mit Hinweis auf dieses neue BFH-Urteil bitten, eine berichtigte Rechnung zu schicken.
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